Analysten bewerten Ölaktien verhalten positiv
Rohölpreise legen Verschnaufpause ein

Die Rede des US-Präsidenten George W. Bush vor den Vereinten Nationen zur künftigen Irak-Politik hat direkten Auswirkungen auf den Ölpreis und die Aktien von Ölgesellschaften gehabt: Die Rohölpreise haben nachgegeben.

HB DÜSSELDORF. Vor der Rede war an den Märkten mit einem Preisanstieg gerechnet worden. Experten sind sich allerdings nicht einig, wie wahrscheinlich ein möglicher Konflikt zwischen den USA und dem Irak ist. "Das Risiko für einen Krieg ist nach der Bush-Rede deutlich gesunken", sagt Martin Mölsäter, Analyst bei DnB in Oslo. Der Preis für Brentöl - Marktführer in Europa - fiel am Freitag zeitweise unter 28 $ je Barrel (b/159 Liter). Am Abend stieg der Preis für ein Barrel Brentöl in London jedoch wieder leicht auf rund 28,30 $, nachdem sich der Irak erneut geweigert hatte, UNO-Waffeninspekteure ins Land zu lassen.

Ulrich Hombrecher rät, den zeitweisen Rückgang der Ölpreise nicht überzubewerten. Nach Ansicht des Chefvolkswirts der Westdeutschen Landesbank (WestLB) ist der Preisrückgang nur kurzfristig. Darin zeige sich eine "erste Erleichterung, dass der Sicherheitsrat eingeschaltet wird". Die Furcht der Märkte vor einer Intervention der USA im Irak und die möglichen Auswirkungen auf die gesamte Golfregion dürften laut Hombrecher wieder zunehmen. Dann könnte der Preis "aus der Sorge der Märkte heraus" in den nächsten Wochen spürbar anziehen. Vorstellbar sei, dass er auf 35 $ oder höher steige. Je länger der Konflikt dauere, um so größer sei das Risiko, dass der Ölpreis auf einem höheren Niveau verharre. Dies aber würde die labile "Weltwirtschaft vor eine ganz schwierige Situation stellen"; rezessive Tendenzen im Winter seien nicht auszuschließen. Zwar glaubt Hombrecher nicht an eine schnelle Lösung im Irak, doch sollte der Krieg rasch beendet werden, werde der Ölpreis auf mindestens 20 $ fallen. Die WestLB sieht einen Gleichgewichtspreis für Öl bei 18 bis 20 $. Rund 8 $ Kriegsprämie seien derzeit im Preis enthalten.

Thomas Deser, Fondsmanager und Analyst für Rohstoffe bei Union Investment, hält ebenfalls einen Anstieg des Ölpreises auf über 30 $ für möglich. Ursache dafür sei auch die Opec-Sitzung am 19. September. Erwartet werde, dass die Opec-Staaten nicht die Förderquoten erhöhen werden. Im Hinblick auf die US-Intervention im Irak ist für Deser ebenfalls die Dauer des Konflikts entscheidend. Bei einem langen Krieg werde das Niveau bei 28 $ liegen. Gelinge eine rasche militärische Intervention, werde sich der Preis schnell auf 22 bis 25 $ einpendeln. "Die Grenze von 20 $ wird auf Dauer nicht unterschritten", sagt er, da die arabischen Ölproduzenten sonst zu hohe Einbußen hätten.

Keine günstige Kursprognose für Ölkonzerne


Eher verhalten sehen Analysten auch die Aktien des Ölsektors. Martin Mölsäter, der einen deutlich sinkenden Ölpreis erwartet, gibt für die norwegischen Ölkonzerne Norsk Hydro und Statoil keine günstige Kursprognose ab. "Wir haben die Gewichtung des gesamten Sektors nach unten korrigiert", sagt er. Belastet würden die Kurse der Konzerne zudem durch einen Streik auf den Ölfeldern im Nordatlantik, der sich noch ausweiten könnte.

Auch JP Morgan stufte Ölaktien soeben erst von "Übergewichten" auf "Neutral" herunter. "Wir hatten Sorgen wegen der zu hohen Bewertung in dem Sektor", sagt Analyst Ed Westlake. Denn die Aktien des MSCI-Index Öl & Gas hätten seit Jahresbeginn "nur" knapp 5 % verloren, der Index Welt dagegen fast 20 %. Trotzdem bleibt JP Morgan mittelfristig positiv: "Die Risiken bleiben vorhanden, deshalb dürfte sich der Ölpreis noch verteuern." Auch Fondsmanager Deser gewichtet Ölwerte insgesamt neutral. Im weltweit anlegenden Fonds UniGlobal hätten Ölaktien einen Anteil von 10 %. Laut Deser werden europäische Ölproduzenten wie die britische BP, die französische Total Fina und die italienische Eni bevorzugt, denn diese Aktien seien "aktuell vergleichsweise günstig bewertet". Die französische Bank Crédit Lyonnais überlegt, den Ölsektor wieder hochzustufen. Der Sektor sei um 15 % unterbewertet, sagen die Analysten. Zudem sei die interne Schätzung eines Jahresdurchschnitts von 23 $ deutlich zu niedrig.

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