Analysten bezeichnen erhoffte Nutzerzahlen als unrealistisch
Hutchison Whampoa gerät mit UMTS unter Druck

Der Hongkonger Mischkonzern Hutchison Whampoa wirbt aggressiver um Kunden für die neue Mobilfunktechnik UMTS: Ab Montag verkauft die italienische Tochter die entsprechenden Mobiltelefone zu subventionierten Preisen und damit 250 Euro billiger. Dies ist für Experten ein Eingeständnis der großen Schwierigkeiten, mit denen Hutchison auf dem europäischen Mobilfunkmarkt zu kämpfen hat.

HB DÜSSELDORF. Anders als in Deutschland sind Handy-Subventionen auf dem italienischen Markt unüblich. Zudem hat Canning Fok, Managing Director bei Hutchison, dies einst ausgeschlossen. Die Subventionen sind in Italien zunächst für drei Monate begrenzt, doch Analysten gehen davon aus, dass die Aktion verlängert wird. Hutchison ist vor einigen Monaten mit UMTS in Italien und Großbritannien gestartet, Anfang Mai folgten Schweden und Österreich. Bisher hat der Konzern mit seiner Marke "3" in Italien 90 000 und in Großbritannien 25 000 Kunden angeworben. Das Ziel sind bis zum Jahresende in diesen beiden Ländern jeweils eine Million Nutzer.

Völlig unrealistisch, urteilen Analysten. So erwartet Anil Daswani von der Citibank gerade einmal 300 000 Nutzer in Großbritannien und 500 000 in Italien. Im schlimmsten Fall könne Hutchison sein europäisches Geschäft schließen und 14 Mrd. $ abschreiben, warnen Analysten bei Goldman Sachs. Sie fügen aber sogleich hinzu: Der Konzern könne dies angesichts seiner Geldreserven und seiner profitablen Geschäftsbereiche verkraften. Bisher hat Hutchison auch keine Sonderabschreibungen auf seine UMTS-Lizenzen vorgenommen - im Gegensatz zu Konkurrenten wie MMO2.

Die Hongkonger haben UMTS in Europa auf den Markt gebracht, obwohl die Kinderkrankheiten noch nicht beseitigt sind. Die Folge: Jedes zehnte Gespräch im italienischen Netz von Hutchison bricht ab. Normalerweise liegt diese Fehlerquote im Promille-Bereich. Zudem gibt es nicht genügend UMTS-Mobiltelefone. In Schweden können sich beispielsweise Interessierte bisher nur in Wartelisten eintragen. Das hätten "einige tausend Schweden" getan. Genauere Zahlen seien Betriebsgeheimnis, sagt ein Sprecher von "3" in Stockholm. Die meisten europäischen Mobilfunker wollen dagegen mit UMTS erst loslegen, wenn all diese Probleme gelöst sind.

Damit "3" erfolgreich wird, braucht die Marke laut Schroder Salomon Smith Barney in den kommenden vier Jahren sieben Millionen Kunden. "Das wird nicht leichte werden", sagen Analysten. Für Konkurrenten wie Orange, Vodafone oder Telecom Italia Mobile stelle Hutchison in Europa darum keine Gefahr dar. Bis Ende 2004 werde die Auswirkung des neuen Anbieters am Mobilfunkmarkt eher "moderat" bleiben, meint Analyst Christian Kern von Smith Barney in London.

Hutchison-Gründer und Hauptaktionär Li Ka-shing hatte bisher den Ruf, alles zum Erfolg zu führen, was er anpackte. Das UMTS-Abenteuer in Europa könnte dies ändern. Vergangene Woche wurde Li Ka-shing seinem Ruf aber noch einmal gerecht. Für über 2 Mrd. Euro verkaufte er mehr als die Hälfte seiner Aktien an Vodafone und an der Deutschen Telekom - mit 105 Mill. Euro Gewinn, schätzt, David Cui, Analyst bei Merrill Lynch.

Mitarbeit: Marcello Berni, Andreas Hoffbauer, Oliver Müller, Katharina Slodczyk, Helmut Steuer

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