Analysten bezweifeln Stimmungswandel
Euro legt weiter zu

Der Euro hat im europäischen Handel am Freitag ein Dreiwochenhoch bei 0,8649 $ markiert, nachdem am Donnerstag in den USA Kritik an der Politik des starken Dollar laut geworden war. Der US-Industrieverband NAM hatte den Dollar als um 25 bis 30 % überbewertet bezeichnet. Einen grundlegenden Stimmungswandel zu Gunsten der Gemeinschaftswährung bezweifelten Analysten allerdings.

Reuters FRANKFURT. Auch zum Yen erreichte der Euro sein höchstes Niveau seit drei Wochen. Händler begründeten die Yen-Schwäche mit dem anhaltenden politischen Druck auf die Bank von Japan (BoJ), die Geldpolitik weiter zu lockern. Die BoJ entschied erst am Freitag, ihre Politik nicht zu ändern.

Gegen 11.00 Uhr MESZ kostete ein Euro 0,8627/32 $ nach 0,8623/27 $ zum Handelsschluss in New York. Zur japanischen Währung notierte der Euro mit 104,72/85 (104,70/81) Yen. Zuvor hatte der Euro ein Dreiwochenhoch von 104,92 Yen markiert. Die US-Währung kostete 121,38/43 (121,40/45) Yen.

Der Euro profitierte nach Einschätzung von Händlern davon, dass der Industrieverband National Association of Manufacturers (NAM) am Donnerstag seine Forderung an die US-Regierung bekräftigt hatte, sich von der Politik des starken Dollar abzukehren. Die US-Währung sei um 25 bis 30 % "aus der Balance", sagte Verbandspräsident Jerry Jasinowski. Dies sei ein Wettbewerbsnachteil, der die US-Industrie belaste. "Der Euro ist zunächst von den NAM-Äußerungen getragen worden und dürfte seine Gewinne konsolidieren, aber das war keine plötzliche Verbesserung der Stimmung", sagte Audrey Childe-Freeman von CIBC World Markets. Das US-Finanzministerium bekräftigte, Finanzminister Paul O´Neill sei nach wie vor für einen starken Dollar.

Yen leidet unter geldpolitischer Lockerung

Der Yen litt Händlern zufolge unter den anhaltenden Forderungen nach einer weiteren geldpolitischen Lockerung in Japan. Wirtschaftsminister Heizo Takanaka sagte, die Regierung zähle auf weitere Lockerungsschritte. Sein Stellvertreter Eiji Kawade drückte die Erwartung aus, die Bank von Japan (BoJ) werde ihre Möglichkeiten nutzen: "Wir hoffen, die Bank von Japan wird die unterschiedlichen Schritte in Betracht ziehen, die sie unternehmen könnte." Die Forderungen nach weiteren Lockerungsschritten waren aufgekommen, nachdem Konjunkturdaten einen schlechter als erwarteten Zustand der japanischen Wirtschaft offenbart hatten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im ersten Quartal um 0,2 % gesunken. Die Regierung geht von einer weiteren Verschlechterung der Wirtschaft aus.

Die BoJ lockerte ihre Geldpolitik am Freitag erwartungsgemäß nicht. Die Zentralbank war Mitte März wegen deflationärer Entwicklungen zu einer faktischen Nullzinspolitik zurückgekehrt. Zahlreiche Volkswirte rechnen dennoch mit einer weiteren quantitativen Lockerung in den kommenden Monaten. Da der Geldmarktzins faktisch bereits Null beträgt, kann die Liquidität im Bankensektor nur durch einen verstärkten Aufkauf von Staatsanleihen erhöht werden oder durch eine Ausweitung der täglichen Guthaben der Banken bei der Zentralbank.

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