Analysten enttäuscht
Gewinn der Dresdner Bank schrumpft

Die Dresdner Bank AG, Frankfurt, ist entgegen den Erwartungen vieler Analysten nach eigenen Angaben im letzten Quartal 2000 nicht in die roten Zahlen gerutscht. Es stehe eine "leicht schwarze Zahl" im zweistelligen Millionenbereich unter der Gewinn- und Verlustrechnung des letzten Vierteljahres 2000, heißt es bei der Dresdner Bank.

hjk/nw/po FRANKFURT/MAIN. Für das Gesamtjahr meldete die Dresdner einen um 24 % auf 1,61 Mrd. Euro reduzierten Gewinn vor Steuern. Begründet wurde der Rückgang mit den Folgen der zwei gescheiterten Fusionen mit Deutscher Bank und Commerzbank, der Börsenflaute und wackeligen Immobilienkrediten in Ostdeutschland. "Günstige steuerliche Wirkungen" hätten zu einem um 60 % auf 1,7 Mrd. Euro gestiegenen Jahresüberschuss geführt. Die Dividende soll daher wie im Vorjahr bei 0,90 Euro liegen.

Die Börse reagierte am Mittag zunächst mit einem Kursrückgang der Dresdner-Aktie. Dann erholte sich die Notierung, lag am späten Nachmittag aber unter Vortagesniveau. An den Tagen zuvor war der Kurs kräftig eingebrochen. Analysten hatten ein etwas besseres Ergebnis erwartet. Nach Bekanntgabe der Zahlen hieß es, man sei wegen der Risikovorsorge in den USA und der starken Kostensteigerung negativ überrascht worden. Die Dresdner hatte einen Anstieg des Verwaltungsaufwands um 17 % auf 1,1 Mrd. Euro gemeldet.

Dresdner-Chef Bernd Fahrholz erklärte, die "Ertragsdynamik" habe gesteigert werden können und das "Ergebnispotenzial" habe sich verbessert.

Das vierte Quartal verlief für die Dresdner Bank besser als erwartet. Das Institut hat in einem schwierigen Marktumfeld nicht - wie von vielen Experten befürchtet - einen Verlust eingefahren. Zwar seien vom ausgewiesenen Gewinn vor Steuern von 700 Mill. Euro die aus dem Verkauf von Münchner-Rück-Anteilen erzielten außerordentlichen Erträge von 1,5 Mrd. Euro abzuziehen, heißt es aus der Dresdner Bank hierzu. Allerdings müssten in diesem Fall im Gegenzug die außerordentlichen Aufwendungen hinzugerechnet werden, so dass alles in allem "ein leicht schwarzer Gewinn" im zweistelligen Millionenbereich übrig bleibe.

Zu den außerordentlichen Aufwendungen, die bilanzierungstechnisch im vierten Quartal anfielen, zählen unter anderem 150 Mill. Euro an Wertberichtigungsbedarf für das kommerzielle US-Kreditgeschäft. Daneben fallen höhere Rückstellungen für die Deutsche Hyp mit 300 Mill. Euro und weitere 200 Mill. Euro Restrukturierungsaufwendungen ins Gewicht. Auch ein Teil der für das Gesamtjahr mit rund 550 Mrd. Euro angegebenen Bleibeprämien für die Investment-Banking-Mitarbeiter sind hier zu berücksichtigen. Diese waren nötig, um nach der gescheiterten Fusion mit der Deutschen Bank und den Querelen um den Verkauf des "Juwels Dresdner Kleinwort Benson" ein Ausbluten der Investment-Banking-Einheit zu verhindern.

Spuren hat diese Phase von rund zwei Monaten, in der das Investment-Banking nahezu stillstand, vor allem im Handelsergebnis hinterlassen. Hier zeigt sich im Quartalsvergleich eine kräftig nachlassende Dynamik. Vom dritten zum vierten Quartal weist das Handelsergebnis einen Rückgang um 65 % aus. Der Start in das neue Jahr sei von Handelsseite allerdings fulminant verlaufen, heißt es bei der Dresdner Bank. Für das laufende Jahr rechnet das Institut hier auch mit weiteren Impulsen von der im vergangenen Jahr übernommenen US-Investmentbank Wasserstein Perella.

Daneben steht in 2001 ähnlich wie beim Konkurrenten Deutsche Bank vor allem der Ausbau des Privatkundengeschäfts an. Die Wertschöpfungskette der Bank müsse rund um den Kapitalmarkt herum ausgebaut werden, hieß es. Ziel sei es, das Privatkundengeschäft durch eine Steigerung der Provisionsüberschüsse nachhaltig als profitables Geschäft zu etablieren. Hierzu soll der Vertrieb von Wertpapier- und Fondsprodukten ausgeweitet werden.

Im Jahr 2000 hat die Dresdner Bank einen Gewinn vor Steuern von 1,61 Mrd. Euro erzielt. Dies entspricht einem Rückgang gegenüber 1999 um 24 %. Die Ertragspositionen legten in der Summe im vergangenen Jahr um rund 2 Mrd. Euro auf 8,34 Mrd. Euro zu: Während der Provisionsüberschuss um 25 % auf 4,29 Mrd. DM und das Finanzanlageergebnis um 64 % auf 2,26 Mrd. Euro stiegen, verbesserte sich das Handelsergebnis nur um 4 % auf 1,33 Mrd. Euro. Die Verlangsamung des operativen Geschäfts im Quartalsvergleich sei marktinduziert und nicht marktstellungsinduziert, heißt es bei der Dresdner Bank. In einem schwachen Markt habe das Institut seine Position behaupten können. Die Verwaltungsaufwendungen stiegen im Jahresvergleich um 17 % auf 7,65 Mrd. Euro und liegen damit am unteren Ende der Analystenschätzungen. John D. Leonard, Analyst bei Schroder Salomon Smith Barney, ist vor allem enttäuscht von der Risikovorsorge für das US-Kreditgeschäft und dem Anstieg der Verwaltungsaufwendungen. Er wird seine Ergebnisprognosen für 2001 nun nach unten korrigieren, denn auch in diesem Geschäftsjahr sei mit einer höheren Risikovorsorge für den Rückzug aus dem US-Kreditgeschäft zu rechnen sowie mit einem insgesamt stärkeren Kostenanstieg als bislang angenommen.

Die Verhandlungen zwischen der Deutschen Bank und der Allianz betrachtet die Dresdner Bank relativ gelassen. "Wir können aus jedem denkbaren Szenario etwas Gutes machen, wenn die Hausaufgaben erledigt sind", heißt es. Also auch aus einem denkbaren Ausstieg der Allianz, die mit 21,7 % größter Anteilseigner der Dresdner Bank ist.

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