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Analyse: Nullsummenspiele mit Wüstenscheichs

Brainpool will hoch hinaus. Bis ins All. Und Brainpool-Chef Jörg Grabosch träumt davon, den Meister der Illusion zu überrunden: Endemol-Gründer John de Mol. So erleben wir seit Tagen schon ein PR-Meisterwerk der besonderen Art. Am Donnerstagabend hatte der Spuk begonnen. In einer Ad-hoc-Mitteilung gab das Unternehmen bekannt, in Kürze, und zwar am Dienstag in Bremen, mehr bekannt zu geben über ein neues Projekt: Flüge zur internationalen Weltraumstation als Hauptgewinn in einer neuen Fernsehshow. Der Aktie, seit 23. November 1999 am Neuen Markt notiert, gab die Meldung großen Auftrieb. Den konnte Brainpool nach der Krise der Medienwerte im Umfeld des EM.TV-Fiaskos durchaus gebrauchen.

Die Medien, einmal angefüttert, spielten mit, aber nicht nur sie: Parallel ließen sich auch schon wieder Analysten vernehmen, die, auch ohne die Pressekonferenz besucht zu haben, mit Hinweis auf das neue Space-Commander-Projekt, zum Einstieg rieten. Doch viel Konkretes gibt es bisher nicht zu melden: Ein Vertrag über sieben Flüge ins All mit der EADS-Tochter Astrium sei geschlossen worden, teilte Brainpool mit. Zudem habe das Unternehmen eine Anzahlung über 7,5 Mill. $ geleistet. Der Rest ist Fantasie.

Fakt ist, dass das Weltraum-Abenteur noch nicht in den Planzahlungen enthalten ist. Fakt ist aber auch, dass die Produktionsfirma sich in den vergangen Wochen mit zwei TV-Formaten Probleme eingehandelt hat. Die neue "Ingo Appelt Show" wurde vorzeitig abgesetzt. Auch wenn die Gesamtstaffel trotzdem verkauft werden konnte, bleibt ein Imageschaden. Die Sendung "Liebe Sünde" hat bei Pro Sieben auch keine Zukunft mehr. Ob ein neuer Sender gefunden werden kann, ist ungewiss.

"Flops sind alltägliches TV-Geschäft", sagt Unternehmenssprecherin Ute Krippendorf. Für Brainpool gehe es darum, einen Weg aus der Comedy-Nische zu finden. Brainpool-Chef Grabosch hat sich, sollte das Weltraum-Unterfangen bereits vor dem Start die Munition verschossen haben, eine Hintertür offen gehalten. Notfalls könnten die Reisen an Wüstenscheichs verscherbelt werden, stellt er in Aussicht. Zuvor werden wir aber noch viele, viele Ankündigungen lesen können. "Der weitere Informationsfluss ist bereits geplant", sagt Krippendorf.

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