Analysten erwarten keine Zinserhöhungen
Greenspan sieht moderate US-Konjunkturerholung

Die US-Wirtschaft steht nach Einschätzung von US-Notenbank-Chef Alan Greenspan vor dem Ende der seit fast einem Jahr dauernden Rezession. Die Erholung werde aber voraussichtlich moderat ausfallen, sagte Greenspan am Mittwoch in Washington. Die Börsen reagierten positiv, da Zinserhöhungen damit laut Analysten vorläufig nicht zu erwarten sind.

Reuters WASHINGTON. Trotz der Unterbrechungen durch die Anschläge vom 11. September nähmen die Wirtschaftsaktivitäten zu, sagte der Fed-Chef in einer an den Finanzmärkten mit großer Spannung erwarteten Anhörung vor dem Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses. Eine Reihe von Sonderfaktoren könnte aber das Tempo der erwarteten Erholung bremsen.

Greenspan bekräftigte nach Angaben von Analysten Erwartungen auf eine Phase unveränderter Zinsen. Die US-Notenbank (Fed) hatte die Zinsen in der größten Volkswirtschaft der Welt im vergangenen Jahr in insgesamt elf Schritten auf 1,75 Prozent gesenkt, dem niedrigsten Niveau seit 40 Jahren.

Alle 24 von der Nachrichtenagentur Reuters befragten US-Primärhändler erwarten dass die Fed bei ihrer nächsten Sitzung am 19. März die Zinsen unverändert lassen wird. 22 gaben an, sie rechneten damit, dass die kurzfristigen US-Zinsen bis zum 30. Juni bei 1,75 Prozent bleiben. Bei seiner letzten Sitzung im Januar hatte der Offenmarktausschuss (FOMC) der Fed die Zinsen unverändert gelassen.

Als Schlüsselindiz für eine "bevorstehende Wende" bezeichnete Greenspan die niedrigen Lagerbestände. Die Unternehmen seien daher in den kommenden Monaten gezwungen, ihre Produktion hochzufahren. Als Bremse für den Aufschwung könne sich dagegen erweisen, dass die Verbraucher während der Wirtschaftsflaute überraschend viel Geld ausgegeben hätten. "Daher ist das Potenzial für eine deutliche Beschleunigung der Aktivitäten in diesem Sektor wahrscheinlich begrenzter als in vergangenen Wirtschaftszyklen", sagte Greenspan.

Ohne die Anschläge in den USA hätte sich nach Auffassung Greenspans die heimische Wirtschaft besser entwickelt. "Ganz klar - ohne die Geschehnisse des 11. September hätte es wahrscheinlich im dritten Quartal keine Veränderung gegeben, vielleicht ein kleines Plus oder ein ganz kleines Minus", sagte Greenspan mit Blick auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Die Wahrscheinlichkeit einer Erholung der US-Wirtschaft nehme weiter zu. Nach Einschätzung Greenspans deuten die Wirtschaftsdaten zum laufenden ersten Quartal auf ein BIP-Wachstum hin.

Die Fragen der Abgeordneten drehten sich vorwiegend um den Konkurs des Energiehändlers Enron, der nach Ansicht des Fed-Chefs bislang ohne nennenswerte Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft blieb. Wenn Enron einen kurzfristigen Einfluss auf die Wirtschaft gehabt hätte, hätte sich dies bereits abgezeichnet. Eine breite Mehrheit der US-Unternehmensbilanzen sei besser als die von Unternehmen in anderen Ländern, fügte Greenspan hinzu. Verbesserungen seien aber teilweise noch notwendig.

Analysten sagten, Greenspans Rede sei zwar optimistischer ausgefallen als seine Äußerungen zu Jahresanfang. Doch charakterisierten sie seine Aussagen zugleich auch als vorsichtig und zurückhaltend. Greenspan habe vor allem deutlich gemacht, dass sich die US-Wirtschaft nur langsam erholen werde. Dies sei ein klares Indiz dafür, dass die US-Notenbank die Zinsen für eine längere Zeit auf ihrem derzeitigen Niveau halten wolle.

"Die Fed wird die Zinsen wahrscheinlich so lange wie möglich auf einem niedrigen Niveau halten", sagte Gary Thayer von A.G. Edwards & Sons in St. Louis. Solange die Arbeitslosigkeit steige, werde die Fed weiterhin das Risiko einer weiteren Konjunkturabschwächung höher einschätzen als das Risiko steigender Inflation.

"Es ist ganz klar: keine Zinserhöhungen in der absehbaren Zukunft. Das bedeutet allerdings auch nicht, dass wir weitere Senkungen bekommen", sagte ein anderer Analyst, der mit unveränderten Zinsen bis zum Ende des dritten Quartals rechnet.

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