Analysten: feindliche Übernahme „hochgradig unrealistisch“
WCM strebt Minderheitsanteil an Thyssen-Krupp an

Der Düsseldorfer Mischkonzern Thyssen-Krupp ist ins Visier der Frankfurter Beteiligungsgesellschaft WCM geraten. Die will ein Paket von mindestens zehn Prozent erwerben, um in den Aufsichtsrat einzuziehen. WCM ist in erster Linie an den 55 000 Wohnungen von Thyssen-Krupp interessiert.

HB DÜSSELDORF. Die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG will eine strategische Beteiligung von 10 bis 25 % an der Thyssen-Krupp AG zusammenkaufen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen des Frankfurter Investmentkonzerns, der auch die IVG Holding AG, die Klöckner-Werke AG und die RSE Grundbesitz AG kontrolliert. Eine feindliche Übernahme des Düsseldorfer Mischkonzerns, wie in Presseberichten am Donnerstag spekuliert wurde, beabsichtigt WCM den Angaben zufolge jedoch nicht.

WCM-Vorstandschef Roland Flach wollte weder bestätigen noch dementieren, dass die Holding ein größeres Aktienpaket an Thyssen-Krupp anstrebt. "Zu geplanten Vorhaben im Beteiligungsbereich mache ich keine Angaben", sagte Flach dem Handelsblatt. Indirekt machte der WCM-Chef aber deutlich, dass eine feindliche Übernahme von Thyssen-Krupp durch die WCM undenkbar sei.

Der Konzern wolle im kommenden Jahr den Kauf weiterer Beteiligungen ausschließlich aus eigener Kasse bezahlen, erklärte Flach. So wolle er vor allem verhindern, dass das 49-Prozent-Aktienpaket des Großaktionärs Karl Ehlerding verwässert werde. "Wir planen keine Übernahme durch Ausgabe neuer Aktien. Sämtliche geplanten Beteiligungen sollen aus den vorhandenen Barmitteln finanziert werden", sagte Flach.

Die Investment-Gruppe verfügt nach dem Verkauf der Klöckner-Foliensparte Pentaplast lediglich über eine Kriegskasse von 1 bis 1,5 Mrd. Euro. Für eine Mehrheitsübernahme der Thyssen-Krupp AG müsste WCM aber mehr als vier Mrd. Euro bezahlen, da der Düsseldorfer Konzern an der Börse eine Bewertung von acht bis neun Mrd. Euro erreicht.

Ein Thyssen-Krupp-Sprecher betonte, dass eine Beherrschung und Zerschlagung des Konzerns nur schwer möglich sei. Der Konzern wisse nichts davon, dass eine Übernahme vorbereitet werde. 40 % des Kapitals seien in festen Händen, der Rest breit gestreut. Die Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung hält knapp 18 %, die IFIC Holding AG des Staates Iran 7,69 % und die Fritz-Thyssen-Stiftung 4,96 %. Allein damit ist die Sperrminorität gesichert, die ein Ausschlachten des Konzerns verhindert. Dazu wäre eine Satzungsänderung mit mehr als 75 % der Stimmen nötig.

Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Harald Schartau (SPD), der lange im Krupp-Aufsichtsrat saß, unterstrich das. Die Eigentümerstruktur der Thyssen-Krupp AG erschwere eine feindliche Übernahme. "Ich halte das für ein Gerücht", sagte Schartau.

Dem stimmen auch die Analysten zu. Sie betonen, dass die Großaktionäre langfristig orientiert seien. Ein Analyst der Deutschen Bank hält eine Übernahme durch WCM für "hochgradig unrealistisch".

Mit dem Einstieg will sich die auf das Beteiligungs- und Immobiliengeschäft fokussierte WCM einen Sitz im Aufsichtsrat sichern, so die Unternehmenskreise. Auch dieses Vorhaben stößt allerdings nach Auffassung von Thyssen-Krupp an Grenzen. Alle Aufsichtsratsmitglieder der Anteilseignerseite seien in der letzten Hauptversammlung bis 2005 gewählt worden.

WCM will sich mit dem Deal in eine günstige Verhandlungsposition bringen, falls sich Thyssen-Krupp von seinen 55 000 Wohnungen trennen sollte. Die WCM käme damit dem Ziel nahe, ihren Bestand an Wohnungen auf rund 110 000 zu verdoppeln. Branchenführer ist die Eon-Tochter Viterra mit knapp 170 000 Wohneinheiten.

Gespräche zwischen Thyssen-Krupp und WCM über eine Kooperation im Immobilienbereich waren in diesem Jahr nach zwei Treffen ergebnislos abgebrochen worden. Aus unternehmensnahen Kreisen bei Thyssen-Krupp verlautete, dass die Konzepte sehr weit auseinander lagen.

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