Analysten erwarten, dass nach Siemens weitere Emittenten aktiv werden
Der Markt für Wandelanleihen blüht auf

"Drei Emissionen auf einen Schlag, das habe ich lange nicht erlebt", staunt Tareen Hussain, Leiter des Researchs für europäische Wandelanleihen (Convertibles) bei BNP Paribas in London. Neben dem 2,5 Mrd. Euro schweren Convertible von Siemens, brachten gestern noch die französische Investmentgesellschaft Wendel und die französische Holding-Gesellschaft Artemis Wandler über 240 Mill. und 450 Mill. Euro auf den Markt.

FRANKFURT/M. "Die Bedingungen für Wandelanleihen sind günstig", erläuterte Armin Weißenegger von der Landesbank Baden-Württemberg. "Die extrem niedrigen Zinsen und die Schwankungen an den Aktienmärkten machen Wandelanleihen attraktiv." Denn die Investoren von Wandelanleihen setzen auf steigende Aktienkurse, sind bei fallenden Aktien aber abgesichert. Sie bekommen prinzipiell ihr Kapital am Ende der Laufzeit in bar zurück, haben aber auch die Möglichkeit, die Anleihen in Aktien zu wandeln. Das Tausch-Verhältnis wird bei der Emission bestimmt. Bei Siemens setzten die Konsortialführer UBS Warburg und Morgan Stanley auf Basis des Schlusskurses der Siemens-Aktie vom Vortag fest, dass die Aktie um 46 % steigen muss, damit sich der Umtausch lohnt. Die Anleihe kann in rund 45 Millionen Siemens-Aktien gewandelt werden. Die Siemens-Aktien schlossen gestern nach volatilem Handel im Plus.

Siemens erklärte, die 2,5 Mrd. Euro würden für allgemeine Unternehmenszwecke verwendet. Analysten wie Martin Busse von Helaba Trust gehen aber davon aus, dass Siemens sein Kapitalpolster für potenzielle Akquisitionen stärken will. Siemens beschafft sich das Geld sehr günstig. Die Anleihe mit Laufzeit von sieben Jahren hat einen Zinsschein von nur 1,375 %. Die Kupons von Convertibles liegen wegen der Wandlungsoption generell unter denen von herkömmlichen Bonds.

Hussain von BNP Paribas wertet die Siemens-Anleihe als gutes Zeichen für Convertibles, weil sich mit Siemens nach langer Zeit ein Unternehmen mit gutem Rating auf den Markt gewagt hat. Die Ratingagentur Moody?s stuft die Bonität von Siemens mit Aa3 ein. "Das zeigt wie attraktiv Wandelanleihen auch für Unternehmen mit gutem Rating sind, die sich auch über herkömmliche Anleihen vergleichsweise günstig Kapital beschaffen könnten", sagte Hussain.

In diesem Jahr haben bereits die Deutsche Telekom und Infineon Wandelanleihen über 2,5 Mrd. beziehungsweise 700 Mill. Euro begeben. Bei der Anleihe der Deutschen Telekom handelt es sich um eine Zwangswandelanleihe, die nach Ende der Laufzeit automatisch in Aktien zurückgezahlt werden muss. Zwangswandelanleihen werden von den Ratingagenturen zum Teil als Eigenkapital bewertet. Die Telekom stufen Moody?s und S&P mit den Bonitätsnoten Baa3 bzw. BBB+ ein und damit schlechter als Siemens. Infineon hat kein Gütesiegel von den Ratingagenturen. Analysten bei Banken halten Infineons Bonität für schwach.

Hussain ist sicher, dass noch mehr Unternehmen den Markt für Wandelanleihen anzapfen werden. In diesem Jahr wurden nach Daten von BNP Paribas in Europa Wandelanleihen über 10,9 Mrd. Euro begeben. Darin eingeschlossen sind Zwangswandler und Anleihen, die in andere Aktien als die des Emittenten getauscht werden können. Das Volumen liege zwar noch unter dem des ersten Quartals 2002, damals seien aber viele verschobene Emissionen nachgeholt worden, meint Hussain. Dafür, dass Unternehmen verstärkt Wandelanleihen begeben werden, spricht auch, dass in diesem Jahr nach Berechnungen von BNP Paribas Convertible Bonds über 23,25 Mrd. Euro fällig werden. Diese müssen - zumindest zum Teil - refinanziert werden.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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