Analysten betrachten die deutschen Broker skeptisch
Makler-Aktien bleiben ein Roulette-Spiel

Die Experten sind eher skeptisch. "Die Branche hat zwar die Talsohle erreicht, aber längst noch nicht durchschritten", meint Alexander Plenk, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin. "Bevor wieder Musik in die Makleraktien kommt, wollen die Anleger schwarze Zahlen sehen." Davon ist die Branche weit entfernt. Die meisten Makler schreiben tiefrote Zahlen. Die kürzlich vom britischen Wagnisfinanzierer New Media Spark übernommene Spütz AG verbuchte zwischen Januar und September ein Minus von 30 Millionen Euro, bei der Münchener Baader AG waren es über 42 Millionen Euro.

FRANKFURT/M. In den Bilanzen der Makler spiegelt sich der Kurseinbruch an den Aktienmärkten wider. Zugleich schlagen die gescheiterten Versuche, neue Geschäftsbereiche zu erschließen zu Buche. Während des Aktienbooms hatten viele Firmen versucht, Geschäftsfelder wie Beteiligungen oder Aktienemissionen aufzubauen. Doch die Börsenflaute ließ die Träume platzen. Beteiligungen müssen reihenweise abgeschrieben werden, Börsengänge gibt es kaum noch. Nunmehr bläst die Branche zum Rückzug. Baader kündigte seinen Ausstieg aus dem Beteiligungsgeschäft an, für Spütz gehört die Vermögensverwaltung nicht mehr zum Kerngeschäft. "Für viele Geschäftsfelder fehlt der Branche einfach die Expertise", urteilt Peter Barkow von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Mittlerweile ist der Börsenwert der Maklerfirmen derart geschmolzen, dass sie kaum noch auf den Radarschirmen der Analysten auftauchen. Auch bei den institutionellen Investoren sind die über ein Dutzend börsennotierten Broker nicht sonderlich populär. "Ich habe keine einzige Makler im Fond", sagt Gabriele Schernikau, die für die Fondsgesellschaft Lupus Alpha den Nebenwertefonds Smax plus betreut. Die Aktien seien einfach zu klein. Damit die Winzlinge die Performance des Fonds überhaupt nennenswert steigern könnten, müssten sehr hohe Stückzahlen gekauft werden. "Das gleicht bei dem Risikoprofil der Branche einem Roulette-Spiel", warnt Schernikau.

Erste Übernahmen gab es bereits

Für Kursphantasie könnte die Konsolidierung der Branche sorgen. Erste Übernahmen gab es bereits: Spark schluckte Spütz und Euwax, Spezialist für Optionsscheine, will mit der Kursmaklerfirma SWG zusammen gehen. Jochen Mathée, Manager des Nebenwertefonds Invesco Small Caps plus Smax, hält indes nichts davon, sich ausschließlich auf Grund von Übernahmephantasien Makleraktien ins Depot zu legen. "Das bringt nicht viel". Der Fall Spütz wirkt auf ihn abschreckend: Während Spark den strategischen Großaktionäre 13 Euro pro Aktie zahlte, wurden die übrigen Aktionäre mit 8,5 Euro abgespeist.

Auch Andreas Wiederhold von Independent Research schätzt die Branche zurückhaltend ein. Die verbesserte Börsenstimmung käme zu spät, um die Ergebnisse der Makler in diesem Jahr nachhaltig aufzuhellen. Chancen sieht er aber mit Blick auf 2002: Sollte sich das Börsenklima verbessern, könne man Makleraktien ins Auge fassen, "denn sie profitieren überproportional von steigenden Aktienkursen". Doch warnt Wiederhold vor Risiken: "Wenn die Trendwende ausbleibt, könnte dem einen oder anderen Makler die Luft ausgehen".

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