Analyst: Keine Deflationsspirale
Deutsche Inflation so niedrig wie seit 1999 nicht mehr

Billigere Energie hat im Mai die deutsche Inflationsrate auf den niedrigsten Stand seit Oktober 1999 gedrückt. Volkswirte halten angesichts der schwachen Konjunktur und des starken Euro einen weiteren Inflationsrückgang für wahrscheinlich. Eine gefährliche Deflationsspirale zeichne sich aber nicht ab.

Reuters BERLIN. Von April auf Mai gingen die Verbraucherpreise im Schnitt um 0,2 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Die Jahresteuerung schwächte sich auf 0,7 Prozent von 1,0 Prozent im April ab. Damit bestätigten die Statistiker die vorläufigen Inflationsdaten von Ende Mai. "Es ist durchaus vorstellbar, dass wir im Verlauf dieses Jahres noch unter die Nulllinie bei der Jahresteuerung fallen werden", sagte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Bereits im April hatte sich die Lebenshaltung zum Vormonat um 0,3 Prozent verbilligt. Im Mai kostete den Angaben des Statistikamts zufolge Heizöl 6,9 Prozent weniger als im April, Kraftstoffe wurden 3,2 Prozent billiger. Ohne Heizöl und Kraftstoffe hätten sich die Verbraucherpreise zum Vormonat nicht verändert, die Jahresteuerungsrate hätte 0,8 Prozent betragen.

Lebensmittel verbilligten sich im Vorjahresvergleich um 0,8 Prozent, wie das Amt weiter mitteilte. Erheblich geringere Preise als im Mai 2002 wurden bei Computern und Zubehör festgestellt. PCs verbilligten sich um knapp 30 Prozent, Tintenstrahldrucker um knapp 25 Prozent und Monitore um fast 19 Prozent.

Analyst: Noch keine Anzeichen für Deflationsspirale

Am derzeitigen Inflationsbild wird sich Sartoris zufolge auch in den kommenden Monaten wenig ändern. "Die Inflation wird vom starken Euro gedämpft, der sich direkt über die sinkenden Importpreise auswirkt", erläuterte der Volkswirt. Auch indirekt bremse die Euro-Aufwertung den Verbraucherpreisanstieg: "Die Exporte werden erschwert und da wir sowieso schon eine schwache Binnenwirtschaft haben, wird so die Konjunktur nicht anspringen. Damit bleibt der Preisdruck gering." Mit einer gefährlichen Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen, zurückgehender Nachfrage und geringerer Wirtschaftsleistung sei aber bislang nicht zu rechnen. Noch gebe es keine Anzeichen dafür, dass die Verbraucher in Deutschland mit weiter fallenden Preisen rechneten und darauf mit Konsumzurückhaltung reagierten.

Zudem habe die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer Zinssenkung um 50 Basispunkte von vergangener Woche und der Andeutung weiteren Zinssenkungsspielraums Handlungsbereitschaft signalisiert, sagte Sartoris. Die EZB werde wohl schon im dritten Quartal die Zinsen erneut senken.

Der für die Geldpolitik der EZB maßgebliche harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ging im Mai im Vergleich zum April um 0,3 (April minus 0,3) Prozent zurück und lag damit noch 0,6 (1,0) Prozent über dem Niveau vom Mai 2002. Damit revidierte das Statistikamt hier seine erste Schätzung geringfügig nach unten.

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