Analysten halten Pharma- und Konsumtitel für überbewertet
Banken setzen auf Technologie-Werte

Ungeachtet sinkender Gewinne und düsterer Perspektiven wie beim "Leitwolf" Cisco Systems setzen die Bankhäuser wieder auf die gebeutelten Wachstumswerte. Pharma- und Konsumtitel haben dagegen infolge der Flucht in defensive Aktien zu hohe Bewertungsniveaus erreicht, argumentieren Händler und Analysten.

DÜSSELDORF. Die Hiobsbotschaften aus dem High-Tech-Bereich reißen nicht ab. Als gestern das Mobilfunkunternehmen Orange die Kursspanne für den geplanten Börsengang herunterschraubte, gingen die Aktienkurse vieler Telekomunternehmen in die Knie. Denn die Botschaft war eindeutig: Zu wenig Anleger interessieren sich für Orange und seine Technik. Aus den USA waren die Nachrichten nicht besser: Der Netzwerkgigant Cisco Systems schockierte die Anleger mit Umsatz- und Ergebniszahlen, die erstmals seit 14 Quartalen unter den Erwartungen lagen. Und auch die Aussichten für die kommenden Quartale sind eingetrübt. Kurzum, wenn selbst der einstige High-Tech-Musterschüler Cisco die Prognosen nicht einhält, dann droht dem gesamten Umfeld Ungemach.

Doch in- und ausländische Bankhäuser schauen voraus. Seit Monaten flüchten Investoren aus den hoch bewerteten Wachstumtiteln in Aktien der "Old Economy". Besonders beliebt sind Pharma, Konsum- und Versorger-Unternehmen mit berechenbarem Wachstum. Die Folge der Umschichtung: Bei einem jährlichen Ergebniszuwachs von 12 % weist die Pharmabranche ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 28 auf. Das "dynamische KGV" (PEG) liegt damit bei 2,3. Für Investoren ist das ein wichtiges Signal für die Überbewertung des Sektors.

"Pharma-Aktien sind vor allem in der Relation zu dem Gewinnwachstum sehr, sehr teuer", meint Dirk Guber von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Als Beispiel hebt er Schering hervor: Bei den Berlinern ist das KGV höher als das Ertragswachstum. Neben Pharmawerten haben vor allem in den USA defensive Aktien jetzt Rekordbewertungen. Krasses Beispiel ist die Heimwerkerkette Home Depot: Der Aufsteiger in den Dow-Jones-Index wächst um knapp 10 %, notiert aber mit einem KGV von über 40. "Wir haben die Sektoren Pharma und Versorger auf Neutral heruntergesetzt", meint Gertrud Traud von der Bankgesellschaft Berlin. Die Strategen der Credit Suisse First Boston (CSFB) empfehlen, vor allem defensive US-Werte unterzugewichten.

Dagegen stufen fast alle Investmenthäuser den High-Tech-Sektor wieder höher, raten dabei aber zu selektivem Vorgehen. "Wir setzen die Technologiebranche auf Übergewichten, nachdem es bei den Investoren klare Signale für eine Kapitulation gab. Nun erscheinen die Bewertungen wieder vernünftig", hebt CSFB hervor. "In Zinssenkungszyklen weisen Tech-Werte immer eine überdurchschnittliche Kursentwicklung auf", meint Gertrud Traud. Der Grund: Technologiefirmen sind meist höher verschuldet als traditionelle Unternehmen. Daher profitieren Wachstumsaktien stärker von Zinssenkungen. So legten seit der ersten Zinssenkung in den USA am 3. Januar die Indizes Nasdaq und Neuer Markt rund 20 % zu.

UBS Warburg präferiert europäische Tech-Titel wie Alcatel und SAP, die Bankgesellschaft stellt Epcos heraus. Innerhalb der Technologiebranche setzen die Bankhäuser auf Software-Aktien. "Raus aus der Hardware und rein in die Software, denn hier liegen die Wachstumsraten bei 20 bis 30 %", meinen die CSFB-Analysten. Dagegen sind die Urteile für die Telekombranche gespalten. Während die BHF-Bank europäischen Telekomtiteln angesichts der negativen Berichte zur UMTS-Versteigerung das höchste Erholungspotenzial zutraut und die spanische Telefonica heraushebt, rät CSFB mit dem Argument "zu teuer" weiter von Telekom-Aktien ab.



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