Analysten geben noch keine Entwarnung
Telekom-Aktien mit Vorsicht genießen

Aufräumen, ausgliedern, abstoßen - die Sanierungsarbeiten bei den hoch verschuldeten Telekomkonzernen sind noch lange nicht abgeschlossen. Analysten raten deshalb zur Vorsicht, wenn es um den Kauf von Telekom-Titeln geht. Zu den wenigen Kaufempfehlungen gehören Swisscom und Telecom Italia.

DÜSSELDORF. Bei einem flüchtigen Blick auf die europäischen Telekomkonzerne könnte man glatt optimistisch werden. Die Aktienkurse der Unternehmen wie Deutsche Telekom und France Télécom sind gestiegen. Analysten erwarten bei der bevorstehenden Bekanntgabe der Quartalszahlen gute operative Ergebnisse, vor allem Zuwächse beim freien Cash-Flow.

Einige Telekom-Aktien, darunter Titel von Telecom Italia und Swisscom, werden sogar zum Kauf empfohlen. Der weltweit größte Mobilfunker Vodafone ist wieder in Kauflaune und hat mal eben 13 Mrd. Euro für die Komplettübernahme der französischen Beteiligung Cegetel geboten. Parallel dazu macht Vodafone einfach so 100 Mill. Euro locker, um Werbung für mobile Internet-Dienste zu machen.

Gerade waren die Konzerne noch in tiefster Depression, die Branche bangte um ihr Überleben. Ist der Spuk vorbei?

Leider nein. "Es ist weiterhin Vorsicht angesagt", schreiben Analysten von UBS Warburg in ihrer jüngst erschienen Branchenanalyse. Sie wollen noch keine Entwarnung geben, auch wenn die Lage der Telekomkonzerne inzwischen weniger alarmierend scheine als noch in der ersten Jahreshälfte. Telekom-Experten von Credit Suisse First Boston sehen bereits erste Anzeichen einer Stabilisierung - vor allem in den klassischen Festnetzsparten der Konzerne. Auf Grund des Wettbewerbsdrucks schwächelten diese Cash-Cows in den vergangenen Monaten und lieferten niedrigere Gewinne.

Die Telekomgesellschaften haben inzwischen angefangen, radikal aufzuräumen, auszugliedern und abzustoßen. Ihr vorrangiges Ziel: Sie wollen ihre Schulden - eine Folge der ehrgeizigen Globalisierungspläne und teuer ersteigerter Lizenzen für die neue Mobilfunktechnik UMTS - senken und kennen dabei keine Tabus mehr. "Bei uns steht alles auf dem Prüfstand", verkündete Helmut Sihler, Interimschef bei der Deutschen Telekom. Die Liste mit Sparvorschlägen wird immer länger: Dividende streichen, Investitionsausgaben kürzen, Satellitenbeteiligungen verkaufen, Stellen abbauen. Was davon verwirklicht wird, will Sihler Mitte November bekannt geben.

Ähnliches steht France Télécom noch bevor. Die Franzosen kämpfen mit Verbindlichkeiten von 70 Mrd. Euro - mehr als die Konkurrenz. Um damit fertig zu werden, sehen Analysten der Banc of America Securities nur noch einen Ausweg: eine massive Kapitalerhöhung. Kurzfristig wäre das keine gute Nachricht für die Aktionäre. Doch angesichts des Schuldenbergs müsse der Konzern zu drastischen Mitteln greifen, heißt es in einer Analyse von UBS Warburg.

Was den Branchenexperten von J.P. Morgan zurzeit noch die meisten Sorgen bereitet: Wie nachhaltig wirkt sich der Konsolidierungskurs aus, den die Konzerne jetzt eingeschlagen haben? Denn wohin dies führen kann, sieht man bereits bei der britischen BT Group und der niederländischen KPN. Beide Konzerne haben bereits mit harten Einschnitten ihre Schulden gesenkt. Das Ergebnis: Von BT ist nicht viel mehr übrig geblieben als ein nationaler Festnetzbetreiber, denn der Konzern stieß einen Großteil seiner internationalen Beteiligungen und sogar sein Mobilfunknetz ab, um die Schuldenlast zu minimieren. Die Wachstumsmöglichkeiten sind daher eingeschränkt. Merrill Lynch erwartet beispielsweise nur ein Umsatzplus von knapp 3 %, wenn BT am Donnerstag seine Quartalsergebnisse bekannt gibt. BT-Chef Ben Verwaayen hatte sich jährlich ein Umsatzwachstum von 6 bis 8 % pro Jahr vorgenommen.

KPN gilt nach der Sanierung durch den vor einem Jahr eingesetzten Konzernchef Ad Scheepbouwer dagegen bei UBS Warburg als eines der attraktivsten Titel in der Telekombranche. Doch auch KPN ist noch nicht völlig über?m Berg. Alle Telekomkonzerne mit einer Mobilfunktochter müssen noch beweisen, dass sich ihre Milliarden-Investitionen in die UMTS-Technik und in neue mobile Internet-Angebote auszahlen.

Die Analysten sind daher vorsichtig mit ihrer Bewertung. Das aktuelle Kursniveau spiegele meist den fairen Wert der Konzerne wider. Es gebe nur ganz wenige Ausnahmen mit Aufwärtspotenzial. Dazu gehöre die Swisscom, ein solides, von vielen als langweilig eingestufter Konzern, weil das Unternehmen kaum Schulden und keine Visionen habe. Doch der Mangel an Risiken könnte sich für den Anleger auszahlen, meint UBS Warburg.

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