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Analyse: Das Finanzgebaren Schweizer Manager

dpa GENF. Erst die Swissair, jetzt der Schweizer Reiseriese Kuoni: In den Chefetagen der Eidgenossenschaft rumort es derzeit gewaltig. Es geht um die Verteidigung von Machtpositionen und ums Geld. Bei der Traditionsfluglinie war es der Vorwurf, dass den angeblichen Versagern der Geschäftsführung noch ein unmoralisch hohes Gehalt gezahlt wurde. Bei Kuoni soll es eine ethisch nicht vertretbare Bereicherung in Millionenhöhe sein. In beiden Fällen regt sich ein öffentliches Gewissen, das bisher weitgehend unbeachtet ließ, dass Schweizer Manager zu den höchstbezahlten Europas gehören.

Die "Neue Zürcher Zeitung" sprach vom "Gift der Maßlosigkeit". Das für seine Zurückhaltung bekannte Schweizer Blatt schrieb: "Die Spitzen schweizerischer Konzerne legen unter dem Deckmantel behaupteter Markterfordernisse bisweilen eine Maßlosigkeit an den Tag, die an die Adresse der meisten Bürger kaum mehr kommunizierbar ist." Ausgelöst hatte diese Empörung der Machtkampf bei Kuoni. Vorstandschef Daniel Affolter sah sich unversehens von fünf seiner Vorstandskollegen öffentlich aufgerufen, sein Amt niederzulegen. Als er nicht folgte, wurde er am Wochenende zwangsenthoben. Nun droht ihm auch noch eine Strafanzeige.

Auslöser sind acht Mill. Schweizer Franken (10,1 Mill. DM/5,1 Mio Euro), die sich Affolter - "für meine Leistung in den vergangenen zehn Jahren" - zusätzlich zu seinem Jahresgehalt von 1,7 Mill. Franken von der Kuoni-Stiftung auszahlen ließ. Der reagierte mit dem Überraschungshinweis, das Geld gehe an SOS-Kinderdörfer. "Ich trete gern den Beweis dafür an, dass es mir nicht um persönliche Bereicherung geht", so Affolter. Pikant: Er soll veranlasst haben, dass die Stiftung ihren Ratsmitgliedern insgesamt rund 12 Mill. Franken auszahlen soll, davon eben 8,1 Mill. an ihn selbst.

Einige Wochen zuvor war ebenfalls ein Sturm der Entrüstung durch die Medien gegangen, als der ehemalige Chef der knapp einer Bruchlandung entronnenen Swissair, Eric Honegger, angeblich eine sich auf etwa fünf Mill. Franken summierende Lohnfortzahlung plus freier 1. Klasse-Flüge für sich und Gattin verlangt hatte, obwohl er sein Amt niederlegen musste. Dies löste eine Debatte über die Spitzengehälter aus, wie etwa bei den Schweizer Bundesbahnen SBB, die von vielen ebenfalls als unmoralisch hoch bezeichnet wurden.

Dies umso mehr, als in der Schweiz gerade der Begriff "Working Poor" an Bedeutung gewinnt. Damit sind diejenigen Schweizer gemeint, die trotz Arbeit nicht von ihrem Einkommen leben können und auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Dazu meinte Bundespräsident Moritz Leuenberger in seiner 1. Mai-Rede, nicht die Löhne der Generaldirektoren seien der "wahre Skandal", sondern die Tiefstlöhne in der Privatwirtschaft, "die von der Fürsorge nachgebessert werden müssen, damit sie zum Leben reichen". Der Schandfleck im Land seien Hunderttausende von "Working Poor".

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