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Analyse: Allianz und Dresdner in einem Boot

Die Führungsspitze der Allianz, allen voran Vorstandschef Henning Schulte-Noelle und sein neuer Vize Bernd Fahrholz, ist nicht zu beneiden.

HANDELSBLATT 15.08.01. Die gestern vorgelegten Halbjahresergebnisse des Münchener Versicherungsriesen und seiner neuen Tochter Dresdner Bank zeigen deutlich, dass die Ziele des Allfinanz-Zusammenschlusses noch lange nicht erreicht sind. Die angestrebte Pole-Position unter Europas Finanzdienstleistern ist noch weit entfernt. Schon das Qualifying bereitet den beiden Herren größte Mühe. Zunächst sorgten der Verzicht auf den Börsengang und die Entlassungswelle bei der Investment-Bank Dresdner Kleinwort Wasserstein für Unruhe, weil damit die ersten Versprechungen gebrochen wurden. Jetzt trübt die unerwartet schlechte Ertragslage der Dresdner Bank die Stimmung. Das von Fahrholz geleitete Institut erreichte nicht einmal das Ergebnis des ersten Halbjahres 2000, das von zwei gescheiterten Fusionsversuchen tief gezeichnet war. Und dies, obwohl nun der Gewinn durch den Verkauf von Wertpapieren für 300 Millionen Euro aufgebessert wurde.

Schulte-Noelle und Fahrholz müssen aber nicht nur dafür sorgen, dass irgendwann die Kasse wieder klingelt. Sie müssen auch in und außerhalb des Konzerns weiter Überzeugungsarbeit leisten. Dass die Mitarbeiter der Allianz bereits über die hohen Gehälter der Dresdner- Leute murren, ist da noch das kleinste Problem. Sie müssen vor allem das Kunststück fertig bringen, die unterschiedlichen Kulturen der Versicherung und der Bank unter einen Hut zu bringen. Nach außen gilt es, Aktionäre und Kunden vom Nutzen des Zusammengehens zu überzeugen, denn bisher ist für sie kaum ein Mehrwert zu erkennen.

Wie stark die Belastungen durch die Ertragsschwäche der Dresdner für die Allianz-Gruppe sein werden, ist gegenwärtig noch nicht abzusehen. Nur die Richtung ist klar: Die Allianz weist ein solides, aber leicht negatives Ergebnis für die ersten sechs Monate aus. Die Dresdner dagegen hat als schlechteste der deutschen Großbanken deutlich im Minus abgeschlossen. Im zweiten Halbjahr dürfte die Schere noch weiter auseinander gehen: Die Allianz erwartet unverändert ein Gewinnplus von 13 Prozent. Die Münchener wiesen aber gestern eigens darauf hin, dass diese Schätzung ohne das Ergebnis der Dresdner zu verstehen ist. Man muss kein Hellseher sein, um angesichts der anhaltenden Börsenflaute für die sehr kapitalmarktabhängige "Beraterbank" ein weiteres schwaches Halbjahr vorherzusagen.

Denn bei der Dresdner lahmt das Geschäft mit den privaten Kunden wie bei allen Banken, und das Provisions- und Handelsergebnis bricht angesichts fehlender Aufträge weg. Die Kosten laufen den Frankfurtern trotz des im letzten Jahr verkündeten umfassenden Restrukturierungsprogramms weiter davon - um knapp 20 Prozent stieg der Aufwand allein im ersten Halbjahr. Auch die steigende Zahl der Insolvenzen, die zwangsläufig Kreditausfälle nach sich zieht, dürfte das Ergebnis der Dresdner belasten. Hier wartet auf die Allianz-Spitze noch eine Menge Arbeit, bis sich das Kreditportfolio der Tochter zufrieden stellend präsentiert.

Einen deutlichen Schub darf sich die Allianz - Dresdner-Gruppe dagegen vom wachsenden Markt der privaten Altersvorsorge versprechen. Hier könnte der integrierte Finanzdienstleister der Konkurrenz einen Schritt voraus sein, da er sämtliche Produkte im Angebot hat. Dennoch ist Geduld gefordert. Minus mal Minus gibt anders als bei Adam Riese eben nicht Plus.

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