Analyse
Der "Fall Wontorra": Ein Novum in der TV-Welt

Überraschende Kehrtwende im "Fall Wontorra": Der Sat-1-Reporter kehrt eine Woche nach seinem Rückruf aus Asien wegen unterschiedlicher Werbeinteressen seines Senders und seinem persönlichen Sponsor in das WM-Team von Sat 1 zurück.

dpa HAMBURG. Überraschende Kehrtwende im "Fall Wontorra": Der Sat-1-Reporter kehrt eine Woche nach seinem Rückruf wegen unterschiedlicher Werbeinteressen seines Senders und seinem persönlichen Sponsor in das WM-Team von Sat 1 zurück. Wontorra wird von Samstag an wieder auf Sendung sein. Das ist das Ergebnis eines Gespräches mit der Sat-1-Führung und Vertretern der Deutschen Telekom am Montagabend in Berlin. Der 53-Jährige darf aber nicht wie geplant als "Anchor" arbeiten, sondern wird als Kommentator eingesetzt. Seine Werbung mit Vodafone wird indes fortgesetzt.

Die Irritationen um die Person Wontorras zeigt trotz der schnell herbei geführten Schlichtung, dass potente Werbepartner Einfluss auf die redaktionelle Gestaltung eines Fernsehprogramms nehmen können - in der TV-Branche ist dies schon lange kein Geheimnis mehr. Langfristige Vereinbarungen zwischen Werbepartnern und Moderatoren bedingen letztlich, dass die Publikumslieblinge allein schon deswegen im Programm bleiben, weil sie dem Sender Werbeeinnahmen bescheren: Günther Jauchs Kampagne für den Erhalt des Regenwalds im Namen einer fränkischen Biermarke ist ein prominenter Beleg dafür. RTL wiederum profitiert von der Bierwerbung.

Dass nun aber ein Sender und sein prominenter Moderator unterschiedliche Werbekunden an der Hand haben und deswegen aneinander geraten, ist höchst ungewöhnlich. Sat 1 muss seine Geschäftsbeziehungen sorgfältiger denn je pflegen. Nach dem Einbruch am Werbemarkt, der mit dem Kollaps an den Börsen einsetzte und von den Ereignissen des 11. September beschleunigt wurde, buhlen die TV-Veranstalter mit allen Mitteln um Werbeeinkünfte und beugen sich der Macht der Unternehmen, die mit ihren Werbeetats deutlich zurückhaltender umgehen.

Laut Gesetz muss ein Fernsehsender die Trennung von Werbung und Programm gewährleisten. Geschieht dieses in ausreichendem Umfang? "In meinen Augen muss dafür gesorgt werden, dass die Trennung noch viel klarer definiert wird", sagt der Medienwissenschaftler Bernd Schorb von der Universität Leipzig. "Es muss dafür gesorgt werden, dass kein Sponsor in irgendeiner Form Einfluss auf das Programm nehmen darf. Alles andere ist ein Skandal." Sein Mitleid mit der Person Wontorras halte sich im übrigen in Grenzen.

Der Berliner Privatsender ist bei den Vorgängen offenbar in eine Zwickmühle geraten. Wontorra soll an jedem WM-Tag für Vodafone einen aktuellen Spot drehen, der sich auf die Tagesereignisse bezieht. Andere Protagonisten sind aber nicht vorgesehen - so steht und fällt der Vodafone-Werbefeldzug mit der Person Wontorras. Und da dort kein Spielraum besteht, musste Sat 1 dem Drängen von T-Mobile nachgeben. Ein T-Mobile-Sprecher sagt, seine Firma habe mit dem Sender eine Exklusivvereinbarung getroffen - die Personalentscheidung sei aber Sache von Sat 1 gewesen.

Wolfgang Schulz, Jurist beim Hamburger Hans-Bredow-Institut für Medienforschung, bewertet den Fall als "bemerkenswert" und findet es unbegreiflich, dass niemand im Vorfeld den Interessenkonflikt bedacht habe. "Wenn sich herausstellt, dass Wontorra bei den Abmachungen mit Vodafone die Begleitumstände nicht bedacht hat, kann ihn das sogar teuer zu stehen kommen", sagt Schulz. "Er muss sich sicherlich warm anziehen."

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