Analyse: Volkswirte kommentieren Produktionszahlen
Einbruch im Bausektor drückt Industrieproduktion

Die deutsche Industrieproduktion ist im März wegen eines regelrechten Einbruchs der Bauproduktion viel deutlicher als von Analysten erwartet zurückgegangen. Im März hat das Produktionsniveau nach Angaben des Bundesfinanzministeriums saisonbereinigt zum Vormonat 3,7 % abgenommen.

rtr FRANKFURT. Die deutsche Industrieproduktion ist im März wegen eines regelrechten Einbruchs der Bauproduktion viel deutlicher als von Analysten erwartet zurückgegangen. Im März hat das Produktionsniveau nach Angaben des Bundesfinanzministeriums saisonbereinigt zum Vormonat 3,7 % abgenommen, nach einem Plus von durch die Bundesbank bestätigten 0,6 % im Februar. Volkswirte sagten dazu in ersten Stellungnahmen:

Rainer Guntermann, Dresdner Kleinwort Wasserstein: "Diese Zahlen sind sehr enttäuschend, nach den Auftragseingängen aber nicht sonderlich überraschend. Die Produktionsdaten gehen einher mit anderen Indikatoren, wie Ifo-Geschäftsklimaindex, Einkaufsmanagerindex und OECD-Indikator, die auf einen Wachstumsrückgang hinweisen. Die Produktionszahlen sind ganz offensichtlich die ersten von weiteren schwachen Faktoren. Der Ausblick für das zweite Quartal ist nun äußerst düster. Ich erwarte ein Wirtschaftswachstum in Deutschland in diesem Jahr von nur 1,7 Prozent oder sogar nur 1,5 Prozent. Die EZB steht nun vor dem Dilemma, dass sich einerseits die Konjunkturlage verschlechtert, andererseits aber die Inflationsrate weiter hoch ist. In dieser Woche erwarte ich keine Zinssenkung. Noch vor der Sommerpause könnte es aber eine Znssenkung um 25 Basispunkte geben."

Ken Wattret, BNP Paribas, London: "Ich bin nicht sonderlich erstaunt angesichts der Tatsache, dass die beiden Vormonate mit Zuwächsen überrascht hatten und es vor einigen Tagen den großen Rückgang bei den Auftragseingängen gab. Die Zahlen bestätigen, dass die Bereiche Industrie und Produktion in Deutschland wirklich schnell ihre Kraft verlieren. Wir haben vor einigen Tagen einen deutlichen Rückgang bei den Auslandsaufträgen gesehEn. Das zeigt, dass die Haltung der EZB zum Wachstum in der Euro-Zone zunehmend zu selbstgenügsam ist."

Peter Meister, BHF BANK, Frankfurt: "Die Zahlen sind wesentlich niedriger als erwartet. Schon die Entwicklung der Auftragseingänge war ja dafür ein Indiz. Dennoch ist etwas Vorsicht bei der Interpretation geboten, weil die Daten ja wahrscheinlich nach oben korrigiert werden dürften. Gründe für die schwachen Zahlen sind vor allem der wetterbedingte Einbruch im Bauhauptgwerbe im März. Insgesamt kommen konjunkturelle Effekte hinzu, etwa die geringeere Auslandsnachfrage, vor allem aus den USA, aber auch aus Japan. Die Binnennachfrage fängt das nicht wie erhofft auf. Vor allem im Bereich des Konsums gibt es ja Belastungen durch eine Einschränkung der realen Kaufkraft wegen BSE und hoher Benzinpreise. Die Daten sprechen für eine anhaltend schwache Prognose bei der Industrieproduktion, eine Rezession sehen wir zwar nicht, aber eine sehr deutliche Verlangsamung. Es sind sehr pessimistische Zahlen, die unsere Erwartungen für eine Schwäche der Konjunktur vor allem im zweiten Quartal, aber auch noch im dritten Quartal bestätigen. Für das zweite Quartal rechnen wir mit einem BIP-Wachstum von 0,25 vH."

Julian Callow, CSFB, London: "Das sind äußerst schwache Zahlen, auch wenn dies nach den schwachen Daten zum Auftragseingang keine Überraschung ist. Die Zahlen schaffen offensichtlich die Voraussetzungen für ein extrem schwaches zweites Quartal in Deutschland. Wir rechnen mit einer Rezession der Industrie in der Euro-Zone im zweiten und dritten Quartal, was sich auf den Abwärtstrend des Wirtschaftswachstums auswirken wird. Dies wird letztlich die Europäische Zentralbank bewegen, die Leitzinsen zu senken."

Gerhard Grebe, Bank Julius Bär, Frankfurt: "Die schwache Bauproduktion war so zu erwarten. Das Minus im Verarbeitenden Gewerbe von 3,0 % ist allerdings überraschend. Es zeigt, dass die Produktionsdaten sehr schnell auf die schwachen Auftragseingänge reagieren und der Auftragsbestand also nicht hoch ist. Der Druck auf die EZB, die Zinsen zu senken, wird jetzt wieder steigen. Die Zinssenkung wird zwar nicht am morgigen Donnerstag kommen, sondern möglicherweise wohl ab Ende Juni, wenn sich dann eine leichte Entspannung auf der Inflationsseite abzeichnet. Ein schwacher Monat macht aber noch keinen Trend. Wir müssen auch berücksichtigen, dass die März-Daten meist nach oben revidiert werden.

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