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Analysten geben widersprüchliches Bild für Dax im dritten Quartal

Selten haben technische Analysten so unterschiedliche Szenarien zum Dax aufgezeigt. Zwischen 5 100 und 7 072 Punkten liegen die möglichen Zielmarken für den Dax im neuen Quartal, so das Ergebnis der neuen Umfrage am Dienstag.

vwd FRANFURT. Zuversichtlich für einen deutlichen Aufschwung ist Dietmar Rübsamen, technischer Analyst des Bankhauses Delbrück. Achim Matzke, technischer Analyst der Commerzbank, meint, der Dax arbeite weiter an der mittelfristigen Bodenbildung und werde sich am längerfristigen Abwärtstrend bei 6 450 sehr schwer tun. Und Klaus Tafferner, technischer Analyst von Concord Effecten, bezweifelt sogar, dass der Dax diesen Abwärtstrend überhaupt erreicht.

Zwar verweist Tafferner darauf, dass seine Signale selbst bereits ein widersprüchliches Bild liefern und mehrere Szenarien zulassen. Positiv wäre für ihn, wenn der Dax das Tief vom 28. Juni bei 5 758 auf Schlussbasis nicht mehr unterschreitet. Dann wäre für ihn ein Test des Trends bei 6 450 drin und nach einer Verschnaufpause ein Überwinden des Abwärtstrends mit einem Anlauf bis 7 045 Punkte. Dieses positive Szenario hat für Tafferner allerdings nur geringe Chancen.

Denn die Indikatoren hätten die Tiefststände vom März und April bestätigt und keine positiven Divergenzen ausgebildet, so Tafferner mit Blick auf das Maß für die Trenddynamik Momentum und den Trendfolger MACD. Lediglich der RSI zeige in einer sehr kurzen Einstellung die trendwende-verdächtige Divergenz, doch sei diese höchstens für Positionen auf der kurzen Trading-Ebene gut, so Tafferner.

Auch die Marktbreite stimme nicht, so der Analyst von Concord. Die jüngste Aufwärtsbewegung sei nur von wenigen Werten getragen worden, so von der T-Aktie, den Autos und den Versicherungen. Negativ zu bewerten sei auch das Umsatzverhalten: Seit Montag gingen die Umsätze bei steigenden Kursen zurück, wobei eine gesunde Aufwärtsbwegung das gegenteilige Bild zeigen sollte. Und aus Elliott-Wave-Sicht sei völlig offen, ob der Dax in einer Korrektur des Abschwungs stecke oder bereits in einem neuen Aufschwung. Neue Jahrestiefststände bis September bei 5 100 Punkten seien als Thema jedenfalls nicht vom Tisch, so Tafferner, der meint, die jüngste Erholung könnte in vier bis fünf Tagen in einen neuen Abschwung münden.

Auch Rübsamen verweist auf die genannte Unsicherheit der Elliott-Wave-Analyse, meint aber, diese Frage werde erst im vierten Quartal entschieden. Das dritte Quartal verspreche deutliche Kursgewinne, und zwar unabhängig von der Frage, ob der Dax "nur" den Abschwung korrigiere oder ein neuer Aufschwung begonnen habe. Sollte sich das Szenario der Korrektur durchsetzen, werde die neue und abschließende Erholungswelle dem Ausmaß der ersten Erholungswelle von März bis Mai entsprechen und den Dax in den Bereich zwischen 6 744 und 7 072 Punkte führen.

Positive Signale kämen besonders von den US-Börsen, so Rübsamen. Der Nasdaq-100 habe am 28.6. den Widerstandsbereich bei 1 769 bis 1 777 Punkten mit einem Gap, einer charttechnischen Lücke, überwunden. Die Korrektur sei damit beendet, in den genannten Bereich reiche nun das Rückschlagspotenzial. Der neue Aufschwung habe nun beim Zwischen-Tief von 1 655 Punkten begonnen. Er sollte wie der erste Aufschwung von 1 348 bis 2 070 Punkten ein Potenzial von 55 % haben, den Nasdaq-100 also auf 2 541 Punkte führen. Aber auch in der "Old Economy" sieht Rübsamen positive Zeichen. Für den Dow hat Rübsamen als Ziel im laufenden Quartal ein neues All-Time-High bei 13 000 Punkten errechnet.

Zwar drohten besonders von den langen Zinsen neue Belastungen, diese sollten sich aber erst im vierten Quartal entfalten, meint Rübsamen. Denn noch bremse der fallende Ölpreis den drohenden Zinsanstieg. Seine Favoriten für das laufende Quartal sind, ausgehend von dem günstigen Szenario der Nasdaq, die TMT-Werte, währungssensible Zykliker wie Auto- und Chemietitel sowie Versicherungen und Finanzdienstleister. Versorger- und Pharmawerte sollten ihre Favoriten-Rolle langsam abgeben.

Matzke meint, die Märkte arbeiteten weiterhin in der mittelfristigen Bodenbildung. Dabei stecke der Dax in einer Seitwärtsbewegung zwischen der Unterstützungszone bei 5 400/5 500 und dem Widerstandsbereich bei 6 300/6 500 Punkten fest. Positiv sei zunächst, dass der Dax beim jüngsten Abschwung nicht mehr Richtung Unterstützungszone gefallen sei. Der aktuelle Anlauf nach oben könnte den Dax an den Widerstand führen, ohne dass der Widerstand schnell geknackt werde.

Denn hier fielen der Abwärtstrend, ein horizontaler Widerstand und die 200-Tage-Linie zusammen, so Matzke, der deshalb davor warnt, die Kraft des Widerstands zu unterschätzen. Unterstützung kommen könnte von Einzelwerten, denn viele liefen derzeit schon Widerstände an, deren "Knacken" Kaufsignale auslösen würde. Ein solches erzeugt habe schon die T-Aktie, die nun Richtung 30 bis 31 ? zeige. BMW müssten den Bereich 41 bis 42 ? überwinden, Daimler-Chrysler 57 bis 58 ? und die Post das obere Ende der Box mit der Marke bei 19,10 ?, so der technische Analyst der Commerzbank. In der zweiten Reihe komme ein solches Signal bereits von Gehe, Altana würden oberhalb von 47 bis 48 ? ein solches erzeugen.

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