Analysten erwarten katastrophale Quartalsergebnisse
Fiat-Präsident verliert Rückhalt der Agnelli-Familie

Der Präsident des italienischen Industriekonglomerats Fiat, Paolo Fresco, steht kurz vor seinem Rücktritt. Unternehmens- und Finanzkreise gehen davon aus, dass der glücklose Manager noch vor Ende dieses Jahres sein Amt niederlegen muss.

MAILAND/NEW YORK. Er wird von Umberto Agnelli, dem jüngeren Bruder des Fiat-Ehrenpräsidenten Giovanni, zu diesem Schritt gedrängt. Die Agnellis kontrollieren den krisengeschüttelten Konzern mit 30,4 % der Stammaktien.

Fresco wird vorgeworfen, die Dimensionen der Krise zu lange unterschätzt zu haben. Der frühere Stellvertreter von Jack Welch bei General Electric habe zudem mit einer vollkommen verfehlten Investitionspolitik und der Aufhäufung eines hohen Schuldenberges Fiat in die Sackgasse manövriert. Nicht zuletzt hat er als Präsident des Konzerns auch die katastrophalen Ergebnisse der Autosparte mit zu verantworten.

Diese Ergebnisse haben dazu geführt, dass im Laufe des letzten Jahres bereits Vorstandschef Paolo Cantarella, Autochef Roberto Testore und Finanzvorstand Damien Clermont auf Druck von Umberto Agnelli ausgewechselt worden sind. An ihre Stelle hat der Vertreter der Gründerfamilie, der in dieser Phase sehr an Einfluss gewonnen hat, ihm nahe stehende Manager - allen voran Vorstandschef Gabriele Galateri di Genola - gesetzt. Galateri leitete bis zu seiner Ernennung im Juni die Familienholding der Agnellis. In Turin gilt nun als wahrscheinlich, dass nach dem Rücktritt Frescos Umberto Agnelli selbst die Position des Fiat-Präsidenten einnehmen wird.

Als eher unwahrscheinlich gilt, dass Fresco bereits auf der heute stattfindenden Verwaltungsratssitzung das Handtuch werfen wird, obwohl Analysten unabhängig davon katastrophale Ergebnisse für das dritte Quartal erwarten. Ihren Schätzungen zufolge hat allein die Autosparte, mit einem Umsatzanteil von rund 40 % der größte Geschäftsbereich des Mischkonzerns, einen operativen Verlust von 250 bis 350 Mill. Euro angehäuft. Hierdurch dürfte Fiat insgesamt mit 120 bis 320 Mill. Euro in die roten Zahlen gerutscht sein. Für das Gesamtjahr erwarten Experten einen Verlust von Fiat Auto zwischen 1,2 und 1,5 Mrd. Euro. Damit wird ein Großteil des Eigenkapitals von 1,8 Mrd. Euro aufgezehrt. Laut italienischer Rechtslage müssen somit die beiden Aktionäre Fiat (80 %) und der strategische Partner General Motors (20 %) eine Kapitalerhöhung vornehmen, da die Verluste die Kapitalbasis um mehr als Drittel aufzehren. Bankenkreisen ist von frischen Mitteln in Höhe von rund 3 Mrd. Euro die Rede, die das Unternehmen benötigt, nicht zuletzt um den Investitionsplan von 2,5 Mrd. Euro pro Jahr zu finanzieren. In welcher Form Fiat das Geld aufbringen wird, ist völlig ungeklärt. Der Konzern hat sich gegenüber seinen Gläubigerbanken verpflichtet, die Schuldenlast von 5,8 Mrd. Euro bis zum kommenden Frühling auf 3,6 Mrd. Euro zu drücken.

Zwar hat Paolo Fresco bereits die Bereitschaft beider Seiten angekündigt, die Kapitalerhöhung mitzutragen. Aus dem GM-Hauptquartier in Detroit verlautete gestern aber nur ein kühles "no comment". In Mailänder Finanzkreisen wird angezweifelt, dass Fresco die Kapitalerhöhung ausreichend mit GM beraten hat, bevor er damit an die Öffentlichkeit gegangen ist. Das Verhältnis zwischen Turin und Detroit gilt wegen der desolaten Lage von Fiat-Auto zunehmend als angespannt. Fiat besitzt ab 2004 die Option, den Geschäftsbereich an die Amerikaner zu verkaufen.

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