Analysten glauben langfristig an den Segen des Outsourcing in der IT-Branche
Billighersteller brauchen langen Atem

Sie produzieren für Ericsson, Alcatel oder Cisco: Massenware für die IT-Branche. Wegen des steigenden Kostendrucks gewinnen Auftragsproduzenten immer größere Anteile an der Produktion von Markenanbietern. Doch auch das schützt sie nicht vor der Konjunkturflaute.

FRANKFURT/M. Wenn es bei Mobiltelefon- oder PC-Herstellern kriselt, ist das gut für die Geschäfte von Billig-Produzenten wie Flextronics, Solectron oder Jabil Circuit. Dann lagern Markenanbieter wie Ericsson zum Beispiel ihre komplette Mobiltelefonproduktion an Unternehmen wie Flextronics aus.

Im Moment kriselt es aber offensichtlich zu stark. Der Trend zum Outsourcing reicht nicht mehr aus, um die EMS-Industrie (Electronic Manufacturing Services) immun gegen die Konjunkturflaute zu machen. Das zeigen die jüngsten Quartalsberichte der nordamerikanischen Firmen Jabil Circuit und Solectron.



Branchenprimus Solectron, der unter anderem für Cisco, Sony oder Hewlett Packard produziert, enttäuschte bereits im ersten Quartal 2001 die Gewinnerwartungen der Analysten leicht. Im laufenden Quartal sieht es düsterer aus. Das Management rechnet mit einem Gewinn zwischen 5 und 9 US-Cents je Aktie. Analysten gingen aber von 16 Cents aus. Zwar fiel das Quartalsergebnis beim Konkurrenten Jabil weniger dramatisch aus: Die jüngsten Gewinnzahlen vom Dienstag trafen sogar die Schätzungen der Analysten. Jedoch schraubte das Unternehmen seine Erwartungen für das aktuelle Jahresviertel herunter. Die Börse bestrafte daraufhin die gesamte Branche mit kräftigen Kursabschlägen.



Achillesferse ist das Telekom-Engagement



Auch andere Branchenvertreter der EMS-Industrie müssten in ihren Gewinnerwartungen noch bescheidener werden, erwartet Merrill- Lynch-Analyst Jerry Labowitz. "Das ist eine gute Gelegenheit, um Gewinne mitzunehmen und das Engagement in diesem Sektor zu reduzieren", schreibt der Analyst in einer Studie. Er hat wichtige Branchenfirmen wie Celestica, Jabil Circuit, Flextronics, Sanmina und Solectron auf "neutral" herabgestuft. Andere Investmentbanken wie Morgan Stanley oder Goldman Sachs haben ihre Gewinnschätzungen ebenfalls gesenkt. Die Achillesferse der Unternehmen ist das starke Engagement in der Netzwerk- und Telekombranche. "Dort verzeichnete Solectron den stärksten Rückgang, während es bei PCs und Notebooks Zuwächse gab", erklärt Jim Savage, Analyst bei Thomas Weisel Partners. Nach Berechnung von Merrill Lynch ist die Abhängigkeit von der Kommunikationsbranche bei Solectron (65 % des Umsatz), Sanmina (72 %), Flextronics (49 %) und Jabil Circuit (44 %) am größten.



Immerhin "sind die Lagerbestände sowohl bei Jabil als auch bei Solectron deutlich gesunken. Das verringert den Druck auf die Bilanz", sagt André Jäkel, Analyst der BHF-Bank. Sobald die Börse dreht, gehören die Auftragsproduzenten seiner Ansicht nach auch zu den ersten, deren Kurse sich erholen werden. Weil die meisten verschiedene Produkte herstellen, bieten sie ein besseres Risikoprofil.



"Aber bevor Anleger wieder zugreifen, sollten sie prüfen, inwieweit einzelne Unternehmen mit ihren Übernahmen zurecht kommen", sagt Jäkel. Analysten kritisieren vor allem die Einkaufstour von Solectron, denn das Unternehmen verlor dabei den Überblick. "Bis das Restrukturierungsprogramm Früchte zeigt, gehören sie nicht mehr zur ersten Wahl", urteilt ein New Yorker Analyst. "Die Großen sind im Zweifelsfall dennoch die bessere Investition, vorausgesetzt, die Höhe der liquiden Mittel stimmt. Das Geschäft ist kapitalintensiv, weil die Outsourcing-Spezialisten von ihren Kunden ganze Fabriken übernehmen", meint Jäkel.



Solectron selbst macht den Anlegern damit Hoffnung, dass das Volumen möglicher Outsourcing-Aufträge für die gesamte Branche mit über 10 Mrd. US $ so hoch sei wie nie. Daher bleiben die meisten Analysten langfristig optimistisch. "Der Trend zum Outsourcing ist intakt, aber wer weiß, wann sich das wieder in neuen Aufträgen niederschlägt", beschreibt eine US-Analystin die Lage. Dazu fällt auch Solectron-Chef Ko Nishimura wenig ein: "Es ist schwer zu sagen, wie lange der Abschwung dauert."

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