Analyse
Interventions-Spekulation hat Euro-Verluste begrenzt

Die G-7-Staaten werden möglicherweise ihre Entschlossenheit zu einer weiteren Euro-Stützung unter Beweis stellen müssen, um den Schaden zu begrenzen.

Reuters LONDON. Die gemeinsame Notenbank-Intervention zu Gunsten des Euro aus der vergangenen Woche hat nach Einschätzung von Devisenexperten deutliche Kursverluste des Euro nach dem Nein der Dänen zur Gemeinschaftswährung verhindert. Händler erwarten aber in den nächsten Tagen etwas nachgebende Kurse. Der Euro werde sich in den nächsten Tagen etwas abschwächen, nachdem sich die Dänen mit einer Mehrheit von 53 gegen 47 % gegen die Einführung de Euro entschieden hatten, hieß es. Die G-7-Staaten würden daher möglicherweise ihre Entschlossenheit zu einer weiteren Euro-Stützung unter Beweis stellen müssen, um den Schaden zu begrenzen.

Vor dem Referendum in Dänemark hatten viele Analysten befürchtet, dass ein "Nein" der Dänen zum Euro der Währung einen Vertrauensverlust zufügen werde. Anhaltende Interventions-Spekulationen hatten Händlern zufolge jedoch dafür gesorgt, dass der Euro am Tag des Referendums lediglich einen Cent verlor und sich immer noch drei Cents über seinem Allzeittief bei 0,8440 $ halten konnte. Am Freitagvormittag notierte der Euro mit Kursen um 0,88 $.

Erneute Kursschwankungen sind den Experten zufolge aber auch weiterhin nicht ausgeschlossen. "Es wäre nicht überraschend, in den kommenden Tagen schwächere Kurse beim Euro zu sehen," sagte Nick Parsons, Devisenanalyst bei der Commerzbank in London. Die Märkte rechneten jedoch nicht damit, dass der Euro auf einem niedrigeren Wechselkurs verharre. Um dies zu verhindern, müssten die Chancen für weitere Interventionen aber hoch bleiben, hieß es. Im Falle von erneuten Kurseinbußen des Euro sollten die Notenbanken bereits eingreifen, bevor der Euro wieder Tiefstwerte erreiche. "Alles andere würde nach einer defensiven Aktion aussehen," sagte Parsons.

Nach den überraschenden Stützungskäufen vom vergangenen Freitag, die dem Euro einen Kursanstieg von zeitweise fünf Prozent zum $ beschert hatten, sei die Bereitschaft der G-7-Staaten an einer erneuten Intervention nach wie vor groß, sagten die Händler. Der Erfolg der Intervention habe sich unter anderem darin geäußert, dass die Investoren ihre Euro-Positionen in dieser Woche behielten, nachdem sie vor einer knappen Woche noch alle möglichen Gründe für einen Verkauf des Euro gefunden hätten. Kommentare der G-7 Finanzminister, man werde weiter in Devisenfragen kooperieren, hätten die Interventionsbereitschaft bestätigt und den Euro gestützt.

Händler warnten jedoch, dass sich die Marktteilnehmer immer weniger zurückhalten, sollte der Euro wieder in Richtung seines Tiefs fallen, ohne dass sich die Notenbanken erneut rührten. "Die (Interventions-) Spekulationen gibt es nach wie vor, aber sie alleine werden den Euro nicht auf einem bestimmten Niveau halten können," sagte ein Händler in London. Daher bleibe der Euro weiterhin anfällig für Kursschwankungen.

Nach den Äußerungen von US-Finanzminister Lawrence Summers, die Beteiligung der USA an der gemeinsamen Intervention bedeute keine Veränderung der US-Politik, die einen starken $ bevorzuge, sei unterdessen unklar, ob sich die Amerikaner erneut an einer gemeinsamen Intervention beteiligen würden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatten am 22. September mitgetilet, die Notenbanken hätten auf Grund der Besorgnis über Konsequenzen der Euro-Schwäche für die Weltwirtschaft gehandelt. Nach Einschätzung von Analysten haben sich die wirtschaftlichen Risiken eines schwachen Euro für die globale Konjunktur durch die Notenbank-Intervention jedoch nicht verringert. Deshalb sei mit weiteren Interventionen zu rechnen. "Es wäre beispiellos, wenn es keine weitere Interventionen gäbe," sagte Teis Knuthen von SEB Merchang Banking.

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