Analysten erwarten unveränderte Leitzinsen
EZB-Rat tagt

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat in Frankfurt seine geldpolitischen Beratungen aufgenommen. Analysten erwarten unveränderte Leitzinsen. Das hohe Inflationsniveau in der Euro-Zone lasse der EZB keinen Raum für Zinssenkungen.

rtr FRANKFURT. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat in Frankfurt seine geldpolitischen Beratungen aufgenommen und wird nach überwiegender Einschätzung von Analysten die Leitzinsen unverändert lassen. Das nach wie vor hohe Inflationsniveau in der Euro-Zone lässt der EZB Analysten zufolge keinen Raum für Leitzinssenkungen. Doch könnte EZB-Chef Wim Duisenberg die Märkte auf eine Zinssenkung in den nächsten Wochen vorbereiten, da die Teuerung auf mittlere Sicht zurückgehe. Die EZB wird den Zinsentscheid gegen 13.45 Uhr bekannt geben. Ab 14.30 Uhr wird Duisenberg den Beschluss erläutern. Am Donnerstag tagt auch der erweiterte Zentralbankrat, zu dem neben den Notenbankchefs der Euro-Zone auch die der EU-Länder Großbritannien, Schweden und Dänemark gehören. Dieses Gremium kommt vierteljährlich zusammen.

40 von 45 befragten Volkswirten rechnen mit unveränderten Zinsen nach der Ratssitzung. Lediglich vier erwarten eine Senkung. Vor allem nach den jüngsten Aussagen von EZB-Ratsmitgliedern zur Inflationsentwicklung erwarten die meisten Analysten keine Leitzinssenkung am Donnerstag. Duisenberg hatte am Montag die Aussicht auf Inflationsraten unter 2,0 % im Jahr 2002 bekräftigt. EZB-Vize Christian Noyer hatte in der vergangenen Woche gesagt, es gebe keinen Grund, einen baldigen Zinsschritt der EZB zu erwarten.

Spekulationen über Zinssenkung bis August dauern dennoch an

Zahlreiche Experten gehen davon aus, die EZB werde aber spätestens bis August die Zinsen reduzieren. Zuletzt hatte die EZB am 10. Mai die Leitzinsen um 25 Basispunkte gesenkt. Daten signalisierten in der laufenden Woche eine weitere Abschwächung der Konjunktur in der Euro-Zone. Der Geschäftsklima-Index fiel im Mai auf 0,06 von 0,36 Punkten im April. Die Arbeitslosenquote sank im April dagegen auf 8,3 % nach 8,4 % im März. Der Vertrauensindex der Industrie fiel im Mai auf minus funf von minus vier Zählern im Vormonat, der Index für das Vertrauen der Verbraucher in die Wirtschaft der Euro-Zone sank auf minus vier von minus zwei Punkten.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kritisierte in einer Analyse die zurückhaltende EZB-Zinspolitik. Der Kurs der EZB führe dazu, dass monetäre Beschränkungen kräftige Aufschwungentwicklungen frühzeitig zum Stillstand brächten. Volkswirte der Organisation EMU Monitor hatten der EZB dagegen am Mittwoch zu einer abwartenden Geldpolitik geraten. Zwar verlangsame sich das Wachstum in der Euro-Zone bei gleichzeitig steigender Inflation. Im nächsten Jahr werde die Teuerungsrate aber wieder unter zwei Prozent fallen, und es sei unwahrscheinlich, dass das Wachstum im Jahresdurchschnitt 2001 unter zwei Prozent liegen werde, hieß es.

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