Archiv
Analyse: Scheidung vor der Hochzeit

Wenn sich zwei ehrgeizige Manager treffen, weil sich die von ihnen geführten Unternehmen vereinigen wollen, wird es eng. Dass es zwischen Bernd Thiemann (57) an der Vorstandsspitze des Spitzeninstituts der Genobanken, der DG Bank, und Ulrich Brixner (60) an der Vorstandsspitze der GZ-Bank, die eine Stufe unter der DG Bank vor der Primärstufe der Volks- und Raiffeisenbanken operiert, knirscht, war schon lange hörbar.

vwd FRANKFURT. Zuletzt meinte man, dass Christopher Pleister, der aus dem DG-Bank-Vorstand zum Präsidenten des Bundesverbandes Deutscher Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) aufstieg und damit DG-Bank-AR-Vorsitzender wurde, Frieden stiften könnte. Aber nein. Mitten in die Arbeiten am "Memorandum of Understanding" für die Fusion DG-Bank/GZ-Bank herein bot am Dienstag Thiemann dem Aufsichtsrat seinen Rücktritt an mit einer "Persönlichen Erklärung", in der er nach zehn Jahren an der Spitze des DG-Bank-Vorstandes klar stelle: "Ich will, dass die Fusion beider Häuser ein Erfolg wird und biete deshalb an, den Weg für schnelle, überzeugende Personalentscheidungen für die Leitungsfunktionen der neuen Bank frei zu machen." Thiemann hatte schon vor zwei Jahren, als es in einem anderen Zusammenhange zwischen der DG-Bank und den Zentralbanken knirschte, klar gesagt, an seiner Person soll die notwendige Neustrukturierung nicht scheitern.

Eine strategische Straffung der Genobanken von oben nach unten war und ist notwendig, die ursprüngliche Dreistufigkeit gilt als unzeitgemäß unter dem Wettbewerbsdruck von allen Seiten, zweistufig sind die Genobanken schon lange in Bayern, Nord- und Ostdeutschland aufgestellt, nur noch in West- und Südwestdeutschland mit der WGZ-Bank in Düsseldorf und der GZ-Bank (aus der Fusion SGZ-Bank Frankfurt und GZB-Bank Stuttgart) arbeitete noch eine zweite Stufe. Der Fusionsdruck wurd in und auf die DG Bank zuletzt groß, weil es zu einem überraschendem Ergebniseinbruch kam mit der Folge des Ausscheidens von zwei Vorstandsmitgliedern (Heiko Bruns und Johann Rudolf Flesch).

Nein, zwischen seinem Rücktrittsangebot am Dienstag und der AR-Sitzung am 20. März gibt es keinen Zusammenhang in puncto Jahresabschluss/-ergebnis, so Bernd Thiemann, was auch zur Aussage von AR-Vorsitzenden und BVR-Präsidenten Pleister vom 15. Februar 2001 passt: Der Wertberichtigungsbedarf der DG-Bank sei keine Sollbruchstelle für die Fusion. Also persönliche Reibflächen oder doch strategische Unterschiede zwischen Thiemann und Brixner? Zu vermuten ist dies angesichts des Scheiterns seiner Idee, mit der Rabobank eine Europäische Genossenschaftsbank zu zimmern. Der Basis und deren Zentralbanken führte dieser Weg zu weit. Die Antwort muss die fusionierte Bank und ihr Vorstand geben mit voraussichtlich Brixner an der Spitze.

Und was macht Thiemann nach seinem Ausscheiden bei der DG Bank, und warum nicht die Doppelspitze Thiemann/Brixner? Mit 57 hat es Thiemann nicht eilig, einen neuen Job zu suchen, zumal sein Vertrag als DG-Bank-Chef im Vorjahr um fünf weitere Jahre verlängert wurde. "Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich ziellos herumstehe", so der Westfale mit 30 Jahren Bankerlaufbahn - von der Kreissparkasse Meppen (1971) zum NordLB-Mitglied/-Chef (1976/1981) zum DG-Bank-Chef (seit 1991). "Und mit einer Doppelspitze haben wir in der Familie schlechte Erfahrungen", so Thiemann als Schwager von Gerhard Cromme (Krupp/Thyssen). Und als Zugabe zitiert der eloquente Thiemann ein afrikanisches Sprichwort: "In einen Mund passen nicht zwei Löffel".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%