Analyst erwartet bis zu 24 weitere Pleiten
US-Kongress veröffentlicht interne Worldcom-Dokumente

Der Bilanzskandal des vom Konkurs bedrohten US Worldcom Inc. -Telekomkonzerns zieht weitere Kreise. Controller des Unternehmens haben gewusst, dass die Buchung bestimmter Ausgaben als Investitionen gegen die Bilanzierungsvorschriften verstößt. Das geht aus internen Papieren hervor, die Ermittler des US-Kongresses jetzt veröffentlichten.

WASHINGTON/SAN FRANCISCO. Das Topmanagement habe sich jedoch über die Bedenken von Mitarbeitern der zuständigen Abteilungen hinweggesetzt, hieß es.

Worldcom habe angesichts der finanziellen Schwierigkeiten keine andere Wahl gehabt, ansonsten könne "der Konzern gleich seine Tore schließen". Diese Worte benutzte der frühere Controller David Myers gegenüber der internen Buchprüferin Cynthia Cooper - das geht aus einer Gesprächsnotiz vom 17. Juni hervor. Das Parlament geht inzwischen davon aus, dass die Bilanzfälschungen nicht erst 2001 begannen, wie das Management einräumt. "Wir hören derzeit mehrere Zeugen an, die andeuteten, dass die Probleme bereits 1999 begonnen haben", so der republikanische Abgeordnete W.J. Tauzin, der die Untersuchungen leitet. Er bezieht sich auf einen Mitarbeiter der britischen Worldcom-Tochter, der die Behörden dort informiert über Buchungsunregelmäßigkeiten hatte, die mehr als drei Jahre zurückliegen. Worldcoms neuer Wirtschaftsprüfer KPMG hat angekündigt, die Bücher bis 2000 neu zu prüfen. Das könnte die Summe der Fehlbuchungen von jetzt 3,8 Mrd. $ auf bis zu 5 Mrd. $ erhöhen.

Unterdessen versucht der Konzern offenbar mit allen Mitteln, seine Barreserven zu sparen. So zahlt er die Abfindungen an die 17 000 bisher entlassenen Mitarbeiter nicht als Gesamtsumme, sondern in Raten. Im Konkursfall müssten diese Mitarbeiter um das noch ausstehende Geld bangen, weil ihre Ansprüche nachrangig befriedigt würden.

Analysten erwarten für dieses Jahr weitere Telekom-Pleiten. "24 der 29 großen börsennotierten Telefongesellschaften laufen Gefahr, in den kommenden Quartalen Konkurs anzumelden", schätzt Scott Cleland, Analyst beim Marktforscher Precursor. Auf seiner Liste stehen die Netzwerkausrüster JDS Uniphase und Nortel sowie der DSL-Anbieter Covad ganz oben. Selbst die Schwergewichte AT&T und Sprint sind dabei. Gemeinsam mit Worldcom teilen sie sich 70 % des Marktes für internationale und Ferngespräche in den USA. Seit Jahresbeginn haben 20 Telekomfirmen Konkurs angemeldet, 2001 waren es 34.

Durch die Tricks von Worldcom sei das ganze Marktgefüge ins Wanken geraten, auch die Prognosen über die Marktentwicklung lassen sich nicht mehr halten, sagt Cleland. Während die Unternehmen Schulden in Milliardenhöhe anhäuften, um den Netzausbau zu finanzieren, drückte ein brutaler Preiskampf die Gewinnspannen. Von 1996 bis 2001 stiegen laut Precursor die Umsätze der Branche um 50 %, die Schulden kletterten aber um 165 %. Clelands Prognose: "Die Branche wird sich in absehbarer Zeit nicht erholen, das Schlimmste steht uns noch bevor."

An Interessenten für die Reste von Worldcom dürfte es nicht fehlen: Neben den regionalen Gesellschaften wie Verizon und SBC Communications gilt vor allem Level 3 als möglicher Käufer. Gerade erst hat der Milliardär Warren Buffett 500 Mill. $ in Level 3 investiert. Marktforscherin Maribel Dolinoc von Forrester Research sagt: "Das Geld ist nicht für Investitionen bestimmt, sondern für Zukäufe."

Quelle: Handelsblatt

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