Analysten erwarten im ersten Quartal wieder schwarze Zahlen
Deutsche Bank fährt Aktienbesitz zurück

Die Deutsche Bank hat in den vergangenen Monaten durch den Verkauf von Beteiligungen mit einem ansehnlichen Verkaufserlös das Ergebnis des ersten Quartals aufgepäppelt. Zusätzlich zu den Quartalszahlen wird die Bank am kommenden Montag Eckpunkte zur künftigen Struktur und strategischen Ausrichtung bekannt geben.

pga/po FRANKFURT/M. Die Deutsche Bank poliert ihre Bilanz im ersten Quartal durch Beteiligungsverkäufe kräftig auf. In den ersten Monaten wurden Münchener Rück - und Allianz-Anteile für insgesamt 1,1 Mrd. Euro über den Markt verkauft. Davon bleiben nach Analystenschätzungen rund 1 Mrd. Euro in den Büchern für das erste Quartal hängen. Durch die Verkäufe reduzieren sich die Beteiligungen an der Münchener Rück von 7,2 auf 5,51 % und an der Allianz von 4,0 auf 3,66 %. Händler sehen die Massnahme eher kritisch: "Der Markt nimmt negativ auf, dass die Deutsche Bank ihr Tafelsilber verkauft. Dadurch wollen die doch nur ihre Zahlen aufpolieren."

Mit den Verkäufen setzt die Deutsche Bank ihre angekündigte Strategie des Abbaus des Beteiligungsportfolios weiter fort. Bereits im Jahr 2000 und 2001 wurden Anteile an der Allianz und der Münchener Rück abgebeben. In den kommenden Jahren will die Bank sich von ihrem Beteiligungsbesitz trennen, dessen Wert sich Ende 2001 auf rund 15 Mrd. Euro belief.

Dank der Veräußerungen dürfte die Deutsche Bank im ersten Quartal nach den Verlusten im Vorquartal wieder ein deutliches Plus ausweisen; am Montag werden die Zahlen bekannt gegeben. Analysten gehen von einem Vorsteuergewinn von mehr als einer Milliarde Euro aus. "Die Beteiligungsverkäufe und die nicht vorzunehmenden Goodwill-Abschreibungen haben die Deutsche Bank gerettet", sagt Konrad Becker von Merck Finck.

Ohne diese Sondereffekte sehen die Analysten nur ein leichtes Plus für den deutschen Branchenprimus. Georg Kanders rechnet mit einem Rückgang des operativen Gewinns um 57 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 320 Mill. Euro. Hierin sind noch nicht die Good-Will-Abschreibungen auf den Unternehmenswert enthalten, die im ersten Quartal des vergangenen Jahres rund 200 Mill. Euro betrugen. Diese müssen nach den US-Bilanzierungsregeln US-GAAP nicht mehr berücksichtigt werden. Ähnlich verhalten sieht auch Dieter Hein vom Crédit Lyonnais die Entwicklung. Er rechnet mit einem operativen Ergebnis auf Höhe des dritten Quartals 2001, in dem es bei 300 Mill. Euro lag.

Die Risikovorsorge setzen die Analysten weiter hoch an, erwarten aber, dass sie unter den 556 Mill. Euro des vierten Quartals bleibt. Leichte Entspannung sehen die Experten auf der Kostenseite. "Die Kostensenkungseffekte werden sich bemerkbar machen", so Kanders. Auf der Investment-Banking-Seite erwartet Jeremy Sigee von Schroders Salomon Smith Barney im Anleihegeschäft eine sehr starkes Ergebnis. "Das ist besser als in jedem Quartal des letzten Jahres".

Neben dem Zahlenwerk wird das Institut nach Informationen des Handelsblatts am Montag auch Eckpunkte zur weiteren Strategie und Ausrichtung bekannt geben. Den gerüchteweise immer wieder kolportierten Abschied aus dem Privatkundengeschäft werde es aber auch unter dem neuen Vorstandschef Josef Ackermann, der am 22. Mai nach der Hauptverssammlung das Ruder übernimmt, nicht geben, heißt es in Finanzkreisen. Allerdings muss der Schweizer die Profitabilität nachhaltig verbessern. Größtes Augenmerk gilt hier der Sparte Privatkunden und Vermögensverwaltung (PCAM). Ackermann will die Bereiche innerhalb des Privatkundengeschäfts offenbar enger verzahnen. "Vor allem im Back-Office wird verstärkt zusammengearbeitet werden", sagt ein Manager der Deutschen Bank. Davon soll aber der Kundenauftritt mit den drei Marken Deutsche Bank Wealth Management, Deutsche Bank Private Banking und Deutsche Bank 24 unangetastet bleiben.

Während sich 2 001 vor allem das Retailgeschäft der Deutschen Bank 24 gut entwickelt, blieb das Geschäft mit vermögenden Privatkunden (Private Banking) hinter den Erwartungen zurück. Das Vorsteuerergebnis fiel von plus 408 Mill. Euro im Jahr 2000 auf minus 52 Mill. Euro. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern sank auf magere 3% und ist damit weit entfernt vom Konzernziel 15% nach Steuern, das 2003 erreicht werden soll. Die Aufwand-Ertragsrelation von 97% ist die höchste im gesamten Konzern. Ackermann hat bereits reagiert und mit seinem Schweizer Landsmann Pierre de Weck einen neuen Leiter dieses Geschäftsfeldes zur Deutschen Bank gelotst.

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