Analysten erwarten deutliche Gewinnrückgänge
Deutsche Großbanken im Sog der Baisse

Die deutschen Banken litten im ersten Quartal unter dem Kursverfall an den Aktienmärkten. Auch im zweiten Quartal erwarten Analysten schwache Ergebnisse. Die Profitabilität dürfte erst in der zweiten Jahreshälfte im Zuge einer Erholung an den Märkten zunehmen. Die Deutsche Bank muss vor allem ihre Ergebnisqualität beweisen.

FRANKFURT/M. Die Deutsche Bank legt heute ihre Ergebnisse für das Erstquartal 2001 vor. Analysten rechnen wegen der weltweit schlechten Verfassung der Aktienmärkte mit einem Gewinnrückgang von mehr als 40 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, das auf Grund der Börsenhausse außergewöhnlich gut war.

Vorstandssprecher Rolf-E.Breuer hatte bereits auf der Bilanzpressekonferenz am 29. März eingeräumt, dass das erste Quartal nicht mit dem des Vorjahres verglichen werden könne. Vor allem Asset Management und Provisionseinnahmen hätten die Erwartungen nicht erfüllt. Ein etwas besseres Ergebnis als im Schlussquartal erwartet Dieter Hein, Analyst beim Credit Lyonnais. Er betont aber, dass die Zahlen kaum mit den Vorjahresquartalen verglichen werden können, da sie erstmals auf Basis der seit Jahresanfang bestehenden Zwei-Säulen-Struktur vorgelegt werden. Die eine Säule bündelt Investment-Banking und Firmenkundengeschäft, die andere Privatkunden und Vermögensverwaltung.

Vor allem das Asset Management und das Geschäft mit der vermögenden Privatkundschaft litten unter der Börsenbaisse. Die verwalteten Vermögen von Merrill Lynch und Citigroup gingen von Anfang des Jahres bis Ende März um rund sieben Prozent zurück. "Die Ergebnisse der Deutschen Bank werden ähnlich wie die der US-Banken sein", erwartet Stuart Graham von JP Morgan Chase. Er geht davon aus, dass die Zahlen oberflächlich beeindrucken würden, aber bei genauerem Hinsehen Schwächen aufzeigen dürften. Vor allem das Anleihegeschäft werde den Gewinn im ersten Quartal sehr stark beeinflusst haben. Doch könne dieser Bereich in der Profitabilität nicht mit dem Asset Management oder dem Private Banking mithalten, fügt er hinzu.

Im Investment-Banking dürften sich nach Ansicht von David Williams (Morgan Stanley Dean Witter) das schwache Aktien- und das gute Anleihegeschäft die Waage halten. Die ungünstigen Marktbedingungen belasteten im Investment-Banking vor allem das Beratungsgeschäft, das bei der Deutschen Bank einen vergleichsweise geringen Anteil habe. Laut Vorstandssprecher Breuer hat sich das Investment-Banking im ersten Quartal überraschend gut entwickelt.

Anhaltend volatiler Geschäftsverlauf erwartet

Einen anhaltend volatilen Geschäftsverlauf erwarten die Analysten auch im zweiten Quartal. Graham rechnet sogar mit noch schwächeren Zahlen als im ersten Quartal, das auf Grund der überraschenden US-Zinssenkung einen starken Monat Januar hatte. Zudem dürfte der Aktienkursverfall noch deutlicher die Provisionseinnahmen im Asset Management und Privat Banking gedrückt haben, so Graham.

Erst in der zweiten Jahreshälfte wird mit einer Erholung an den Finanzmärkten und einer wieder zunehmenden Profitabilität gerechnet. Insbesondere im dritten Quartal werde die Europäische Zentralbank (EZB) geldpolitisch reagieren, so Adrian Pilz von Merrill Lynch. Der konjunkturellen Entwicklung in den USA misst Graham entscheidende Bedeutung für das Ergebnis der Deutschen Bank bei.

Am 22. Mai, dem Tag der Hauptversammlung, will die Hypovereinsbank über die ersten drei Monate berichten. Pilz erwartet wegen des geringeren Engagements im Investment-Banking von den Münchnern bessere Zahlen als von Banken, die in diesem Bereich stärker engagiert sind. Für Graham wird die Interpretation der Hypovereinsbank-Zahlen "längere Zeit beanspruchen", da die Bank Austria erstmals in einem Quartal voll konsolidiert wird.

Credit-Lyonnais-Analyst Dieter Hein erwartet sowohl für die Dresdner Bank als auch für die Commerzbank im ersten Quartal ein besseres Ergebnis als im Schlussquartal 2000. Für die Dresdner Bank, die ebenfalls zur Hauptversammlung am 11. Mai ihre Zahlen veröffentlicht, prognostiziert Graham einen Bruttogewinn von 220 Millionen. Einschließlich der Sonderaufwendungen im Zuge der fehlgeschlagenen Fusion mit der Deutschen Bank beträgt der Bruttogewinn im Vorjahresquartal 687 Millionen. Einen Tag zuvor, am 10. Mai, wird die Commerzbank ihre Ergebnisse von dem ersten Quartal vorlegen. Das Vorsteuerergebnis sieht der JP-Morgan-Analyst mit 315 Millionen um 47 Prozent niedriger als im Vorjahresquartal.

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