Analyse der Wahlforscher
SPD bewahrte „Kompetenzführerschaft“ im Nordosten

Der klare SPD-Sieg bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ist für Meinungsforscher vor allem in der Person von Ministerpräsident Harald Ringstorff begründet.

HB/dpa SCHWERIN. Der Sozialdemokrat gelte für 68 Prozent der Bürger im Nordosten als guter Amtsinhaber, teilte infratest-dimap heute in einer Analyse für die Deutsche Presse-Agentur mit. Die PDS sei hingegen von den Wählern "regelrecht abgestraft" worden. Der Rostocker Politikwissenschaftler Hans Jörg Hennecke rechnet in einer neuen rot-roten Koalition mit mehr Streit, weil die Sozialisten ihr Profil schärfen müssten. Der Politologe plädierte für eine große Koalition. Ein solches Bündnis könne die Probleme im Land besser anpacken.

Nach einer NDR-Analyse hielten die Wähler Ringstorff nicht nur für sympathischer, sondern trauten ihm auch mehr Wirtschaftskompetenz zu als seinem Herausforderer Eckhardt Rehberg (CDU). Zudem hat es die SPD laut infratest-dimap verstanden, den Christdemokraten auf dem klassischen Unionsfeld der Kriminalitätsbekämpfung die "Kompetenzführerschaft" abzunehmen.

Der PDS habe es geschadet, dass sie in der rot-roten Koalition viele Erwartungen nicht erfüllt habe. Hinzu seien "hausgemachte Skandale" gekommen. Hennecke sagte, im Vergleich zum Partner sei die PDS farblos geblieben. "Alles, was in der Koalition gelang, wurde der SPD gutgeschrieben." Bei den Verlusten der PDS hat nach Ansicht des Rostocker Politologen Nikolaus Werz auch die Bundespolitik eine Rolle gespielt: etwa der Rücktritt von Gregor Gysi als Berliner Wirtschaftssenator und die Ablehnung des Irak-Krieges durch den Bundeskanzler. Laut infratest-dimap blieben enttäuschte PDS-Wähler zum Großteil zu Hause, 45 000 wechselten zur SPD.

Die FDP verdankt ihre Zugewinne nach Einschätzung Henneckes vor allem Jungwählern. "Diese Partei hat es geschafft, junge Leute anzusprechen." Den Grünen fehle - anders als der FDP - eine Basis im Land. Mit Blick auf die kommende Legislaturperiode forderte Hennecke: "Das Pendel im Land muss zu Gunsten der Marktwirtschaft ausschlagen." In einem Bündnis aus SPD und CDU könnten soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Gesichtspunkte besser unter einen Hut gebracht werden und Probleme wie Arbeitslosigkeit und Abwanderung gelöst werden. Die PDS sei mit ihrer Wirtschaftspolitik "auf dem Holzweg", sagte er. "Es ist nicht sinnvoll, den zweiten Arbeitsmarkt aufzublähen."

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