Analysten geteilter Ansicht
Fusionsfantasie beflügelt Biotech-Aktie

Die offizielle Bestätigung der Fusionsgespräche zwischen den Biotech-Unternehmen Morphosys und British Biotech beflügelten die Morphosys-Aktie am Montag. Bis 14.00 Uhr kletterte das im Nemax 50 gelistete Papier um über sieben Prozent auf 18,95 Euro.

ddp/vwd BERLIN. Die Gespräche sind allerdings noch in einem frühen Stadium, wie British Biotech am Montag mitteilte. Es sei noch unklar, ob die Diskussionen zu einem Abkommen führen oder nicht. Morphosys-Finanzvorstand David Lemus hielt sich zu den Einzelheiten der Fusion, zum Synergiepotenzial und zum Zeitpunkt eines möglichen Abschlusses der schon seit Monaten laufenden Gespräche bedeckt. Das Synergiepotential könne jedoch an der starken Produktentwicklung von British Biotech und der "weltbesten Antikörperbibliothek" von Morphosys ermessen werden, sagte Lemus.

Sabine Eberhardt vom Bankhaus Merck Finck & Co. bewertet die geplante Fusion mittel- und langfristig als strategisch sinnvoll. Diese käme dem im Februar von Morphosys angekündigten Strategiewechsel vom Technologielieferanten zum Eigenentwickler von Erzeugnissen aus seinen Antikörpern entgegen. Eberhardt weist aber darauf hin, dass eine fundamentale Einschätzung der Fusion nur nach Bekanntgabe der noch fehlenden Eckdaten möglich sei. Da die Analystin langfristig von der Technologieplattform von Morphosys überzeugt ist, empfiehlt sie den Titel weiterhin zum "Kauf".

Dagegen erwartet Thomas Brenning, Analyst der Helaba Trust, für Morphosys keine großen Vorteile aus der möglichen Fusion. Zudem sei noch unklar, wie weit die Gespräche vorangeschritten seien. Der mögliche britische Partner sei in den letzten Jahren eher durch Negativ-Meldungen aufgefallen. In diesem Zusammenhang wies Brenning auf den hohen Kapitalverbrauch von British Biotech hin. Kurzfristige Gewinne sind aus Sicht des Analysten zwar möglich. Langfristig erwartet Brenning jedoch keine großen Impulse aus der geplanten Fusion und belässt den Wert auf "Untergewichten".

Markt und Analysten sehen Morphosys-Fusion unterschiedlich

"Grundsätzlich macht eine Fusion beider Unternehmen Sinn", beurteilte Analystin Sabine Eberhardt von Merck Finck die Gespräche. "Das Erreichen der kritischen Masse würde beiden gut tun." Während Morphosys eine hervorragende Technolgoie besitze, könne British Biotech auf die größere Erfahrung bei der Produktentwicklung zurückgreifen. Zugleich verwies die Analystin darauf, dass die Unternehmen noch keine Details ihrer Gespräche bekannt gegeben haben. Angesichts der relativ schwachen Cash-Situation beider Unternehmen - gemessen an der finanziell aufwendigen Medikamenten-Entwicklung - sei British Biotech "nicht der Traumkandidat" für MorphoSys.

Ähnlich beurteilt auch Hans Frohnmeyer von der Landesbank Baden-Württemberg die Gespräche: "Die richtige Eurphorie bricht nicht aus." British Biotech sei nicht der Partner, der erwartet worden sei. Die Cash Position von British Bio sei zwar besser als die von Morphosys, jedoch seien nach derzeitigem Erkenntnisstand "keine zwingenden Synergien" aus der Fusion zu erwarten. Morphosys hatte mit der Ändererung ihrer Strategie vom Technologieanbieter zum Produktlieferanten im Frühjahr angekündigt, ähnlich wie bei der Transaktion mit der Schering AG Ende 2001 weitere strategische Partner zu gewinnen.

Der Zusammenschluss beider Unternehmen sei strategisch sinnvoll, doch seien beide schwach positioniert, sagte Thomas Höger von der DZ Bank. Morphosys habe eine Technologieplattform, aber keine Pipeline, British Biotech habe eine gute Pipeline, aber eine hohe Cash-Burn-Rate. Höger zufolge sind die Gespräche weiter fortgeschritten als angenommen. Ohne weitere Details könne man sich aber nur schwer auszumalen, wie eine mögliche Fusion aussehen könnte.

Ein weiterer Analyst schätzt die Morphosys-Bemühungen um eine Fusion mit British Biotech ebenso als "im Prinzip sinnvoll" ein, da Morphosys einen Partner suche, dessen Produkte zur MorphoSys-Antikörperbibliothek passten. Zwar sei das britische Unternehmen vor einigen Jahren das Paradepferd der europäischen Biotechnologieszene gewesen. Jedoch hätten Misserfolge in der Forschung den Aktienkurs zum Absturz gebracht. Hinzu seien Insidergeschäfte gekommen, die zur Auswechslung des Managements geführt hätten. Das neue Management habe noch nicht unter Beweis gestellt, dass es besser sei als das alte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%