Analysten
Cingular und Voicestream sind bevorzugte Partner

In der vor einer Konsolidierung stehenden US-Mobilfunkbranche wird eine Fusion zwischen dem zweitgrößten Anbieter Cingular mit der Telekom-Tochter Voicestream als wahrscheinlichster Zusammenschluss gesehen.

Reuters NEW YORK. Nach Einschätzung von Analysten und Investmentbankern ist der künftig unter dem globalen Markennamen T-Mobile firmierende Anbieter Voicestream der logische Partner für Cingular. "Das wahrscheinlichste Szenario ist ein Zusammenschluss mit Cingular", sagte William Benton, Analyst bei William Blair & Co. Die jüngsten Presseberichte und Marktspekulationen über eine mögliche Fusion von VoiceStream mit dem drittgrößten Mobilfunk-Anbieter AT&T Wireless dienten nur dem Zweck, Druck auszuüben. "Alles in allem ist die Hebelkraft von VoiceStream jedoch begrenzt, da sie ihre Bilanz in Ordnung bringen müssen", sagte Analyst Benton.

Die Deutsche Telekom hatte Mitte 2000 die Zustimmung für den Kauf von Voicestream erhalten. Die meisten Analysten hatten den in bar und eigenen Aktien entrichteten Kaufpreis von mehr als 37 Mrd. Euro als zu hoch kritisiert. Der in der vergangenen Woche auf Betreiben der Bundesregierung ausgeschiedene Vorstandschef Ron Sommer war von Analysten immer wieder gedrängt worden, den kleinsten der landesweiten US-Anbieter mit einem der größeren Konkurrenten zusammenzuführen. Sommer hatte hingegen die Ansicht vertreten, VoiceStream brauche keinen Partner.

Sommers Abschied machte jüngsten Analysten-Einschätzungen zufolge den Weg bei der Telekom frei, um nun gemeinsame Optionen von Voicestream und seinen Konkurrenten zu prüfen. "Voicestream hat verloren. Es ist unmöglich, in den USA als sechstgrößter Anbieter zu überleben. Schon der dritt-, viert- oder fünftgrößte Anbieter hat es schwer", sagte Todd Bernier, Mobilfunkanalyst bei Morningstar. Durch eine Zusammenlegung mit einem Konkurrenten wie AT&T Wireless oder Cingular könnte die Telekom Kosten sparen und beim Verkauf der Aktienmehrheit sogar Schulden aus ihrer Bilanz streichen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die mit 8,3 Mrd. $ verschuldete VoiceStream einen Verlust von mehr als zwei Mrd. $. Davon schlug knapp die Hälfte auf die Telekom-Bilanz durch und trug maßgeblich zum Konzernverlust von 3,5 Mrd. Euro bei.

Einige Analysten warnten jedoch vor einer überhasteten Fusion in den USA, da die derzeitige Verhandlungsposition der Telekom schlecht sei. Der Telekom-Analyst der Bankgesellschaft Berlin, Ralf Hallmann, befürchtet angesichts eines derzeit niedrigen Verkaufserlöses für Voicestream einen Abschreibungsbedarf auf den Firmenwert von bis zu 25 Mrd. Euro. Zudem durchkreuze die Telekom bei der Aufgabe ihrer Mehrheitsposition ihren Plan, alle Mobilfunkbeteiligungen unter dem Namen T-Mobile global zu vermarkten. Derzeit läuft bei VoiceStream die Umbenennung in T-Mobile US an, die bis zum Jahresende abgeschlossen sein soll.

Bislang sind die Überlegungen für eine Konsolidierung des zersplitterten US-Mobilfunkmarkts jedoch weitgehend theoretisch. "Ich denke nicht, dass irgendjemand weiß, was hier passieren wird", sagte ein auf Telekom-Werte spezialisierter Investmentbanker. "Es ist eine schreckliche Zeit, um Mobilfunkwerte zu veräußern." Allerdings stehe die Telekom unter einem gewissen Handlungsdruck, sagte der Banker. Analysten und Banker sehen jedoch auch Probleme auf der Käuferseite. AT&T Wireless sei als börsennotiertes Unternehmen daran interessiert, eine mögliche Übernahme von VoiceStream in eigenen Aktien zu bezahlen. Die Aktien notieren jedoch mit 5,90 $ nahe ihrem 52-Wochen-Tief, was als Schwäche gesehen wird.

Cingular könne hingegen als nicht börsennotiertes Gemeinschaftsunternehmen von SBC Communications und Bell South eine VoiceStream-Übernahme mit Barmitteln finanzieren, was der Telekom bei der geplante Reduzierung ihrer Schulden von derzeit 67 Mrd. Euro helfen könne. Cingular und VoiceStream betreiben zudem bereits ein Gemeinschaftsunternehmen, das beide Firmen mit Netzkapazitäten in den Bundesstaaten New York, Kalifornien und Nevada versorgt.

Der Einschätzung von Analysten zufolge dürfte Cingular jedoch am ehesten daran gelegen sein, den drittgrößten Anbieter AT&T Wireless zu übernehmen. Allerdings hatte der Bell-South-Finanzchef Ron Dykes zuletzt bereits öffentlich die Befürchtung geäußert, dass die US-Wettbewerbsbehörde FCC Fusionspläne der drei größten Mobilfunkanbieter kritisch bewerten könnte. Vor Cingular und AT&T rangiert Verizon Wireless mit rund 30 Mill. Kunden als größter US-Mobilfunkanbieter. Eine Fusion von Verizon Wireless mit Cingular, AT&T Wireless oder VoiceStream gilt als extrem unwahrscheinlich, da Verizon eine andere Mobilfunktechnik nutzt.

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