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Analyse: Kein Grund zur Panik

Deutsche Konzerne treten bei ihren Investitionen auf die Bremse. Alleine von den 30 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland wird wohl jede zweite Gesellschaft ihre Ausgaben kürzen.

Sinkende Erträge, schlecht ausgelastete Kapazitäten und die nach wie vor herrschende Unsicherheit über die künftige Entwicklung zwingen die Manager dazu, ihre Kosten zu senken und das Risiko zu begrenzen. Eine Kürzung der Investitionsbudgets kommt also nicht überraschend, zumal sich viele Investitionspläne auf sehr hohem Niveau bewegen. Der jahrelange Boom der Informations-Technologie (IT) ist ein Beleg für die Ausgabenfreudigkeit, die noch bis vor kurzem in vielen Chefetagen vorherrschte. Streichungen waren deshalb in einigen Fällen bereits seit längerem geplant.

Angesichts dessen scheinen die Unternehmenslenker ihre Rotstifte bislang eher maßvoll anzusetzen. Die Budgets werden gekürzt, aber radikale Einschnitte sind eher selten. In einzelnen Fällen wie etwa bei BMW oder Schering legen die Manager sogar noch drauf. Sie nutzen die schwache Konjunktur, um ihre Marktanteile auszubauen.

Für Panik ist kein also Anlass, ebenso wenig allerdings für Beruhigungspillen. Eine Umfrage des Handelsblatts zeigt, dass mittlerweile mehr Branchen mit einem gekürzten als mit konstanten oder gar wachsenden Budgets ins neue Jahr gehen. Studien von Wirtschaftsforschern belegen zudem: Wird investiert, handelt es sich häufig um den Ersatz bestehender Anlagen oder Rationalisierungen. Viel zu selten fließen die Mittel in neue Märkte, Produkte oder Technologien.

Das ist ein alamierender Trend. Investitionen sind stets auch die Sicherung der unternehmerischen Zukunft. Die aber ist gerade in konjunkturell schwierigen Zeiten wichtiger denn je. Kommt es in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres zu dem erwarteten Konjunkturaufschwung, wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Dann geht es darum, wer auf die veränderte Situation am schnellsten reagiert. Nur die Unternehmen, die mit neuen Produkten oder Dienstleistungen die Käufer ansprechen und auch über ausreichende Kapazitäten verfügen, werden ihre Marktposition ausbauen oder zumindest halten können. Die größten Sparer von heute laufen also Gefahr, die Verlierer von morgen zu sein.

Doch auch die Politik ist in der Pflicht. Dabei sollte es weniger um konkrete finanzielle Anreize gehen, wie etwa die zuletzt immer wieder geforderte Investitionsprämie durch den Staat. Sie hätte nur sehr begrenzte Effekte. Zum einen haben Faktoren wie etwa Marktaussichten oder die Wettbewerbssituation einen weitaus größeren Einfluss auf die Ausgabenpläne von Unternehmen als eine günstige Finanzierung. Zum anderen haben die Notenbanken längst ausreichende und auch günstige Mittel für Investitionen bereit gestellt.

Nein, es geht vielmehr darum, die Rahmenbedingungen für Investitionen zu verbessern. Reformen wie etwa die des Mitbestimmungsgesetzes oder starre Arbeitszeitregelungen sind alles andere als förderlich. Angesichts der fortschreitenden Globalisierung werden die deutsche Politik und auch die Gewerkschaften nicht umhin kommen, einige ihrer Positionen zu überdenken. Denn letztlich geht es nur um eines: Um die Investition in die Zukunft - auch die der Arbeitnehmer.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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