Analoge Fernsehübertragung soll sieben Jahre eher als im Bundesgebiet abgeschaltet werden
Berliner Kabel-TV ab 2003 total digital

Mehr Programme, neue Dienste und Breitband-Internet für alle – allerdings braucht dann jeder Fernsehzuschauer einen Dekoder.

HB BERLIN. Der Berliner Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU) hat sich mit der Deutsche Telekom AG darauf verständigt, dass die Berliner Fernsehkabelnetze bereits bis Ende 2003 vollständig auf digitale Übertragung umgestellt werden. "Jeder erhält so Zugang zum modernen Breitband-Internet", sagte Branoner dem Handelsblatt. Die heutige analoge Übertragung der Programme würde damit in Berlin sieben Jahre eher als im übrigen Bundesgebiet abgeschafft.

Branoner will über den verkürzten Umstellungszeitraum einen Anreiz für neue digitale Angebote schaffen. In seiner heutigen Verfassung sei das Kabelnetz eine Verschwendung von Ressourcen. "Wir wollen einen engen Termin setzen, damit es endlich losgeht", so Branoner. Neben zusätzlichen Fernsehprogrammen lässt sich das digitalisierte Kabel als schneller Zugang zum Internet und für neue Informationsdienste nutzen - vorausgesetzt, es wird mit einem Rückkanal versehen und in weiteren Frequenzbereichen ausgebaut.

Allerdings bräuchten alle 1,4 Millionen Berliner Kabelhaushalte dann bereits in drei Jahren für den Fernsehempfang eine Settop-Box oder ein digitales Fernsehgerät. Eine Basisversion dieser Dekoder sollen die Haushalte nach den Vorstellungen Branoners kostenfrei bekommen. Dieser Punkt sei bisher allerdings noch nicht mit der Telekom und der Geräteindustrie geklärt.

Die Vollversorgung der Berliner Kabelhaushalte mit Settop-Boxen würde etwa 1 Mrd. DM kosten. Branoner rechnet allerdings wegen der großen Stückzahl mit sinkenden Preisen für die Box. Vorstellbar sei auch die Entwicklung einer Billigbox allein für den Fernsehempfang.

Auch staatliche Subventionen will Branoner "nicht kategorisch ausschließen". Allerdings müsste es sich dann um ein offenes System handeln. Die bisher von der Telekom favorisierte D-Box der Kirch-Gruppe käme dafür nicht in Frage.

Ob es tatsächlich zur Berliner Blitzumstellung zum Digitalfernsehen kommt, ist allerdings noch nicht vollständig geklärt. Bisher hat sich darauf Branoner lediglich mit der Telekom, die das Kabelnetz Berlin-Brandenburg als einziges Regionalnetz nicht verkaufen will, über diesen Termin verständigt. Einbezogen wurden außerdem die Wohnungsunternehmen der Stadt und die Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg, die das Mindestangebot im digitalen Kabel definieren muss.

Nicht einbezogen sind bisher die privaten Kabelnetzbetreiber, die heute die Fernsehprogramme in die Hausverteilanlagen einspeisen. Das hat, wie zu hören ist, mit der derzeitig verworrenen Lage gerade bei den großen Betreibern zu tun: Demnach will Bosch sein Netz verkaufen. Der Augsburger Anbieter TSS wurde von der US-niederländischen Kabelfernsehgruppe UPC gekauft, die wiederum im Streit mit dem Konkurenten Telecolumbus liegt: Am 3. Oktober beginnt in London ein Prozess gegen die Übernahme der Telecolumbus durch die Deutsche Bank-Tochter DB-Investor, die das Unternehmen von der Veba AG gekauft hatte. UPC vertritt die Auffassung, dass Veba das UPC-Angebot hätte annehmen müssen.

Branoner verweist darauf, dass allein für die Umstellung von analoger auf digitale Übertragung das Kabelnetz nicht ausgebaut zu werden braucht. Dann wäre allerdings das Kabel weiterhin nur ein Programm-Verteilmedium. Branoner setzt aber darauf, dass die Digitalisierung Anreiz genug ist, durch Investitionen die Geschäftsmöglichkeiten mit interaktiven Diensten zu erweitern. Die Berliner Kabelnetze werden bereits seit einiger Zeit von der Telekom aufgerüstet. Die ersten Teilnetze könnten daher laut Branoner bereits Mitte 2001 vollständig umgestellt werden.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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