Analysten erwarten Kapitalerhöhung der zweitgrößten deutschen Bank
Hypo-Vereinsbank muss Farbe bekennen

Die Märkte warten mit Spannung auf die Bilanzvorlage der Hypo-Vereinsbank am Donnerstag. Nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen rechnen Analysten mit einer Kapitalerhöhung - sei es durch eine Zwangswandelanleihe, sei es durch eine direkte Ausgabe neuer Aktien. Der Börsenwert der Bank fällt und fällt.

mwb/vwd MÜNCHEN. Der Druck auf die Hypo-Vereinsbank (HVB) wächst. Am Donnerstag legt das hinter der Deutschen Bank zweitgrößte deutsche Finanzinstitut ihre Bilanz für 2002 vor. Analysten erwarten von HVB-Chef Dieter Rampl eine klare Aussage, wie er die Kapitalbasis stärken und die Ertragsprobleme überwinden will.

Die Bank hatte im Februar für 2002 wegen hoher Kreditausfälle und Wertverluste eigener Investments erstmals einen Verlust - von 858 Mill. Euro - bekannt gegeben. Das Institut mit dem größten Kreditportfolio in Europa wurde von der Konjunktur besonders hart getroffen. Die Risikovorsorge musste auf 3,8 Mrd. Euro erhöht werden. Die Kapitaldecke wird dünner.

Ende Februar hatte ein Bericht des "Handelsblatts" über eine geplante Ausgabe einer Zwangswandelanleihe für Aufsehen gesorgt. Bei einer Zwangswandelanleihe erhält der Anleger jährliche Zinszahlungen. Bei Fälligkeit muss er die Anleihe in Aktien umtauschen. Die HVB hatte sich heftig gegen Spekulationen über akute Finanznöte gewehrt und mehrfach betont, es gebe keinen Beschluss für eine Zwangswandelanleihe - es handele sich um eine Option. Ein klares Dementi blieb aber aus. Zuletzt hatte Rampl der Agentur Bloomberg bestätigt: "Die HVB hat keine Kapitalnot. Trotzdem: Ich habe immer gesagt, eine so genannte Zwangswandelanleihe ist ein Instrument für uns."

Analyst Konrad Becker von Merck Finck ist überzeugt, dass durch solche Äußerungen des Vorstands der Markt für eine Kapitalerhöhung vorbereitet werden soll. Auch gestern versicherte ein Hypo-Vereinsbank-Sprecher aber: "Es gibt keine neuen Entwicklungen, und es sind noch keine Entscheidungen gefallen." Heute wird der Vorstand zusammenkommen, und am Mittwoch trifft sich der Aufsichtsrat.

"Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Zwangswandelanleihe kommt hat sich erhöht", sagt Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland- Pfalz. Grund dafür sei, dass die angekündigte Kapitalbeschaffung durch den Verkauf von Beteiligungen wie der Norisbank und der Vereins und Westbank - nicht voran komme. Nach seinen Berechnungen braucht die HVB rund 1,5 Mrd. Euro für ihr Ziel, die Kernkapitalquote von 5,6 % auf 7 % zu erhöhen. Auch andere Analysten gehen von dieser Höhe aus. Die Bank braucht nach Ansicht mehrerer Analysten mindestens eine Kernkapitalquote von 6 %, um eine weitere Bonitätsherabstufung wie im vorangegangenen Jahr zu vermeiden. Die Agenturen Standard&Poor?s und Moody?s haben die Bank auf ihrer Beobachtungsliste. Eine weitere Herabstufung würde die Refinanzierung der Bank verschlechtern.

Neben einer Zwangswandelanleihe hält Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler aber auch eine Kapitalerhöhung für möglich. "Die HVB könnte dem Beispiel der Allianz folgen", sagt der Analyst. Der unter anderem durch die Verluste der Tochter Dresdner Bank angeschlagene Versicherungsriese hatte in der vergangenen Woche eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht von 3,5 bis 4 Mrd. Euro angekündigt.

Zwar habe HVB-Chef Rampl vor Wochen eine Kapitalerhöhung angesichts der schwachen Finanzmarktsituation ausgeschlossen, räumte Hoymann ein. Doch sei absehbar, dass so schnell keine Besserung in Sicht sei und die Hypo-Vereinsbank mit einem Kurs zwischen acht und zehn Euro relativ fair bewertet sei. Gestern verlor die Aktie rund 5 % auf unter acht Euro. Analysten gehen inzwischen davon aus, dass in dem niedrigen Börsenkurs die erwartete Verwässerung durch eine Kapitalmaßnahme schon enthalten ist.

Bei einer normalen Kapitalerhöhung bräuchte die HVB nach Einschätzung von Analysten rund 180 Mill. neue Aktien, bei einer Zwangswandelanleihe nur bis zu 140 Mill. Aktien. Beiden Varianten müsste die Hauptversammlung zustimmen. Denn laut Beschluss der Aktionäre von 2000 verfügt die Bank nur über ein genehmigtes Kapital von 100 Mill. Aktien.

Die HVB-Aktionäre sollen nach Angaben aus Finanzkreisen bei der Abspaltung der HVB Real Estate Bank für vier Aktien des Mutterkonzerns jeweils einen Anteilsschein der Real Estate erhalten. Über diesen Vorschlag soll die Hauptversammlung am 14. Mai befinden. Durch die Abspaltung erhofft sich die Bank eine bessere Bilanz und eine bessere Bonitätsbewertung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%