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Analyse: Die Logik der Wettbewerbshüter

dpa HAMBURG. Was lange währt wird nicht immer gut. Die seit Monaten verhandelte Fusion der Musikkonzerne Bertelsmann Music Group (BMG) und EMI Group ist gescheitert. Der umfangreiche EMI - Rechtekatalog wäre mit BMG um eine wertvolle Palette klassischer Rock-Musik ergänzt worden. Doch der Zusammenschluss scheiterte an dem zu erwartenden Einspruch der Brüsseler Wettbewerbsbehörden. Die hatte vor einem Jahr bereits die Fusion von EMI mit AOL/Time untersagt.

Bis zuletzt hatten Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff und EMI-Chef Eric Nicoli versucht, die EU-Behörden in informellen Gesprächen zu überzeugen. In allen Detailfragen über den Firmenwert, die künftige Strategie und das Management war Einigkeit erzielt worden. Wie aus dem Hause Bertelsmann zu erfahren ist, will man auch nach der gescheiterten Fusion zusammenarbeiten.

EMI scheitert zum zweiten Mal

EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti und seine Experten hatten sich wie im Fall des vorigen Fusionsversuchs von EMI mit AOL/Time gegen die Entstehung einer zu hohen Marktkonzentration entschieden. Ihre Forderungen liefen auf eine Abtrennung wichtiger Teilbereiche der zu fusionierenden Unternehmen hinaus. Die Betroffenen stellten am Schluss aber fest, dass durch die Auflagen für eine Genehmigung der Fusion das ganze weniger wert gewesen wäre, als die Summe der Einzelteile zuvor.

Die Logik der Wettbewerbshüter

Die Logik der Wettbewerbshüter richtete sich nach den bislang bekannten Tatsachen aus: BMG und EMI sind zwei der fünf großen Konzerne, die den internationalen Musikmarkt beherrschen. Weltmarktführer ist Universal Musik mit einem Marktanteil von 21,2 Prozent. Das Unternehmen gehört zur Vivendi-Universal-Gruppe. Auf Platz zwei rangiert Sony Music (17,7), gefolgt von der EMI Group (13,2). Platz vier nimmt die Bertelsmann Music Group (BMG) mit 12,5 Prozent ein, gefolgt von Warner Music (11,1).

Doch mitten hinein in die informelle Prüfungsphase hat sich das Musikgeschäft grundlegend geändert: Hieß es zu noch jeder gegen jeden, so sind durch die neuen Vertriebskanäle im Internet plötzlich zwei vollkommen neue Machtblöcke entstanden: Universal Music und Sony Music stehen mit ihrer Plattform Duet plötzlich der konkurrierenden Online-Plattform MusicNet von BMG, Warner und EMI gegenüber. Während letztere schon weit gediehen ist, besteht das Angebot von Duet bislang nur aus Ankündigungen.

Im Internet spielt zukünftig die Musik

Im Internet spielt künftig die Musik. Zu den Musikgiganten haben sich gleichfalls starke Partner hinzugesellt: MusicNet hat als Partner den weltgrößten Online-Dienst AOL, den Microsoft-Konkurrenten RealNetworks und die größte Online-Gemeinde im Internet überhaupt, die Musiktauschbörse Napster, ins Boot geholt. Dagegen hat Duet mit dem Partner Yahoo vergleichsweise wenig anzubieten. Auch technisch sind die Ungleichgewichte deutlich: Während Duet zunächst nur nicht- speicherbare Streamings anbietet, verfügt Musicnet bereits über den zweiten Schritt, die Möglichkeit des Herunterladens.

In diese Konstellationen können die Kartellbehörden nicht eingreifen, weil die neuen Blöcke vorsorglich erklärt haben, dass ihre Angebote ausdrücklich nicht-exklusiv sind. EMI-BMG war so gesehen gestern, der digitale Musikvertrieb und dessen Machtkonstellationen beschreiben die Marktkonzentration von heute.

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