Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung
Lohneinbußen für Zeitarbeiter überraschend gering

Die Löhne von Zeitarbeitern in Deutschland liegen nach Analysen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nicht so weit unter den Einkommen regulär Beschäftigter wie bislang angenommenen.

Reuters BERLIN. "Zeitarbeiter verdienen im Durchschnitt weniger als Nichtzeitarbeiter", hieß es in einer DIW-Studie vom Mittwoch. "Diese Differenz ist aber erheblich geringer als bisher angenommen, wenn man die mitunter gravierenden Unterschiede in den Eigenschaften von Zeitarbeitern und Nichtzeitarbeitern berücksichtigt." Ehemalige Zeitarbeiter verzeichneten zudem in einer späteren Langzeitbeschäftigung keine Lohneinbußen im Vergleich zu Kollegen, die nie Zeitarbeit geleistet haben. Zudem hätten Zeitarbeiter ihr Einkommen bei Wiedereintritt in reguläre Beschäftigungen meist verbessert.

Die gewerbliche Zeitarbeit ist derzeit eine der am stärksten expandierenden Beschäftigungsformen in Deutschland. Allein in den vergangenen zehn Jahren habe sich die Zahl der Zeitarbeiter nach DIW-Angaben verdreifacht. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr mehr als 929 000 solcher Beschäftigungsverhältnisse. Die beschäftigungspolitische Bedeutung der Zeitarbeit sei also deutlich gewachsen.

Größte Lohndifferenz bei Arbeitnehmern ohne Berufsausbildung

Die größte Lohndifferenz zwischen Zeitarbeitern und vergleichbaren Nichtzeitarbeitern mit bis zu 25 Prozent gibt es nach DIW-Angaben bei Arbeitnehmern ohne Berufsausbildung. Dabei habe sich der Anteil der Geringqualifizierten an der Zahl der Leiharbeiter inzwischen leicht erhöht. Die deutlich niedrigeren Löhne für Zeitarbeiter in diesem Bereich hätten den Charakter von "Einstiegslöhnen", mit denen diesen der Einstieg in eine bezahlte Arbeit erleichtert werde. Diese Gruppe scheine aber auch langfristig in der Lohnentwicklung von einer Tätigkeit in der Zeitarbeit besonders zu profitieren.

Vergleiche man die Einkommen von Betroffenen ein Jahr vor Eintritt in die Zeitarbeit mit denen fünf Jahre nach Austritt aus dieser Arbeitsform, so lägen letztere für die meisten Gruppen deutlich höher. Dies lasse auf eine langfristige Besserung der Entlohnung ehemaliger Zeitarbeiter schließen.

In zwei Wochen wollen Gewerkschaften und Leiharbeitsfirmen ihre Tarifverhandlungen zur Leiharbeit aufnehmen. Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) wurden bereits erste Sondierungsgespräche geführt. Man hoffe, dass die Verhandlungen bis zum Frühjahr abgeschlossen werden könnten.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte erklärt, die Tarifverträge für Leiharbeiter müssten unter den Lohnabschlüssen für die Stammbelegschaften der Firmen liegen, die Leiharbeiter beschäftigen. Über die Höhe des Abschlags müsse noch beraten werden.Mit Hilfe der Hartz-Reform sollen Arbeitslose über Leiharbeitsfirmen wieder in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden. Unternehmen und Opposition hatten kritisiert, dass durch die Tarifverträge die Voraussetzungen für Leiharbeit extrem verschlechtert würden.

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