Analysten erwarten Index-Stände zwischen 6 000 und 6 350 Punkten
Dax-Ausblick: Die Stimmung bessert sich kontinuierlich

Seit Wochen geht es an den Börsen nur in eine Richtung: seitwärts. Doch nun hellt sich die Stimmung der Marktteilnehmer auf. Analysten raten an schwächeren Börsentagen zum Kauf besonders gut ausgewählter Titel. Auch in der kommenden Woche dürfte der Aktienhandel von äußerst großen Schwankungen begleitet werden. Dazu könnten Verfallstage an den Terminbörsen beitragen. Spannende Unternehmenstermine gibt es hingegen wenig.

DÜSSELDORF. Die kommende Börsenwoche steht im Zeichen des großen Hexentanzes. An der Terminbörse Eurex steht am Dienstag ein großer Verfallstag an. Die wichtigsten Börsenbarometer dürften dann von terminmarktorientierten Geschäften dominiert werden. Am Donnerstag (Fronleichnam) wird an den deutschen Börsenplätzen zwar erneut gehandelt, Händler erwarten aber wie an Christi Himmelfahrt und Pfingstmontag nur äußerst dünne Umsätze. Wichtige Juni-Futures und Juni-Optionen auf den Deutschen Aktienindex und Optionen auf Einzelaktien verfallen dann am Freitag.

Aus den USA dürften Unternehmensmeldungen, die auch die Kurse nachhaltig bewegen, sehr spärlich ausfallen. Die Internet-Gruppe CMGI legt am Dienstag nachbörslich Quartalszahlen vor, Lebensmittelproduzent Heinz vorbörslich am Mittwoch, und die Softwaregesellschaft Adobe Systems nachbörslich am Mittwoch.

Bei den deutschen Unternehmen setzt sich die Saison der Hauptversammlungen fort. Einige wichtige Termine der kommenden Woche in Eurolands Unternehmenslandschaft zeigt die folgende Tabelle:

TerminUnternehmen
Montag

BNP

Paribas (HV)
Dienstag

Beiersdorf

(HV)
DienstagHeyde (HV)
Dienstag

Jungheinrich

(HV)
DienstagSER Systeme (HV)
Dienstag

Telecom Italia

(HV)
MittwochIntershop (HV)
MittwochStinnes (HV)
DonnerstagVivanco (HV)
FreitagSaltus (1. Quartal)
Freitag

Telefonica

(HV)
Quelle: DG Bank

Für chancenorientierte Anleger ist SAP ein Kauf

"Gerade in Zeiten, in denen es seitwärts geht, ist die richtige Auswahl der Aktien entscheidend", sagt Finanzanalyst Martin Haug von der SEB . Dennoch erwartet Haug, dass die Märkte kurzfristig weiter seitwärts laufen werden: "Im laufenden Quartal dürfte es eher weitere negative Unternehmensmeldungen hageln", sagt er.

Privatanleger empfiehlt der Kapitalmarktspezialist, zurzeit noch ausreichend Bares zu halten und auf günstigere Tage mit ihren Käufen zu warten. Konservativen Anlegern legt er den Kauf einiger MDax-Werte nahe. Für interessant hält Haug die Porsche -Aktie. Porsche soll besonders von der Einführung der neuen Modellreihe Cayenne profitieren können. Aus dem Segment für die zweite Reihe stuft Haug zudem Altana und Jenoptik als "Kauf" ein. Chancenorientierte Anleger sollten durchaus SAP in ihr Depot aufnehmen. "Ich denke, SAP ist momentan strategisch sehr gut ausgerichtet", sagt Haug. Auch die VW -Aktie hält der Auto-Spezialist für vielversprechend. Er sieht Kurspotenzial bis 65 ? auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten.

GZ-Bank erwartet Gewinnmitnahmen

Analyst Robert Stehmans von der GZ-Bank geht ebenfalls von einer Seitwärtstendenz in der kommenden Woche aus. Er prognostiziert eine Schwankungsbreite beim Dax zwischen 6 100 und 6 350 Punkten. Stehmans glaubt, dass zahlreiche Anleger an stärkeren Börsentagen Kasse machen und Gewinne mitnehmen. Auch wenn er die Stimmung an den internationalen Börsen durchaus als positiv bezeichnet, so fehlten entscheidende Impulse, um die Kaufbereitschaft der Anleger zu wecken.

Unter Stehmans Anlagefavoriten rangieren zurzeit American International Group , Nestlé und Suez ganz oben. Er rät wegen der weiter unsicheren Aktienmarktsituation zu defensiven Titeln. Versorger hätten jüngst bewiesen, dass sie in schwachen Börsenzeiten nicht nur sichere Anlegerhäfen darstellen, sondern auch mit guten Geschäftszahlen glänzen können.

