Analysten beurteilen den Investitionsgüterkonzern wieder etwas zuversichtlicher
ABB muss positiven Prognosen Taten folgen lassen

Am Finanzplatz Zürich ist die Zuversicht gewachsen, dass die ABB AG wieder festeren Boden unter die Füße bekommt.

ZÜRICH. Nach dem Verlustabschluss für 2001 mit einer Eigenkapitalquote von nur noch 6 % hatten Börsianer mit dem Schlimmsten gerechnet. Am Tiefpunkt der Krise fiel der Kurs der Aktie sogar unter die psychologisch wichtige Marke von 10 sfr. Das waren weniger als 20 % des Wertes, der im Jahr 2000 für die Titel bezahlt worden war. Zu allem Überfluss musste der ABB-Verwaltungsrat auch noch über hohe Pensionsleistungen für die beiden früheren Konzernchefs Percy Barnevik und Göran Lindahl berichten.

In dieser deprimierenden Situation blieb Konzernchef Jörgen Centermann und dem neuen Finanzchef Peter Voser nur die Flucht nach vorne. Die Zeit, in der der Investitionsgüterkonzern ABB in einem Atemzug mit General Electric und Siemens genannt wurde, sind schon lange vorbei. Dabei hatte der Konzern nach der Fusion der Schweizer BBC mit der schwedischen Asea 1988 in der öffentlichen Wahrnehmung einen Bilderbuchstart hingelegt. Barnevik, der vor allem von der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg inthronisierte erste Konzernchef, erkannte die Bedeutung der Wachstumsmärkte in Osteuropa und Asien und stärkte durch zahlreiche Akquisitionen die Marktstellung von ABB.

Allerdings blieb lange weitgehend unbemerkt, dass ABB im Vergleich zu den Wettbewerbern mit sehr dünnen Margen arbeitete. Die Aufnahme von Partnern in die Töchter für Bahntechnik und Kraftwerksbau und der anschließende Verkauf der Anteile dieser Gemeinschaftsunternehmen führte zu außerordentlichen Gewinnen, die den Blick auf die mangelnde operative Ertragskraft verstellten. Ursache für die akute Gefährdung des Konzerns waren im Vorjahr der Rückkauf eigener Aktien und das Wachstum der Absatzfinanzierung, die durch kurzfristige "Commercial Papers" refinanziert wurden. Voser ist es gelungen, die Finanzierungsstruktur durch die Inanspruchnahme von Kreditlinien und die Ausgabe von Anleihen zu verbessern.

Gegenüber dem Handelsblatt bestätigte Voser, dass das Ziel der Reduzierung der Nettoverschuldung 2002 um 1,5 Mrd. auf 2,6 Mrd. $ realistisch bleibe. ABB will sich künftig auf die Bereiche Automatisierungs- und Energietechnik konzentrieren. Durch den Verkauf des Bereichs Finanzdienstleistungen noch in diesem Quartal soll der eher mit einer Bankbilanz vergleichbare ABB-Abschluss künftig dem eines Industriekonzerns entsprechen. Welche Bereiche künftig zum Kerngeschäft gehören, entscheiden die Ertragsaussichten. Voser bestätigte die Konzernziele: Bis 2005 soll der Umsatz um durchschnittlich 6 % pro Jahr zulegen und die Ebit-Marge (Gewinn vor Zinsen und Steuern) 9 bis 10 % erreichen. Für dieses Jahr wird ein Umsatz in Vorjahreshöhe von23,7 Mrd. $ und eine Ausweitung der Ebit-Marge von 1,2 auf 4 bis 5 % prognostiziert. Dazu soll eine Senkung der Kosten um 500 Mill. $ beitragen.

So schön sich diese Ziele angesichts des schwierigen Umfeldes anhören, bleiben doch noch wichtige Fragen unbeantwortet. Bisher hat ABB Verkaufspläne nur für die Bereiche Strukturierte Finanzierungen (Absatzfinanzierung) und Gebäudetechnik kommuniziert. Voser begründete die Schweigsamkeit damit, dass ABB die Verkaufschancen für andere Bereiche nicht durch frühzeitige Publikationen beeinträchtigen möchte.

Aufatmen dürfte der Markt jedoch erst, wenn größere Brocken, vor allem der Bereich Strukturierte Finanzierungen, die Bilanz nicht mehr belasten. Die Entwicklung der Aktien im Gleichklang mit dem Markt signalisiert die abwartende Haltung der Investoren gegenüber ABB. Zwar ist der Konzern aus den negativen Schlagzeilen verschwunden, doch auf die wirklich positiven Signale wartet der Markt bisher noch vergebens.

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