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Analyse: Erholung der US-Wirtschaft nicht gefährdet

dpa-afx FRANKFURT. Nach der Veröffentlichung einer Reihe von US-Konjunkturzahlen am Freitag sehen Analysten eine Erholung der US-Wirtschaft ab der zweiten Hälfte des laufenden Jahres noch nicht ernsthaft gefährdet. Jedoch bestätigten die Zahlen, dass die US-Konjunktur im ersten Halbjahr schwach sei.

Die meisten Experten sehen angesichts des unerwartet starken Anstiegs bei den Erzeugerpreisen einen geringeren Spielraum für die US-Notenbank (Fed). Ihrer Meinung nach ist in den USA maximal noch eine Zinssenkung um 25 Basispunkte denkbar, da die Daten als ein Zeichen für inflationäre Tendenzen zu werten seien.

Der gesunkene vorläufige Verbrauchervertrauensindex der University of Michigan für Februar sei zwar "unschön", sagte Analyst Paul Terres von der DGZ-DekaBank in Frankfurt. Jedoch sollte dieser Umstand nicht "überdramatisiert" werden. Zunächst müssten weitere Daten aus den Vereinigten Staaten abgewartet werden, um sich eine endgültige Meinung bilden zu können.

Am Freitag waren der Erzeugerpreisindex für Januar, die Januar-Daten für die US-Industrieproduktion sowie für die Kapazitätsauslastung, das vorläufige Verbrauchervertrauen für Februar der University of Michigan und die Hausbaubeginne im Januar veröffentlicht worden.

Begrenztes Zinssenkungspotenzial für die Fed

"Die Daten bestätigen, dass das erste Halbjahr in den USA schwach werden wird", sagte Cornelia Koller, Chefvolkswirtin der Vereins und Westbank - in Hamburg. Diese Entwicklung lege weitere Zinskürzungen durch die Fed nahe. Jedoch würde der unerwartet starke Anstieg der US-Erzeugerpreise im Januar als "starker Zinsdämpfer" wirken, fügte Koller hinzu. Vor diesem Hintergrund erwartet die Expertin allenfalls noch eine Leitzinssenkung durch die Fed um maximal 25 Basispunkte.

Terres zeigte sich angesichts der Preisentwicklung im Produzenten-Sektor skeptisch bezogen auf weitere Zinsschritte der US-Notenbank. "Die Fed muss aufpassen, dass sie die Leitzinsen nicht zu früh und nicht zu stark kürzt", sagte er. Er erwartet deshalb eine Senkung des Zinssatzes durch die Fed um "vielleicht noch 25 Basispunkte". Zudem müsse die Notenbank auch bedenken, dass die Auswirkungen von Zinskürzungen zum jetzigen Zeitpunkt sich erst im zweiten Halbjahr auswirkten. Für diese Periode werde jedoch bereits wieder eine Erholung der amerikanischen Konjunktur erwartet. Dann könnte sich eine übermäßige Zinssenkung negativ auswirken.

Holger Bahr führte die jüngste Tendenz bei den Produzentenpreisen auf die starke Zunahme bei den Gaspreisen zurück, die zweistellig gestiegen seien. Ähnlich äußerten sich die Experten von Deutsche Bank Research in einer am Freitag in Frankfurt veröffentlichten Studie.

Entwicklung "nicht überdramatisieren"

Der Rückgang beim Michigan-Verbrauchervertrauensindex für Februar sollte "nicht überdramatisiert" werden, sagte Cornelia Koller. Sicherlich könne es passieren, dass das Verbrauchervertrauen in den USA nun noch "einen Tick" nach unten gehe. Allerdings liege das Vertrauen der US-Verbraucher weit über dem Niveau während der Rezession 1991, sagte die Analystin. Nun heiße es äerst einmal abwarten". Auch Analyst Holger Bahr meint, dass zunächst weitere Daten abgewartet werden müssten. "Mindestens Zahlen aus zwei weiteren Monaten müssen noch hinzukommen", sagte er.

Während sich die eingetrübte Entwicklung bei den übrigen am Freitag vorgelegten Konjunkturdaten gut erklären ließe, sei der Michigan-Index "in der Tat das Unschöne" in diesem Bündel an Zahlen. Sollten das Verbrauchervertrauen und der Index der Nationalen Einkaufsmanager-Vereinigung (NAPM) bis zur zweiten Jahreshälfte in eine Abwärtsspirale geraten, bestehe die Gefahr, dass die Vereinigten Staaten in eine Rezession verfielen. Das sei aber nicht die "Basiserwartung" der DGZ-DekaBank. Die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario liege bei lediglich rund 30%. Dagegen sprächen andere US-Daten, wie etwa die Einzelhandelsumsätze für Januar, die positiver als prognostiziert ausgefallen seien.

Neuer Schwung für die US-Wirtschaft durch Fed-Zinspolitik und Steuersenkungen

Nach Bahrs Ansicht dürfte die US-Wirtschaft wieder neuen Schwung gewinnen durch die Zinspolitik der Fed, die Ölpreisentwicklung und eine Stabilisierung an den US-Aktienmärkten durch mehr Liquidität. Außerdem sollte das Steuersenkungsporgramm der neuen US-Regierung dafür sorgen, dass die US-Bürger mehr Geld in die Taschen bekämen und dadurch die US-Konjunktur neue Impulse erhalte. Sollte das neue Steuergesetz bis Juni den Kongress passieren, könnte es bereits ab Juli greifen.

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