Suez konnte sich im Markt beweisen

Die Suez -Aktie sei im Vergleich zur Branche günstig bewertet und nach dem erfolgten Aktiensplit auch optisch günstiger. Die Zahlen für das erste Quartal hätten gezeigt, dass sich der Energieversorger im Markt beweisen konnte. Bei den Versorgern stuft Stehmans auch RWE , Eon und die spanische Endesa -Aktie auf Kaufen ein. Kritisch beurteilt der Analyst lediglich, dass die Energieriesen ihre zahlreichen Zukäufe noch verdauen müssen. "Es darf der zweite Schritt nicht vor dem ersten kommen", sagt er. Auch wenn die globale Ausrichtung im Mittelpunkt stehe, müssten die Untenehmen zunächst die erfolgreiche Integration ihrer zuletzt durchgeführten Akquisitionen vornehmen.

Unternehmen werden sich vor überzogenen Prognosen hüten

Experte Martin Roth von der Dresdner Bank sieht die Aktienmärkte momentan als "fair bewertet" an. Dass die Indizes zu neuen Höhenflügen ansetzen könnten, erwartet Roth frühestens im vierten Quartal. Er prognostiziert "heftige Schwankungen in einer Seitwärtsbewegung". Das gelte auch für die Standardwerteindizes. Zurzeit gebe es keine Impulse für eine Rally. Der Grund: "Die Unternehmen werden sich hüten, sich mit all zu positiven Prognosen zu weit aus dem Fenster zu lehnen", sagt Roth.

Eine Stabilisierung am Aktienmarkt sieht er frühestens im August, wenn sich abzeichnen sollte, dass sich die Konjunktur im kommenden Jahr erholen kann.

Swatch und LVMH in der engeren Wahl

Zwei Werte aus dem Konsumsektor nimmt sein Kollege Andreas Wex momentan stärker unter die Lupe: Swatch und LVMH . Swatch sei von Konsumlaunen bislang verschont geblieben. Das Management strebe einen Absatzzuwachs von 10 bis 15 % an. Analysten, die das Unternehmen beurteilen, hielten diese Prognose für zutreffend. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17 sei Swatch relativ günstig bewertet. Eine hohe Eigenkapitalquote an der Bilanzsumme eröffne die Chance, weitere Märkte durch Zukäufe zu erschließen. Als Risiken sieht Wex bei Swatch eine mögliche Fortsetzung des Konsumabschwunges und die angestrebte Verstärkung von Verkäufen über das Internet und über eigene Shops: "Da muss der Anleger abwarten, ob die Strategie aufgeht", sagt er. Die LVMH-Aktie sei in der vergangenen Zeit besonders aufgrund des schwachen Yen unter Druck geraten. Wex erwartet bei diesem defensiveren Titel eine Erholung. Der Experte erwägt, kurzfristig eine der beiden Aktien in das Musterdepot, dass er online bei Handelsblatt.com managt, aufzunehmen.

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Strategische Empfehlungen für die Dax-30-Aktien haben wir in dieser Woche von der DG Bank für Sie in folgender Tabelle zusammengestellt:

DG Bank

UnternehmenGewinn 2000eGewinn 2001eAnlageurteil

Adidas

-Salomon
4,545,35Halten
Allianz11,4113,47Halten

BASF

2,583,29Halten

Hypo

-Vereinsbank
3,804,47Halten

Bayer

2,383,01Halten

BMW

2,302,60Halten

Commerzbank

1,852,26Halten
Daimler-Chrysler0,503,59Halten
Degussa1,401,49Verkaufen

Deutsche Bank

5,626,46Kaufen
Deutsche Post1,501,40Verkaufen
Deutsche Telekom0,010,23Verkaufen
Dresdner Bank1,822,19Verkaufen

Eon

3,003,40Halten

Epcos

3,804,06Verkaufen
Fresenius MC2,653,13Halten

Henkel

Vz.
3,423,89Halten

Infineon

Technologies
0,891,37Halten

Linde

2,803,10Halten

Lufthansa

1,902,00Verkaufen

MAN

2,042,27Halten

Metro

1,221,34Halten
Münchener Rück.9,0012,20Halten
Preussag2,072,32Verkaufen

RWE

2,252,40Kaufen

SAP

Vz.
3,034,15Halten

Schering

2,132,45Halten

Siemens

3,073,80Halten

Thyssen

-Krupp
1,001,40Halten

VW

6,407,40Halten

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