Analysten enttäuscht
Großbritannien lehnt Fusion von Lloyds TSB und Abbey ab

"Die Fusion wäre nicht im öffentlichen Interesse und sollte deshalb untersagt werden", teilte Handels- und Wirtschaftsministerin Patricia Hewitt am Dienstag mit. Analysten äußerten sich in einer ersten Reaktion enttäuscht über die Entscheidung.

Reuters LONDON. Die britische Regierung hat die geplante 19-Milliarden-Pfund-Übernahme (rund 62 Milliarden Mark) der Abbey National Bank durch Lloyds TSB abgelehnt. "Die Fusion wäre nicht im öffentlichen Interesse und sollte deshalb untersagt werden", teilte Handels- und Wirtschaftsministerin Patricia Hewitt am Dienstag mit. Analysten äußerten sich in einer ersten Reaktion enttäuscht über die Entscheidung. Nach Einschätzung von Branchenkennern ist das zugleich eine Absage an eventuelle weitere Großfusionen im britischen Bankensektor. Lloyds- Vorstandschef Peter Ellwood kündigte an, sein Unternehmen werde sich weiterhin um Zukäufe in den USA und Europa bemühen.

Nach Aussage der Regierungssprecherin hätten die beiden Geldinstitute im Falle einer Fusion den Markt für Girokonten und für kleinere Geschäftskunden dominiert. Abbey solle aber auch weiterhin ein Wettbewerber für die "großen vier" Lloyds, Royal Bank of Scotland, Barclays und HSBC bleiben, hieß es. Lloyds-Vorstandschef Ellwood betonte, für weiteres Umsatzwachstum der Bank sei ein neuer Partner nicht überlebenswichtig. Dennoch werde Lloyds weiter nach Übernahmen Ausschau halten. "Wir schauen uns sowohl in Europa als auch in den USA um, und das Klima wird allmählich etwas günstiger", sagte Ellwood. Aber auch über organisches Wachstum solle den Aktionären weiterhin Wertzuwachs gesichert werden, hieß es. Abbey teilte mit, man werde die bisherige aggressive Wachstumspolitik fortsetzen.

Die Entscheidung des Handelsministeriums war in Bankenkreisen erwartet worden. Dennoch äußerten sich Analysten in einer ersten Reaktion Unverständnis. "Ich bin enttäuscht über diese Entscheidung", sagte Martin Cross von Teather & Greenwood. "Ich habe das Fusionsvorhaben unterstützt und denke auch nicht, dass es gegen das öffentliche Interesse gewesen wäre." Stattdessen müssten die Banken für ihren Umsatzwachstum jetzt "entweder wertzerstörende Akquisitionen außerhalb Europas tätigen oder auf ihren Händen sitzenbleiben und warten, bis die Wirtschaft im heimischen Markt wieder angekurbelt wird", sagte Cross. Im Februar hatte die drittgrößte britische Bank Lloyds ihr Angebot für Abbey abgegeben. Gemeinsam wären die beiden Institute nach der HSBC Holding zur zweitgrößten britischen Bank aufgestiegen. Abbey hatte die Offerte abgelehnt.Als Alternative für Lloyds für eine freundliche Übernahme gelten die National Australian Bank, die Irish Bank Plc und die Bank of Ireland Plc. In der fortschreitend konsolidierenden Bankenlandschaft Großbritanniens verhandeln derzeit die dort größte Hypothekenbank Halifax und die Bank of Scotland.

Die Aktien von Lloyds stiegen in einem freundlichen Marktumfeld um 2,6 Prozent auf 676 Pence. Abbey-Titel kletterten um 1,44 Prozent auf 1196,6 Pence.

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