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Analyse: Interventionen kurieren nur Symptome

Zur Stützung des Euros fordert Prodi abgestimmte Eingriffe in die Devisenmärkte - Duisenberg schließt diese nicht aus.

Hätten Sie doch geschwiegen, Herr Prodi. Da müht sich Wim Duisenberg, Präsident der Europäischen Zentralbank, vor dem Europäischen Parlament angemessene Besorgnis über die Schwäche des Euros zu zeigen, ohne zur Katastrophenstimmung beizutragen. Das muss als Seelenmassage verblassen, wenn zuvor der Präsident der Europäischen Kommission unverhohlen zu Interventionen an den Devisenmärkten aufruft. Abgestimmt sollten die US-amerikanische, die japanische und die europäische Zentralbank die Währungsmärkte zur Räson bringen. So liest sich die Aussage Prodis, gemeinsame Interventionen lägen im Interesse der USA.



Gemeint aber hat Romano Prodi das scheinbare Interesse der Euro-Union - und er hat so dem zaghaften Vertrauen in die Euro-Wirtschaft einen Bärendienst erwiesen. Wer zu Interventionen am Devisenmarkt aufruft, um den Wechselkurs zu stützen, der scheint mit seinem Latein am Ende. Der scheint das letzte Aufgebot zu bestellen, um den Euro vor dem Untergang zu retten.



Bei solchen Äußerungen wichtiger europäischer Politiker ist es nicht verwunderlich, dass die Euro-Drückerei an den Märkten schon wie ein Spiel anmutet, die Belastbarkeit der EZB auszureizen. Möglicherweise wollen die Händler testen, ob und wann die Euro-Bank zu Interventionen schreitet. Zurückhaltender als Prodi hat Duisenberg gestern Eingriffe an den Märkten zu Gunsten des Euros nicht ausgeschlossen. Damit hat auch er zur Stimmung gegen den Euro beigetragen. Allein der Verdacht, die EZB werde zur Kurspflege irgendwann Dollar verkaufen, drückt auf den Euro-Kurs - und stärkt die von Duisenberg betonten Inflationsgefahren, die von einer "unangemessenen" Währungsschwäche ausgehen.



Helfen könnte eine Intervention - und sei sie noch so abgestimmt - ohnehin nur auf die kurze Frist. Interventionen an den Devisenmärkten kurieren immer nur kurzfristig an Symptomen. Die fundamentalen Ursachen einer Währungsschwäche können sie nicht beheben. Duisenberg hat deshalb zu Recht die Bedeutung der Wirtschaftspolitik hervorgehoben. Diese allein hat es in der Hand, das Wachstumspotenzial zu stärken. Dabei geht es nicht nur um Steuerreformen, sondern auch um eine Liberalisierung der Arbeits- und Gütermärkte.



Nun hat Prodi auch zur Wirtschaftspolitik einen bekannten Vorschlag unterbreitet. Der EZB fehle ein politischer Ansprechpartner, sagte der Kommissionspräsident, es bedürfe einer gemeinsamen Wirtschaftspolitik in der EU.



Auch damit hat er dem Vertrauen in die hiesige Wirtschaft und dem Euro- Kurs keinen Gefallen getan. Denn wer will ernsthaft bestreiten, dass die beschlossenen und debattierten Steuerreformen in der Euro-Zone allein Ergebnis des innereuropäischen Standortwettbewerbs sind. Gerade diese Konkurrenz wäre gefährdet, würde die Wirtschaftspolitik im Euro-Land nur noch abgestimmt erfolgen. Eine gemeinsame Wirtschaftspolitik würde bei den Euro-Politikern zudem die Idee stärken, mit dem Euro dem Dollar Paroli bieten zu wollen - und so den Druck auf die EZB zur Wechselkurspolitik stärken.



An solchen wirtschaftspolitischen Gesprächspartnern kann der Euro- Bank nicht gelegen sein. Für eine unpolitische, aber auf den inneren Geldwert achtende Geldpolitik reicht Duisenberg die Runde der Währungshüter im Euro-Tower allemal aus - zumal dann, wenn die EZB auf Interventionen verzichten würden.

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