Analysten halten das Nachbarsegment der Biotechnologie nach der Kurskorrektur für attraktiv bewertet
Medizintechnik-Aktien fristen Schattendasein

Im Gegensatz zu Biotech-Unternehmen macht ein Großteil der am Neuen Mark notierten Medizintechniker bereits Gewinne. Einer der Gründe: Das Zulassungsverfahren ist nicht so anspruchsvoll wie in der Biotechnologie. Der Weltmarkt für Medizintechnik wird auf immerhin 150 Mrd. DM geschätzt.

FRANKFURT/M. Seit Jahresanfang hat sich der Branchen-Index für Medizintechnik-Aktien, der Nemax Medtech & Health Care, schlechter entwickelt als der gesamte Neue Markt. Das wesentlich teurere Nachbar-Segment Biotechnologie kann sich dagegen vor Mittelzuflüssen renditehungriger Anleger kaum retten, und auch für Pharma-Titel können sich noch viele Investoren erwärmen. Für die Medizintechnik dagegen scheint sich niemand zu interessieren, obwohl viele Titel durchaus niedrig bewertet sind. Auch Analysten beschäftigen sich bisher kaum mit der Branche.

Dabei verfügen die am Neuen Markt gelisteten Medizintechniker gegenüber Biotech-Firmen über entscheidende Vorteile: Viele Unternehmen - wie beispielsweise AAP Implantate, Asclepion und Eckert & Ziegler - sind bereits in der Gewinnzone, sagt Thomas Schießle, Analyst beim Bankhaus Delbrück. Medizintechnik-Firmen kommen schneller in die Gewinnzone als Biotech-Firmen, weil die Zulassungsverfahren für neue Produkte weniger anspruchsvoll seien, erklärt Detlef-Otto Neeb, Analyst bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank.

Die Mehrzahl der Produkte aus der Medizintechnik werden nach dem Medizinproduktegesetz zugelassen-und nicht nach dem Arzneimittelgesetz. Biotechnologische Produkte müssen vor Markteinführung drei klinische Testphasen durchlaufen. "Da kann die Medikamenten-Entwicklung schnell bis zu acht Jahre dauern", sagt Neeb. Allerdings seien medizintechnische Produkte schlechter durch Patente zu schützen, als Arzneimittel, erklärt der Analyst. "Medizintechnische Produkte bestehen oft aus der Kombination bereits bestehender Technik", sagt Neeb. Es sei deswegen schwierig, das gesamte Produkt durch ein Patent zu schützen.

Ein Grund für das geringe Anleger-Interesse an Aktien von Medizintechnik-Unternehmen mag auch die Unübersichtlichkeit der Branche sein. Die Unternehmen Macropore und Curasan zählt Alexander Burger, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, beispielsweise zur Medizintechnik. Die Deutsche Börse dagegen führt die Unternehmen im Biotech-Index. Ein Blick auf das Geschäftsfeld verdeutlich das Dilemma: Das US-Unternehmen Macropore entwickelt Implantate für die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie auf Basis von Polymilchsäure.

Unterschiedliche Geschäftsbereiche verwirren die Anleger

Der Vorteil dieser Säure besteht nach Angaben des Unternehmens darin, dass sie vollständig über den Stoffwechsel abgebaut werden könne. Im Gegensatz zu nicht abbaubaren Implantaten werde den Knochen kein Calzium entzogen. Letztlich kombiniert Macropore medizintechnische Produkte mit biotechnologischen Bausteinen. Curasan wiederum hat das ehrgeizige Ziel, Knochentransplantationen wenigstens teilweise überflüssig zu machen. Das Knochenaufbaumittels Cerasorb soll in die defekte Stelle eingesetzt werden und dort die Regeneration beschleunigen. Dabei soll sich das Produkt nach dem Willen des Unternehmens völlig rückstandslos abbauen.

Auch die gänzlich unterschiedlichen Geschäftsbereiche der einzelnen Medizintechniker können einige Anleger verwirren. Im Nemax Medtech & Healthcare sind beispielsweise der Medizingerätehersteller Rösch neben der Fürther Privatklinik Euromed vertreten, aber auch die österreichische Kretztechnik, ein Hersteller von 3-D-Ultraschallsystemen. Am Beispiel Rösch wird eines der Hauptprobleme der Branche sichtbar: Es ist fraglich, ob die Krankenkassen die Kosten für die neuen Produkte übernehmen. Rösch stellt Spritzen her, die ihren Wirkstoff ohne Nadel unter die Haut transportieren. Bisher ist Rösch eines der Unternehmen der Branche, die noch keinen Gewinn verbuchen kann. Erst Mitte Oktober gab das Berliner Unternehmen bekannt, dass es die Umsatzerwartungen nicht erfülle und rote Zahlen schreibe. Schwarze Zahlen erwartet Rösch nun für das vierte Quartal.

Für Thomas Schießle, Analyst beim Bankhaus Delbrück sind AAP Implantate, Eckert & Ziegler sowie Asclepion klare Kauf-Kandidaten. Asclepion entwickelt, produziert und vertreibt medizinische Lasersysteme. Schießle beurteilt die Vertriebsoffensive - das Unternehmen will seine Laser zukünftig auch in Japan verkaufen - als positiv. Er hält Kurssteigerungen bis auf 45 Euro für möglich. Alexander Burger von der Landesbank Baden Württemberg hält den Titel dagegen für zu teuer.

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