Analysten erwarten weiteren Verkaufsdruck
Tokios Börse auf der Suche nach Boden

Tokios Aktienmarkt, der seit Monaten stetig fällt, wird nach Ansicht von Analysten in dieser Börsenwoche kaum die Wende schaffen. Weder von der Unternehmensseite noch von der konjunkturellen Front ist mit kursstützenden Nachrichten zu rechnen. Die für kommenden Freitag angekündigte Bekanntgabe der Wachstumswerte des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal dürfte vielmehr enttäuschend ausfallen. Das dürfte den Verkaufsdruck am Aktienmarkt zusätzlich verstärken.

fu TOKIO. In der vergangenen Börsenwoche geriet die Tokioter Börse einmal mehr durch neue Negativrekorde in die weltweiten Schlagzeilen. Am Mittwoch fiel der als Benchmark verwendete Nikkei-225-Index erstmals seit knapp 17 Jahren auf ein Niveau unter 11 000 Punkte, nachdem ein Tag zuvor eine Rekordarbeitslosigkeit von fünf Prozent bekannt gegeben worden war. Erwartungsgemäß heizte dies prompt Diskussionen über nötige Hilfestellungen der Regierung für den Arbeitsmarkt an. Wer Mitte der vergangenen Woche geglaubt hatte, dass an Tokios Aktienmarkt nun der Boden erreicht sei, sah sich bald eines Besseren belehrt. So schloss der Nikkei sowohl am Donnerstag als auch am Freitag im Minus. Er beendete die Handelswoche schließlich bei einem Schlussstand von 10713,51 Punkten, 4,1 % unter dem Wert der Vorwoche.

Dazu beigetragen hatten zum einen enttäuschende Werte zur Industrieproduktion. Zum anderen drückte ein deutlich langsamer als erwarteter Abbau fauler Kredite aus Japans Bankbilanzen die Kurse. Schließlich belastete eine Serie von Gewinnkorrekturen aus der Elektronikindustrie.

In den kommenden Tagen dürfte sich der Nikkei angesichts der zusehends skeptischer beurteilen Marktverfassung in den USA wohl an die nächste kritische Marke von 10 500 Punkten herantasten. Besonders pessimistische Analysten spekulieren bereits darüber, wann der Nikkei und der US-Index Dow Jones, der derzeit knapp unter 10 000 Punkten notiert, den gleichen Punktestand aufweisen.

Experten rechnen mit Rückgang des Wachstums

Das zentrale Ereignis dieser Woche steht am Freitag an. Dann werden die provisorischen Daten für das BIP-Wachstum im Quartal zwischen April und Juni bekannt gegeben. Konjunkturforscher gehen unisono von einem Rückgang aus. Es wäre der erste BIP-Rückgang in Japan seit drei Quartalen. Die Meldung einer negativen BIP-Entwicklung wird die Debatte um die notwendige Höhe eines Zusatzbudgets der Regierung intensivieren. Dabei dürfte das Vorhaben von Regierungschef Junichiro Koizumi, die Neuausgabe staatlicher Schuldverschreibungen bereits im laufenden Fiskaljahr auf die Höhe von 30 Bill. Yen zu beschränken, zur Debatte gestellt werden. Zumal mit einer solchen Limitierung ein Zusatzbudget auf eine Größe von rund 2 Bill. Yen beschränkt bliebe. Das betrachten einige Politiker auch innerhalb der regierenden Liberaldemokraten jedoch als zu bescheidene Summe.

Kritisch werden die Märkte auch die achttägige Reise von Finanzminister Yanagisawa in die USA und nach Europa beobachten. Er wird in Gesprächen mit Horst Köhler vom Internationalen Währungsfonds sowie mit Alan Greenspan, dem Vorsitzenden der amerikanischen Notenbank, über Japans ins Stocken geratenen Fortschritte bei der Reform des Finanzsektors berichten.

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