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Analyse: Das Vertrauen wächst weiter

Bereits zum zweiten Mal in dieser Woche bescheren Wissenschaftler positive Zahlen zur Konjunktur in den USA. Die Amerikaner blicken erwartungsvoller in die Zukunft, zumindest was das Vertrauen in die Wirtschaft ihres Landes angeht. Sie glauben, dass sie künftig mehr verdienen werden und wollen mehr Geld für Autos, Kühlschränke oder Fernseher ausgeben.

DÜSSELDORF. Das Vertrauen der Verbraucher wirkt wie ein Schmiermittel für die Wirtschaft. Es ist wichtig, weil die Ausgaben für Konsum rund zwei Drittel zum Bruttoinlandsprodukt der USA beitragen. Wer kein Geld hat, kann keines ausgeben. Wer um seinen Job fürchten muss, wird sparen. Nur wer glaubt, künftig mehr verdienen zu können, wer erwartet, dass sein Einkommen schneller steigt als die Preise, die er für seinen Lebenserhalt ausgeben muss, wird auch den Konsum ankurbeln - und damit das Bruttoinlandsprodukt.

Seit 1966 stellen die Forscher der Universität Michigan etwa 500 Haushalten in allen amerikanischen Staaten außer Alaska und Hawai telefonisch die gleichen etwa 50 Fragen. Das Ergebnis der ersten Umfrage von 1960 ergibt somit den Wert 100. An diesem Wert orientieren sich alle anderen Umfragen. Im März stieg der Index nach den am Freitag endgültig veröffentlichten Zahlen auf 95,7 Punkte. Im Februar hatte er nur 90,0 betragen.

Damit wurden bereits zum zweiten Mal in dieser Woche die Konjunkturpessimisten Lügen gestraft. Am Dienstag beflügelte das private Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board mit seinem Index über das Konsumentenvertrauen die konjunkturelle Euphorie. Der Index, für dessen Ermittlung seit 1977 monatlich 5 000 Haushalte in den USA befragt werden, stieg im März auf einen Stand von 110,2 Punkten nach 95,0 Punkten im Februar. Zum Vergleich: Der bislang höchste Wert lag im Mai 2000 bei 144,7 Punkten, der niedrigste zum Jahreswechsel 1974/75 bei 43,2. Als Vergleichsjahr gilt 1985 mit 100 Punkten.

Lynn Franco vom Conference Board wertet den Anstieg des Indexes im März als deutliches Zeichen für ein verbessertes Wirtschaftsklima. "Die jüngsten Zugewinne sind umwerfend. Der Index für die Einschätzung der gegenwärtigen Situation verzeichnete den höchsten Anstieg seit 25 Jahren, während jener für die Erwartungen das deutlichste Plus in fast einer Dekade registrierte", so Franco.

Obwohl die Konjunkturpessimisten warnen, den langsam beginnenden Aufschwung zu überschätzen, weisen immer mehr Anzeichen auf eine nachhaltige konjunkturelle Erholung hin. Die Investmenthäuser in den USA hören langsam auf, sich gesund zu schrumpfen. Sie stoppen den Abbau von Arbeitsplätzen, um für die nächste Boomphase vorbereitet zu sein. Schließlich sind die Kosten für die Anwerbung neuer Mitarbeiter oftmals höher, als durch den Rausschmiss eingespart werden kann.

Einzig der Ölpreis könnte die Stimmung vermiesen. Der Preis hat sein Sechs-Monats-Hoch erreicht. Ein Krieg gegen den Irak würde das zarte Pflänzchen der wirtschaftlichen Erholung zerdrücken. Auch könnte der hohe Ölpreis dafür sorgen, dass sich die Einkaufsmanager der großen US-Firmen doch wieder etwas pessimistischer zeigen als in der jüngsten Vergangeneheit. Am Montag wird der Einkaufsmanagerindex für März veröffentlicht. In den vergangenen vier Monaten ging es stetig nach oben.

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