Analyst: „Das ist ein logischer Schritt"
Stuttgarter Börsenverein will Euwax übernehmen

Der Stuttgarter Börsenverein, Eigentümer der zweitgrößten deutschen Börse, will den größten örtlichen Aktien- und Optionsschein-Makler Euwax Broker übernehmen.

Reuters STUTTGART. Die Vereinigung Baden Wertpapierbörse e.V. -Württembergische habe bereits 30,58 % der Euwax-Anteile erworben und könne diese Beteiligung über eine Option jederzeit auf 55,28 % aufstocken, sagte ein Sprecher der Stuttgarter Börse am Freitag. "Wir wollen unser bestes Pferd im Stall langfristig binden", begründete er den überraschenden Vorstoß. Euwax Broker ist die führende Handelsfirma an der auf Privatanleger ausgerichteten Derivatebörse Euwax in Stuttgart und zeichnet für vier Fünftel des Orderaufkommens an der baden-württembergischen Börse verantwortlich. Ziel sei eine bessere Position im Wettbewerb, sagte der Aufsichtsratschef der Börse, Siegfried Jaschinski.

Die meisten der vom Börsenverein übernommenen Aktien kommen vom Gründer von Euwax Broker, Hans-Peter Bruker, und von deren Handelsvorstand Harald Schnabel, die bis dato zusammen über 36 % der Anteile verfügten. Sie haben je Aktie 11,32 ? erhalten. Den übrigen, größtenteils freien Aktionären will der Börsenverein 12,50 ? je Aktie bieten. Sie sollten jedoch nicht mittels Zwangsabfindung (Squeeze Out) aus dem Unternehmen gedrängt werden, betonte Euwax Broker. Nach der Wiederaufnahme des Handels kletterte die Aktie in Stuttgart um 10,2 % auf 12,40 ?.

Der baden-württembergische Börsenverein, dem über 40 Banken, Maklerfirmen und Unternehmen angehören, ist der Alleineigentümer der Börse Stuttgart AG, die die baden-württembergische Aktien- und Derivatebörse betreibt. Die Übernahme sei bewusst über den Verein abgewickelt worden, um Interessenkonflikte zu vermeiden. In Hamburg und Hannover ist die Börse selbst Mehrheitsaktionär bei ihrem Skontroführer.

Die Stuttgarter Börse und ihr größter Makler waren bisher schon eng verzahnt. Die Grundlage des gemeinsamen Erfolgs in Stuttgart ist die Optionsschein-Börse Euwax, die sich bewusst an Privatanleger richtet und 90 % des Börsenhandels mit Optionsscheinen in Deutschland abwickelt. Euwax Broker sei einer der wenigen Skontroführer in Deutschland, der schwarze Zahlen schreibe, sagte der Sprecher der Börse. Für 2002 rechnet Euwax Broker mit 5,88 Mill. ? Gewinn. Mit der Übernahme erweitere die Börse die Wertschöpfungskette, sagte Börsenvorstand Andreas Willius.

"Das ist ein logischer Schritt. Die Stuttgarter Börse kann nicht ohne die Euwax. Sie ist vor allem durch die Euwax eine der erfolgreichsten Regionalbörsen in Deutschland"", sagte Analyst Heiko Frantzen vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Die Regionalbörsen können sich nur durch Nischenprodukte das Überleben neben dem Marktführer Deutsche Börse AG sichern. Die Deutsche Börse AG, die die Frankfurter Wertpapierbörse betreibt, hat im Handel mit Aktien aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) einen Marktanteil von 99 %.

Stuttgart hatte sich zuletzt aber als klare Nummer zwei etabliert. Im zu Ende gehenden Jahr gingen drei Viertel aller Orders, die nicht über Frankfurt abgewickelt wurden, in die baden-württembergische Landeshauptstadt.

Erst im Juli war Euwax Broker mit der Übernahme der SWG Kursmaklergesellschaft in den Handel mit Standardwerten und festverzinslichen Wertpapieren eingestiegen. Derzeit baut sie den Handel mit börsennotierten Fonds aus.

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