Analysten bewerten Aussagen eher positiv
Greenspan: Inflation ist noch nicht besiegt

Greenspan hält den Kampf gegen die Inflation auch nach einer Serie von Zinserhöhungen in den vergangenen zwölf Monate noch nicht für gewonnen.

Reuters WASHINGTON. Die US-Konjunktur hat sich nach Einschätzung von US-Notenbankpräsident Alan Greenspan noch nicht stark genug abgekühlt, um Inflationsrisiken abwehren zu können. In seiner halbjährlichen Rede vor dem Bankenausschuss des US-Senats deutete der Notenbankchef damit am Donnerstag in Washington an, dass er den Kampf gegen die Inflation auch nach einer Serie von Zinserhöhungen in den vergangenen zwölf Monate noch nicht für gewonnen hält. Analysten bewerteten die Aussagen eher positiv, obwohl Greenspan die Möglichkeit einer weiteren Zinsanhebung am 22. August weiter offen ließ. Der Rentenmarkt regierte mit deutlichen Kursgewinnen auf die Rede, der Dollar gab gegen den Euro etwas nach.

In seiner Rede sagte der Fed-Chef weiter, ein nachlassender privater Verbrauch könne die Nachfrage möglicherweise wieder mit dem Produktionspotenzial in Einklang bringen. Aber selbst wenn sich die Konjunktur abkühle, könne aus dem angespannten Arbeitsmarkt und den steigenden Energiepreisen Preis- beziehungsweise Lohndruck entstehen.

Analysten bewerteten die Aussagen Greenspans als sehr ausgewogen. Der Notenbankchef habe die Einschätzung bestätigt, dass sich die Konjunktur in den USA abkühle. Zugleich habe Greenspan aber auch verdeutlicht, dass die Notenbank wachsam gegenüber Inflationstendenzen bleibe. "Die erste Reflexreaktion der Märkte ist, dass die Fed mit der gegenwärtigen Situation zufrieden ist", sagte Christopher Low von Firts Tennessee Capital Markets. Auf dem August-Treffen werde der geldpolitische Ausschuss (FOMC) der Fed die Zinsen unverändert lassen, aber jegliches Lebenszeichen (der Inflationsentwicklung) beobachten.

Wayne Ayers, von Fleetboston Financial, sagte, Greenspan habe ein ausgeglichenes Statement abgegeben und bestätigt, das die USA eine konjunkturelle Abkühlung sehen könnten. "Aber,...zumindest die Kernaussagen deuten stärker als alles andere auf eine straffe geldoplitische Haltung hin, und sollen signalisieren, dass die Fed auf absehbarer Zeit mit Blick auf die Inflation wachsam sein und bleiben wird", sagte Ayers.

Am US-Rentenmarkt stieg die richtungweisende 30-jährige Anleihe zeitweise um einen ganzen Punkt auf ein vorläufiges Tageshoch von 105-19/32 Punkten. Vor den Äußerungen Greenspans hatte der Bond bei 104-31/32 Punkten gelegen. Der Euro-Bund-Future, der ebenfalls schon im Vorfeld freundlicher tendiert hatte, gewann 29 Punkte auf 104,80 Punkte. Der $ zeigte sich gegen den Euro dagegen etwas leichter. Die

Gemeinschaftswährung notierte am Nachmittag mit Kursen um 0,9280 $. Die Aussagen zu Konjunktur und Inflation in Amerika seien so wie erwartet ausgefallen, begründeten Händler die Reaktion der Märkte. "Es war wie immer eine Mischung aus schön und bitter", sagte ein Händler. Offensichtlich gelinge der US-Notenbank eine sanfte Landung der jahrelang boomenden US-Wirtschaft. Möglicherweise sei der Anstieg der Anleihekurse aber auch im Zusammenhang mit den bevorstehenden weiteren Anleihenrückkauf der US-Regierung zu sehen, hieß es am Markt.

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