Analysten gefällt Hutchison-Aktie
Hongkonger Aktien sind zurzeit günstig zu haben

Bekannt für ihre Kursschwankungen, nötigt die Hongkonger Börse Anlegern selbst in Haussephasen gute Nerven ab. Zurzeit liegt der Hang-Seng-Index aber deutlich unter seinem Jahreshoch. Aktienstrategen großer Investmentbanken sehen die Zeit reif, Qualitätstitel günstig ins Portfolio zu nehmen

HB HONGKONG. Kurzfristig verdüstern der Ölpreis, die Euro-Schwäche und die Angst vor einem Abbröckeln des US-Wachstums auch in Fernost die Aussichten für eine Kursralley. Doch längerfristig halten Investmentexperten Hongkong für einen der vielversprechendsten Märkte Asiens. So hält Nitin Parekh, Asien-Stratege bei Credit Suisse First Boston, Hongkonger Aktien "nach fast allen denkbaren Maßstäben" für günstig bewertet. Das politische Risiko sei gering, die Abhängigkeit von Technologie-Aktien minimal. Hongkong biete deshalb den besten Schutz vor einem Angst-Szenarium nachlassenden Wachstums und steigender Inflation. Die Deutsche Bank sieht China als einzige überzeugende Wachsstums-Story in Asien - und die Aktien der besten Unternehmen Chinas werden in Hongkong gehandelt. Der bevorstehende WTO-Beitritt zusammen mit weiter steigenden Exporten machten das Land der Mitte und Hongkong zu den einzigen Märkten der Region, in denen die Bank zum Übergewichten rät. Asien-Stratege Chris Tinker glaubt, dass der Index in absehbarer Zeit leicht auf 16 500 Punkte steigen kann und rät längerfristig orientierten Anlegern, an schwachen Tagen Index-Schwergewichte zu kaufen.

Aktie von Hutchison Whampoa hat Potenzial

Die Aktie des Mischkonzerns Hutchison Whampoa (HWL) zum Beispiel, die derzeit etwas über 100 HK$ notiert, hat für den Analysten der Deutschen Bank Kurspotenzial von 110 bis 130 HK$. Es sei einer der Werte, die über sechs Monate sicher profitierten. Ein anderer Weg, von Hutchisons satten Gewinnen an der Börse zu profitieren, bietet die Cheung Kong-Aktie. Das Konglomerat hält 50 % an HWL. Die Aktie kostet um die 90 HK$ und hat laut Tinker selbst kurzfristig ein Kurspotenzial von 10 bis 12 %. Wenn die Aktie von Chinas Mobilfunk-Marktführer China Mobile auf 45 HK$ fällt wie vor zwei Wochen, sei auch dieser Wert ein klarer Kauf. Bei über 55 HK$, wo er derzeit steht, hält Tinker den Titel jedoch für teuer.

Hongkong könnte seitwärts driften

Andere Banker sehen die Lage etwas düsterer: Der Regionalstratege von Salomon Smith Barney, Han Ong, sieht Hongkong langfristig seitwärts driften. "Unschönes Umschichten zwischen Sektoren" werde das Börsengeschehen bestimmen. Hongkong sei fest im Griff weltweiter Trends und rund um den Globus verlangsame sich das Wachstum, was die Börsen belastet.

Konsolidierung des Bankensektors

Derzeit bevorzugt der Aktienstratege defensive Werte mit stabilen Gewinnen wie Banken, Immobilien und Versorger. Chinesische Stromerzeuger wie Beijing Datang und Huaneng Power (beide Outperform, hohes Risiko), könnten außerdem mit gutem Wachstumspotenzial aufwarten. Weil die Angst vor Zinserhöhungen zurückgeht, seien auch Bankwerte wie HSBC (Outperform, geringes Risiko) interessant. Anlegern, die auf die bevorstehende Konsolidierung des Hongkonger Bankensektors spekulieren möchten, empfiehlt Salomons Bank-Analyst Raymon Lee Wing Hang, Dah Sing und HKCB Bank, drei mögliche Übernahmekandidaten mit guten Fundamentaldaten.

Vielschichtigkeit von Mischkonzernen zu Nutze machen

Anleger, die Sicherheit und Wachstum suchen, sollten sich die Vielschichtigkeit von Mischkonzernen wie Hutchison zu Nutzen machen, rät Ong. Sein Institut hat in dieser Woche das Kursziel für HWL (Outperform, geringes Risiko) auf 120 HK$ angehoben. Weitere Konglomerate auf der Kaufliste von Salomon Smith Barney sind Cheung Kong, Amoy Properties und Hysan Development (alle Outperform, geringes Risiko). Sie setzen schwerpunktmäßig auf das Immobiliengeschäft. Unter chinesischen Titeln ragen der PC-Hersteller Legend und der Chemiekonzern Yizheng ( beide Kauf, hohes Risiko) und China Mobile (Kauf, mittleres Risiko) heraus. John Hetherington, Asien-Stratege bei HSBC, hat sein Zwölf-Monats-Ziel für den Hang-Seng gerade um 1 300 Punkte auf 19 400 zurückgenommen. Auch er sieht Vorsicht geboten und rät zum Übergewichten von Banken und Unternehmen mit starkem Cash- Flow, allen voran Hutchison, seinem Top-Pick (Kursziel 144 HK$). Ihm gefallen auch die Mischkonzerne Swire (Kursziel 70 HK$) und Wharf (24 HK$). Sie stärkten ihr Kerngeschäft mit Büroimmobilien, wo mit der Nachfrage auch die Mieten stiegen.

Vom Telekomsektor und von Pacific Century Cyberworks sollten Anleger Hetherington zufolge die Finger lassen. Eine Ausnahme ist für ihn China Mobile, allein schon wegen der Größe. Weil das Unternehmen in einem geschlossenen Markt mit rasantem Wachstum agiere, könne man es nicht mit anderen Telekomwerten in einen Topf werfen. Insgesamt seien chinesische Aktien immer noch "ziemlich billig". Ein Kurspotenzial von über 70 % bieten laut HSBC Petrochina (Kursziel 3 HK$), Yizheng (2,90 HK$) und Legend (12 HK$) - allerdings kauften Anleger mit den Titeln auch ein hohes Risiko.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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