Analyst meint: "Das Tauziehen der US-Wahl hat uns lang genug beschäftigt"
Aktienmärkte unbeeindruckt von US-Wahlausgang

Reuters FRANKFURT. Die internationalen Aktienmärkte haben sich vom Sieg des Republikaners Georg W. Bush bei den US-Präsidentenwahlen unbeeindruckt gezeigt und am Donnerstag überwiegend leichter tendiert. Vielmehr würden die Börsen weiter unter dem negativen Eindruck der jüngsten Gewinnwarnungen führender Technologieunternehmen sowie diverser negativer Aktien-Prognosen zahlreicher Investmentbanken stehen, sagten Händler. Der Wahlsieg Bushs sei bereits erwarten worden und in den Aktienkursen enthalten, hieß es. Bush gilt an den Finanzmärkten im Vergleich zu dem Demokraten Al Gore als Vertreter einer unternehmerfreundlicheren Politik und eines starken Dollar.

Bush war am Mittwochabend aus einem fünfwöchigem Rechtsstreit als neuer Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hervor gegangen. Sein demokratischer Mitbewerber Al Gore gestand seine Niederlage ein und gratulierte dem Republikaner zum Sieg. Zuvor hatte der Oberste US-Gerichtshofes erneute Stimm-Nachzählungen im Bundesstaat Florida für verfassungswidrig erklärt und damit Gores Niederlage besiegelt. Die Zählungen zunächst für ungültig erklärter Stimmen wären Gores einzige Chance gewesen, Bushs knappen Vorsprung in Florida noch aufzuholen.

Technologiewerte unter Druck

Der Deutsche Aktienindex (Dax) büßte bis zum Mittag 1,7 % auf 6 507 Punkte ein. Unter Druck standen vor allem Technologieaktien wie Siemens, Infineon und SAP. Deutlich schwächer tendierte auch der Nemax-Index des Neuen Marktes, der 2,7 % auf 3160 Zähler abgab. Händler verwiesen zur Begründung auf den Nasdaq-Vortagsverlust von 3,7 %. In den USA gibt es nach der Gewinnwarnung des Computer-Riesen Compaq weiterhin die Sorge vor enttäuschenden Unternehmensergebnissen, was durch diverse Herabstufungen von Aktienempfehlungen großer Analystenhäuser verstärkt wurde. Auch die Befürchtungen vor einer merklichen Abkühlung der US-Konjunktur verunsichern weiterhin die Börsen.

"Märkte konzentrieren sich jetzt auf Fundamentaldaten"

Auch an den anderen europäischen Aktienmärkten überwogen die Schwäche des Technologiesektors sowie die Angst vor einem gebremsten US-Wachstum die Nachricht vom Ende des fünfwöchigen Streits um den neuen US-Präsidenten. Das Tauziehen um den neuen Präsidenten habe die Börsen lange genug beschäftigt, jetzt konzentrierten sich die Märkte wieder auf die Fundamentaldaten, sagte David Thwaites von BNP Paribas. Im Vordergrund stünden die Frage nach der weiteren konjunkturellen Entwicklung in Amerika und mögliche neue Gewinnwarnungen. Der Euro-Stoxx 50 für die größten Aktien aus der Euro-Zone verlor 1,8 % auf 4803 Punkte, der Stoxx-50 für Blue-Chips aus der Europäischen Union und der Schweiz gab 1,6 % auf 4733 Zähler nach.

Kräftig unter Druck standen Finanztitel, nachdem die Investmentbank Goldman Sachs führende Branchenvertreter herabgestuft hatte. Gegen den Trend etwas fester tendierten die Aktien einiger Pharmakonzerne, da von einem republikanischen US-Präsidenten eine stärkere Förderung dieser Branche erwartet wird. Der Euro präsentierte sich dagegen trotz des Siegs Bushs zunächst deutlich fester.

Asiatische Aktienmärkte folgen den negativen US-Vorgaben

Auch die asiatischen Aktienmärkte waren den negativen Vorgaben der Nasdaq gefolgt. Der Nikkei-Index der Tokioter Börse schloss 1,6 % schwächer mit 14 927 Punkten, und der Hang-Seng-Index des Hongkonger Aktienmarktes büßte 0,8 % auf 15 497 Zähler ein. Mit Blick auf die bevorstehende Entwicklung an den US-Märkten zeigten sich Analysten unsicher. Einerseits herrsche Erleichterung über die Beilegung des wochenlangen Streits um den Präsidenten-Sessel. Andererseits könnten sich die Börsen dem negativen Eindruck der Gewinnwarnungen und der konjunkturellen Unsicherheiten nicht entziehen. Es bestehe nun zwar Gewissheit über den Präsidenten, sagte Aktienstratege David Sowerby von Loomis Saylis. Vielleicht bringe dies einen positiven Impuls, aber die Ängste vor schlechten Unternehmensnachrichten seien gewichtiger.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%