Analysten erwarten finanzielle Belastungen für die Kirch-Gruppe
Pro Sieben steigt bei TM-3-Holding Euvia ein

Pro Sieben steigt über die Beteiligung an der TM-3-Holding Euvia ins Einkaufsfernsehen ein. Mittelfristig soll die neue Sparte zehn Prozent zum Konzernumsatz beitragen. Analysten erwarten zunächst jedoch vor allem finanzielle Belastungen für die Senderfamilie der Kirch-Gruppe.

mwb MÜNCHEN. Die mehrheitlich zur Kirch-Gruppe gehörende Pro Sieben Sat.1Media AG hat von der H.O.T Networks AG einen Anteil von 48,4% an der TM3Holding Euvia Media AG übernommen. "Wir bauen uns damit eine neue Säule im Fernsehgeschäft auf", sagte Pro-Sieben-Sat1-Chef Urs Rohner während einer Telefonkonferenz.

Für die Beteiligung zahlt Pro Sieben dem bisherigen Eigentümer Hot 67 Mill Euro. Darüber hinaus wurde ein Gesellschafterdarlehen von 112 Millionen Euro gewährt. Im Gegenzug übernimmt H.O.T die Anlaufverluste. "Wir rechnen mit 80 bis 100 Mill Euro", sagte H.O.T.-Chef Georg Kofler. Nach dem Einstieg von Pro Sieben hält H.O.T. noch 48,6%, die restlichen 3% liegen bei Euvia-Chefin Christiane von Salm.

H.O.T gilt in Deutschland als Marktführer beim so genannten Transaktionsfernsehen, das nicht allein durch Werbung finanziert wird, bei dem aber Zuschauer Waren und Dienstleistungen direkt bestellen oder an Spiel-Shows teilnehmen können. Zu Jahresanfang hatte die Kirch-Gruppe den bisherigen Spartensender TM 3 von der News Corp des Medienunternehmer Rupert Murdoch übernommen und die H.O.T-Tochter Euvia weitergereicht. Kofler hatte daraufhin den Umbau des ehemaligen Frauensenders zu einem Spartenkanal mit Live-Unterhaltung und Zuschauerbeteiligung angekündigt. "TM3 wäre in seiner früheren Form für uns nicht interessant gewesen", sagte Rohner.

Mittelfristig könne das Transaktionsfernsehen einen Umsatzanteil von 10 % erreichen, sagte Rohner. Bislang erzielt Pro Sieben Sat 1 fast den gesamten Umsatz von 2,15 Milliarden Euro (2000) aus dem herkömmlichen werbefinanzierten Fernsehen. Nach früheren Angaben schätzt Rohner den Markt für Transaktionsfernsehen in diesem Jahr in Deutschland auf 435 Millionen und bis 2005 auf jährlich 1 Milliarden Euro. Euvia soll laut Planungen 2004 die Gewinnschwelle und 2005 eine zweistellige Umsatzrendite erreichen.

Analysten sehen den Einstieg von Pro Sieben Sat 1 in das interaktive Fernsehen grundsätzlich positiv, erwarten aber zunächst finanzielle Belastungen. "Wichtig ist vor allem, dass H.O.T. die Anlaufverluste übernimmt", sagte Friedrich Schellmoser von der Hypovereinsbank, die das Unternehmen an die Börse gebracht hat und als die Hausbank der Kirch-Gruppe gilt. Früher sei Pro Sieben blauäugiger in Verträge eingestiegen, diesmal sei die Last überschaubar. Allerdings werde der richtige Schub im interaktiven Fernsehen erst in zwei bis drei Jahren beginnen, wenn dafür die Breitband-Technik zur Verfügung stehe. Deshalb gebe es auch keinen Grund die Aktie zum Kauf zu empfehlen. Schellmoser sieht die mit "Underperformer" (schlechter als der Markt) eingestufte Aktie eher bei 16 als bei 20 Euro. Gestern gab die Aktie um 2,5% auf 18,60 Euro nach.

Euvia-Chefin Christiane zu Salm vertraut zunächst beim Einkaufsfernsehen auf Geschäfte per Fernsehgerät und Telefon. Im Vergleich zum Konkurrenten RTL sei das Unternehmen gut aufgestellt. Umsatzprognosen wollten die Beteiligten nicht abgeben. Ein Börsengang der Euvia schlossen Kofler und Rohner vorerst aus.

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