Analyse
Anleger haben bei Medientiteln Qual der Wahl

Der Wettbewerb der Medienunternehmen am Neuen Markt um die Anleger wird aus Sicht von Analysten immer härter. Die Investoren haben angesichts der Vielzahl der Werte derzeit die Qual der Wahl. Bereits mehr als dreissig Firmen aus der Medienbranche sind vor allem an diesem Börsensegment gelistet und ein Ende des Booms scheint nicht in Sicht.

Reuters FRANKFURT. Bis Ende des Monats will der Münchner Film- und Musikproduzent Fame AG an den Neuen Markt gehen. Im Herbst planen mit der Frankfurter Baumhaus Medien AG, der Wige Medien AG aus Frechen und der Chemnitzer Artemedia AG drei weitere Medienunternehmen den Sprung an die Börse.

"Den Überblick über jedes einzelne Unternehmen habe ich längst verloren," gesteht Friedrich Schellmoser, Medienanalyst der Hypo-Vereinsbank . Seiner Meinung nach steht dem Medienbereich ein schweres Jahr bevor. Verantwortlich dafür seien die vielen Börsengänge und deren "schlechtere Qualität". "Es werden noch weitere Unternehmen an die Börse gehen, die ähnlich aufgestellt sind wie Fame", sagte Schellmoser. "Das sind eher kleingewerblich gestrickte Unternehmen und im Grunde keine gewachsenen Gesellschaften." Schellmoser stuft derzeit nur die von der Hypo-Vereinsbank im vergangenen Jahr an die Börse gebrachten Intertainment und Helkon Media AG als "überdurchschnittlich" ein. Intertainment sei 50 % billiger als die Konkurrenten Highlight Communications oder Advanced Medien und damit sehr günstig bewertet. Ausserdem habe das Unternehmen durch den Erwerb von internationalen Rechten die Abhängigkeit vom enger werdenden deutschen Markt reduziert.

Helkon Media sei zwar ein viel kleineres Unternehmen mit kurzfristig wenig Kaufgründen. Allerdings knüpfe Helkon langsam ein internationales Vertriebsnetz, dessen Erfolge in einem Jahr sichtbar würden. Daher sehe er hier langfristig Potenzial.

Den Branchenriesen EM.TV , den die Hypo-Vereinsbank mit an die Börse brachte, stuft Schellmoser derzeit nur auf "neutral" ein. Zwar habe der Titel sehr viel Fantasie, kurzfristig sehe er für das Unternehmen aber eher Probleme. EM.TV müsse erst einmal zeigen, ob es die vielen Akquistionen integrieren könne.

Für Annelie Hoppe von WestLB Panmure hat die Medienbranche auch weiterhin Potential, vor allem wenn sich technische Standards für Dienste wie Video-on-demand herausgebildet hätten. Zur Zeit sei allerdings eine gewisse Ernüchterung zu beobachten. "Nach der Euphorie vom letzten Jahr, wo jede angekündigte Kooperation zu Kursgewinnen führte, sieht man das jetzt skeptischer und will erstmal Zahlen sehen." Hoppe erwartet, dass es auch zu Übernahmen kommen wird, da manche Firmen nur eine sehr dünne Kapitaldecke hätten. "Man muss sich jedes einzelne Unternehmen und jeden Film sehr genau ansehen", rät die Medienanalystin. "Der klare Favorit ist EM.TV ." Das Unternehmen, dessen Börsengang vor vier Jahren von der WestLB betreut wurde, habe die beste Strategie, sei breit aufgestellt und international gut positioniert. "Wenn man ein Medienunternehmen braucht, dann das."

Hoppes zweiter Favorit mit einem Kursziel von 30 Euro ist RTV Family Entertainment . RTV sei viel kleiner als EM.TV, aber auch im Fernseh- und Animationsbereich tätig und derzeit unterbewertet. Generell bevorzugt die West LB Panmure-Analystin TV-Produktionsfirmen, da sie über ein geringeres Risikopotential verfügten als die Kinofilmproduzenten. TV-Produzenten bekämen ihr Geld vom Sender und seien deswegen weniger volatil als die Filmproduktionsunternehmen, die direkt vom Kunden an der Kinokasse abhängig seien.

Auch für Oliver Rupprecht von M.M. Warburg ist die EM.TV-Aktie ein Kauf. "Wir bevorzugen weiterhin die großen Unternehmen wie EM.TV , die schon ein gewisses Wachstum hinter sich haben." EM.TV sei mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30 für 2002 für ein Medienunternehmen günstig bewertet. Als Kurziel für den Titel hat Rupprecht 100 Euro festgesetzt. Ebenfalls kaufenswert mit Kursziel 60 Euro ist für den Medienexperten die Aktie der Münchner Constantin Film . In der Medienbranche seien Kontakte und Erfahrung sehr wichtig und Filmproduzent Bernd Eichinger von Constantin verfüge über diese sogenannten "soft factors".

Die Kölner Brainpool TV AG ist für Jan Herbst von Sal. Oppenheim, das die Produktionsfirma im vergangenen Jahr an die Börse gebracht hatte, der Favorit unter den Medienunternehmen. "Sie haben schon bewiesen, dass sie mit geringen Mitteln grosse Quoten erzielen können und sie haben die Vernetzung von Medien und Internet vorangetrieben." Medienunternehmen, die neu an den Markt gehen, müssten sich deutlich von der Konkurrenz absetzen, was angesichts der Menge der Unternehmen immer schwieriger werde. "Es werden sich diejenigen Unternehmen durchsetzen, die über eine große Bibliothek verfügen und schon einen Markennamen haben", sagt Herbst. Anlegern empfiehlt der Experte mit einem Einstieg in Medienaktien noch bis nach der Sommerpause zu warten.

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