Analysten empfehlen Titel der kleineren Assekuranzen wie Hannover Rück zum Kauf
Kleinere Versicherer – größere Kurschancen

Die jüngste Panik-Welle an den Börsen hat vor allem Versicherer-Titel getroffen, schließlich gehören sie zu den größten Aktieninvestoren. Doch Experten halten die Verkaufswelle für übertrieben.

DÜSSELDORF. Das Urprinzip von Versicherungen besteht darin, dem Kunden Risiken gegen Bezahlung abzunehmen. Wer sein Geld dagegen in Versicherungsaktien investiert hat, der hat sich im Nachhinein ein zusätzliches Risiko aufgehalst und dafür auch noch teuer bezahlt. Denn die jüngsten Börsenturbulenzen haben vor allem den Assekuranz-Titeln zugesetzt. So verlor der CDax Versicherungen allein in diesem Jahr rund 35 Prozent an Wert, der CDax Gesamtindex nur 25 Prozent.

Mittlerweile mehren sich die Stimmen von Experten, die hier eine Übertreibung ausmachen. "Nach der jüngsten Panik-Welle ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um in Versicherungstitel zu investieren", sagt zum Beispiel Dierk Schaffer, Versicherungsanalyst der WGZ Bank. Sollten sich die Märkte in nächster Zeit spürbar erholen, werden die Versicherungstitel davon überproportional profitieren, so wie sie in der jüngsten Verkaufswelle überproportional verloren haben.

Die traf vor allem die groß kapitalisierten Werte wie Allianz und die Münchener Rück. Denn diese Aktien sind hoch liquide, so dass viele institutionelle Anleger - wie etwa Versicherer - dort investiert sind. Nicht selten geht dann eine Verkaufswelle von den Profi-Investoren aus, die noch größere Verluste oder Abschreibungen in ihren Portfolios vermeiden wollen.

Hannover Rück legt gegen Trend zu

Vergleichsweise glimpflich haben sich daher einige Versicherertitel aus der zweiten Reihe gehalten, welche die Großinvestoren oft meiden. Die Aktie der Hannover Rück zum Beispiel hat in diesem Jahr gegen Trend sogar ganz leicht zulegen können (0,16 Prozent Plus).

Die Mehrheit der Analysten traut dem Papier des fünftgrößten Rückversicherers der Welt weitere Kurssteigerungen zu. Die Analysten von Merrill Lynch bevorzugen die Hannover Rück gar gegenüber den großen Spielern wie Münchener Rück und Swiss Re. Ihre Argumentation: Die beiden Marktführer werden an der Börse mit einem Premium gehandelt. Der Grund: Nach den Terror-Attacken wollen sich Versicherer bevorzugt bei einem kapitalstarken Partner wie die mit "AAA" gerateten Rückversicherer Münchener und Schweizer Rück absichern. Dank dieser Ausnahmestellung könnten die beiden Marktführer höhere Preise durchsetzen und damit größeres Prämienwachstum erreichen, so die landläufige Meinung.

Nach den Analysen von Merrill Lynch hat die vergangene Vertragserneuerungsrunde diese These aber nicht bewiesen. Im Gegenteil haben laut Merrill gerade die kleineren Anbieter wie Hannover Rück nicht nur die Preise erhöht, sondern auch neues Geschäft gezeichnet, sprich das Volumen gesteigert. Die großen Rückversicherer konnten dagegen nicht so aggressiv auftreten: Wären sie auf Wachstum aus gewesen, hätten sie einen erneuten Preiswettbewerb losgetreten. Größe bringt also manchmal auch Nachteile mit sich. Folglich raten die Analysten von Merrill Lynch die Hannover Rück zu "kaufen", Münchener Rück zu "reduzieren". Mit einem KGV von unter zehn ist die Hannover Rück noch günstig zu haben. "Ein Risiko besteht darin, dass Großaktionär HDI seinen Anteil an Hannover Rück von derzeit 75 Prozent abbauen will", sagt WGZ-Experte Schaffer.

Aus der zweiten Reihe halten langfristig Analysten die AMB Generali Holding, drittgrößter Versicherer Deutschlands, für interessant. Im Zuge der derzeitigen Krise der Lebensversicherer dürfte die kapitalstarken AMB eher von einer Marktbereinigung profitieren, meint etwa WGZ-Experte Schaffer. Die Aktie hat sehr stark unter den jüngsten Turbulenzen gelitten und bietet Aufholpotenzial. Das verlustreiche Geschäft mit Industriekunden hat der Konzern jüngst aufgegeben, um sich ganz dem Privatkundenmarkt zu widmen und hier vor allem als Vorsorgespezialist zu positionieren.

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