Analysten empfehlen einzelne kapitalstarke Anbieter
Rückversicherer gelten als sichere Werte

Die Versicherungsbranche präsentiert sich zurzeit zweigeteilt. Positiv bewertet werden vor allem Rückversicherungen wie die Münchener Rück. Erstversicherer wie die Allianz setzen dagegen auf die Riester-Rente - doch die lohnt sich für die Branche vorerst nicht.

HB DÜSSELDORF. Erst Terror-Schäden, dann Flaute in der Weltwirtschaft - die Versicherer hatten wirklich keinen Grund, auf das neue Jahr anzustoßen. Nach einem schlechten Start bremsten die allgemein schwache Entwicklung an den Aktien- und Bondmärkten auch die Kurserholung der Versicherungsaktien, die Ende 2001 eingesetzte hatte.

Analyst Michael Huttner von JP Morgan zeigt sich pessimistisch für die Branche: "Ich erwarte keine Besserung, da die Versicherer von der schlechten Lage an den Kapitalmärkten abhängen". Einen Lichtblick sieht der Analyst allerdings: "Gut entwickeln sich vor allem die Aktien der Rückversicherer". Seine Kauf-Empfehlung: Branchenführer Münchener Rück. "Ich bin momentan sehr wählerisch und setze nur auf die ganz Großen", begründet Huttner. Trotzdem ist er für die Nummer zwei unter den Rückversicherungen, die Schweizer Rück, skeptischer und stuft sie nur als Market Performer ein.

Die "Versicherer der Versicherer" gerieten nach den Attentaten auf das World Trade Center im September zunächst unter Druck, weil sie Milliardensummen für die Schadenszahlungen aufbringen müssen. Deshalb stürzten die Aktienkurse der Rückversicherer nach den Anschlägen rapide ab. Doch die trüben Aussichten kehrten sich bald wieder ins Gegenteil um. Der Grund: Die Rückversicherer kalkulierten die Risiken neu und hoben ihre Prämien kräftig an. Im Durchschnitt konnten die Rückversicherer ihre Preise um 20 bis 40 % erhöhen. In einigen Bereichen wie der Luftfahrt zogen sie bei der Münchener Rück beispielsweise sogar um bis zu 300 % an. "Die Rückversicherer profitieren von diesem Prämienschub lange vor den Erstversicherern", schätzt Huttner.

Bei den jährlich neu abzuschließenden Policen zwischen Erst- und Rückversicherern wird auch in diesem Jahr härter verhandelt. Schäden durch Krieg und Terror sollen nach dem Willen der Rückversicherer grundsätzlich ausgenommen werden - oder aber über gesonderte Policen mit sehr viel höheren Prämien extra versichert werden.

Kleinere Gesellschaften können da kaum noch mithalten - nur die Branchenführer besitzen ausreichend Reserven, um den Crash am Aktienmarkt zu überbrücken. So sitzt die Münchener Rück auf einem Finanzpolster aus Eigenkapital und stillen Reserven von über 30 Mrd. Euro. Die Konkurrenz aus Hannover muss sich dagegen mit knapp zwei Milliarden Euro bescheiden. Trotzdem wurde die Aktie der Hannover Rück gerade als einzige von Merrill-Lynch-Analyst Brian Shea zum Strong Buy aufgewertet. Shea sieht für das Papier ein Wertsteigerungspotenzial von über 20 % im nächsten Jahr. Zum Kauf rät der Analyst außerdem bei Aktien der Schweizer Rück und Converium. Die Wertpapiere der Münchener Rück sind seiner Meinung nach bereits sehr positiv bewertet.

Als weiterer Top-Wert gilt der kleinere Rückversicherer Scor Deutschland. Nach der Erneuerungsrunde 2002 konnte Scor die Preise im Vergleich zum Vorjahr im Durchschnitt um 15 % erhöhen. "Prämiensteigerungen sind jedoch nur eine Seite der Medaille", betont Analyst Frank Stoffel von WestLB Panmure. Ein reines Volumen-Wachstum sei noch keine Garantie für höhere Profitabilität. Im Vergleich zu 2000 konnte Scor seine Profitabilität bis zu 70 % verbessern. "Das ist eine gute Nachricht nicht nur für Scor, sondern für die ganze Branche", sagt Stoffel.

Die Erstversicherer setzen auf das Geschäft mit der privaten Riester- Rente. Aber: Mit Riester ist kein schneller Euro zu machen. Die Policen bringen nur Mini-Beträge, deren Verwaltung kostet viel Geld und es besteht ein erhöhtes Storno- Risiko. Teuer ist für die Versicherer zudem die Vorfinanzierung der Vermittlerprovisionen. Mit der Provision darf bei Riester-Policen laut Gesetz der Kunde nicht wie üblich auf einen Schlag, sondern nur auf zehn Jahre verteilt belastet werden. Die Rechnung mit Riester geht für die Assekuranz nur dann auf, wenn ein so genanntes Cross-Selling einbezogen wird. Hauptnutznießer wie die Allianz werden allerdings erst in drei bis vier Jahren von der Riester- Rente profitieren, sagen Analysten.

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