Analyst sähe lieber eine Diesel-Version
Gemischte Gefühle für kleinen „Cayenne“

Kommt der V6-Motor für den "Cayenne" oder nicht - seit langem haben die Automobilexperten darüber spekuliert. In einer schlichten Produktmeldung per Post lüftet Porsche am Mittwoch endlich das Geheimnis: Er kommt!

vwd STUTTGART. In Euroopa soll die günstigere Sechszylinder-Version der achtzylindrigen Verkaufsrenner "Cayenne S" und "Cayenne Turbo" bereits im November angeboten werden. Analysten sehen diesen Schritt mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Einerseits dürfte die dritte Modellvariante den Absatz langfristig stabilisieren. Gleichzeitig droht allerdings die Erosion der Margen und des Markenimages.

Für Porsche ist der Erfolg des Geländewagens mit sportlichen Ambitionen entscheidend. Mit den beiden hochpreisigen Cayenne-Varianten - der Turbo kostet rund 100 000 Euro - ist es bisher gelungen, die aktuelle Nachfrageschwäche bei den Sportwagen auszugleichen. Dadurch blieb der Stuttgarter Konzern auf Wachstumskurs und sorgte für Phantasie im Aktienkurs. Von vielen Seiten wurde jedoch befürchtet, dass nach der Anfangs-Euphorie die Nachfrage nach den "Cayenne" abflauen könnte. Mit einer kleineren und günstigeren Version soll nun der Absatz über den Lebenszyklus des SUV gestützt werden.

"Durch die Sechszylinder-Variante lassen sich neue Kunden an die Marke heranführen; damit wird das Absatzvolumen auf eine breitere und sicherere Basis gestellt," sagt Analyst Albrecht Denninghoff von der HVB. Dass das Basismodell mit dem schlichten Namen "Cayenne" den Absatz der teuren Varianten überflügelt, ist seiner Ansicht nach jedoch nicht zu erwarten: "Der Charakter eines Porsche-Geländewagens kommt nur in einem Achtzylinder zum Zuge." Kritisch sei aber, dass das Markenprofil von Porsche etwa im Vergleich zum "Touareg"-V6 an Schärfe verliere - zumal Volkswagen auch noch den Grundmotor für den "Cayenne" liefert.

Wolfsburger gelassen

In Wolfsburg sieht man die neue Konkurrenz aus dem Süden hingegen gelassen: Es gebe genügend Differenzierungsmerkmale zwischen beiden Modellen, so ein Konzernsprecher. So verfüge der "Cayenne" durch die stärkere Kraftverteilung auf die Hinterachse über Porsche-typische Fahreigenschaften, während der "Touareg" mit seiner 50-50-Verteilung Kunden anspreche, die an ein neutrales Fahrverhalten gewöhnt seien. Klar ist jedoch, dass der Wettbewerb in diesem preisempfindlicheren Fahrzeugsegment härter ist und die Margen von Porsche entsprechend geringer ausfallen könnten.

Deutliche Skepsis bezüglich des kleinen "Cayenne" äußert Analyst Christoph Stürmer vom Marktprognose-Institut Global Insight: "Mit der Vorstellung des V6-Motors erweckt Porsche den Eindruck, dass bereits jetzt durch eine dritte Variante der Cayenne-Absatz stabilisiert werden muss." Tatsächlich verkauften sich die SUV jedoch glänzend.

Grundsätzlich hätte der Analyst lieber eine Diesel-Version gesehen. Dadurch könnte Porsche aufgrund des hohen Dieselanteils bei SUV in Westeuropa das Verkaufsvolumen der "Cayenne" sicherlich verdoppeln. "Außerdem dadurch würde das Wechselkursrisiko gegenüber dem Dollar sinken," so Stürmer. Rund die Hälfte aller Porsche werden in Nordamerika abgesetzt.

Porsche hat einen Dieselmotor bisher vehement abgelehnt: Dies sei nicht mit dem Image eines Sportwagenherstellers zu vereinbaren "Wenn das Konzept stimmt, ist ein Dieselmotor kein Problem für die Marke," betont hingegen Stürmer. Nicht stimmig und potentiell imageschädigend sei vielmehr, einen großen und schweren Geländewagen mit einem durchzugsschwachen Benzinmotor auszustatten. In den USA, wo die Markteinführung des V6-Benziners für die erste Jahreshälfte 2004 geplant ist und wo Porsche jeden zweiten Geländewagen verkaufen will, dürfte nach Ansicht von Stürmer der "langsamste Porsche seit dem 924" jedenfalls kein Absatzrenner werden.

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